Pyeongchang

Koreas Eishockey: Tränen, Spott und kein Wiedersehen?

Pyeongchang. Die Spielerinnen aus Nord- und Südkorea drehten eine letzte gemeinsame Ehrenrunde, der kanadischen Trainerin Sarah Murray schossen die Tränen in die Augen, und 4000 Zuschauer riefen immer wieder: „Wir sind eins.“ Das vereinte Eishockey-Team hat bei den Winterspielen in Pyeongchang zwar kein einziges Spiel, dafür aber die Herzen der Koreaner gewonnen.

„Der Sport bringt Menschen zusammen, der Sport reißt Mauern ein“, sagte Murray: „Ich bin so stolz auf sie.“ Nach der letzten Schlusssirene für die Mannschaft aus 23 Süd- und zwölf Nordkoreanerinnen hatten die Kanadierin die Gefühle überwältigt. „Was sie geleistet haben, ist erstaunlich – bei all dem Druck von den Regierungen und den Medien.“

Dass auch das Spiel um Platz sieben gegen Schweden mit 1:6 verloren ging, schmälerte ihren Stolz nicht. Doch vom Auftritt des gemischten Teams bekamen die Menschen in Nordkorea nichts mit. Keine Sekunde oder Zeile sportlicher Olympia-Berichterstattung lieferten das staatlich kontrollierte TV und die auf Linie schreibenden Printmedien.

Stattdessen schickte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mehr als 200 junge Frauen zu den Winterspielen, um die koreanische Mannschaft zu unterstützen. Kim Jong Uns Cheerleader machten sich als „Army of Beauties“ - die Truppe der Schönen schnell einen Namen und fielen immer wieder mit perfekt einstudierten Tanz- und Gesangseinlagen auf. Angriffsspielerin Randi Heesoon Griffin gefiel das weniger. „Es hat sich angefühlt, als seien sie nicht für uns oder für das Eishockey hier, sondern für etwas anderes“, spottete die gebürtige Amerikanerin.

Bis zur Schlussfeier bleibt das Team noch zusammen, dann verschwinden die Spielerinnen aus dem Norden wieder hinter dem Eisernen Vorhang. Griffin hofft dennoch auf ein Wiedersehen. „Ich weiß, dass sie kein Facebook haben. Von daher wird es vielleicht schwer, in Kontakt zu bleiben“, sagte sie. Ob das Projekt einer gemeinsamen Mannschaft fortgeführt wird, so wie es sich Weltverbandspräsident René Fasel „als Botschaft des Friedens“ wünscht, steht noch nicht fest. Griffin ist skeptisch. „Vier Jahre als Südkorea zu trainieren und dann kommen zwei Wochen vor dem Turnierstart zwölf neue Spielerinnen dazu - so wollen wir das nicht“, sagte sie.