Pyeongchang

Neuer Dopingfall durch russische Bobpilotin

Pyeongchang. Noch bevor das Eishockeyteam der Olympischen Athleten aus Russland wie erwartet ins Finale einzog durch ein 3:0 gegen Tschechien, war endlich die erste Goldmedaille in Südkorea gewonnen worden. Alina Sagitowa (15) hatte im Eiskunstlauf triumphiert und Ministerpräsident Dmitri Medwedew via Twitter gratuliert: „Wir sind stolz!“

Alles schien also auf ein Happy End zuzulaufen, wenn zur Abschlussfeier der 23. Winterspiele endlich auch der Dopingbann aufgehoben würde und sich 168 Russen mit eigener Flagge stolz verabschieden würden, Sagitowa hatte sich umgehend als Trägerin beworben. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) schien sich mit diesem Drehbuch anzufreunden, trotz des noch immer fehlenden Schuldeingeständnisses der Russen für das Betrugssystem von Sotschi 2014, doch waren ja 15 Millionen Dollar als Strafzahlung für die Kosten der Aufarbeitung des Sotschi-Skandals überwiesen. Aber am Freitag stellte eine Wendung alle Pläne wieder infrage.

Denn Bobpilotin Nadeschda Sergejewa (30) ist zwei Tage vor ihrem Olympiastart (Rang zwölf) positiv getestet worden auf die verbotene Substanz Trimetazidin, das sie über das Herz-Medikament Preductal einnahm. Die B-Probe wird am Sonnabend analysiert. Sergejewa war schon im März 2016 positiv auf Meldonium getestet worden, nachdem das Herzmedikament zwei Monate zuvor auf die Verbotsliste gesetzt worden war. Weil die Konzentration unter einem damals definierten Grenzwert lag, wurde sie nicht gesperrt und durfte zu Olympia.

Der Dopingfall des Curlers Alexander Kruschelnizki, der Olympiabronze aus dem Mixed verlor, sollte noch als Einzelfall abgetan werden, doch nun ist die Sicht von IOC-Chef Thomas Bach auf eine „neue Generation von sauberen russischen Athleten“ als Wunschdenken entlarvt. Auch die Russen sind sich über die Tragweite der neuesten Verfehlung im Klaren – am Freitagabend machte sich Resignation breit. „Ich kann sagen, dass sie uns alle enttäuscht hat“, sagte Chef de Mission Stanislaw Posdnyakow zum Dopingfall: „Es wird sicherlich kein Punkt zu unserem Vorteil sein.“ Ironie des Schicksals: Bearbeiten muss den Dopingfall als Chef des Bobverbandes nun übrigens Alexander Subkow, dem Olympiagold 2014 wegen des Dopingskandals aberkannt worden war.