Basketball

Alba und die Tage des Schmerzes nach der Pokalniederlage

Weil die Berliner im Basketball-Pokalfinale gegen München lange auf Augenhöhe waren, tut die Niederlage besonders weh. Aber es gibt Gründe.

Leerer Blick: Alba-Kapitän Nils Geffey nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Bayern München

Leerer Blick: Alba-Kapitän Nils Geffey nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Bayern München

Foto: Stefan Puchner / dpa

Ulm.  Einen Plan B gab es angeblich nie. Vielmehr hatte Alba Berlins Prokurist Robert Mayer bei Titelgewinnen immer eine spontane Eingebung, wo man vielleicht zumindest kurz anstoßen könnte, und dann verbreitete sich der Name der Bar unter Insidern wie ein Lauffeuer. Beim Basketball-Pokalfinale in Ulm am Sonntag gegen Bayern München sah es noch bis zum 67:57 in der 33. Minute so aus, als müsste Mayer erneut aktiv werden. Doch die Münchner gewannen im Endspurt 80:75. „Wir waren 35 Minuten lang nicht besser als Alba“, gestand Bayern-Coach Aleksandar Djordjevic. Dann aber kippte seine Mannschaft die Partie und tanzte wenig später mit dem Pokal im Ulmer Konfettiregen. Albas Mannschaft, mit Silber dekoriert, sah dem Treiben mit leeren Blicken zu – der Tag war gelaufen. Kein Titel, keine Party.

Die Statistik zeigt zuallererst, wie lange Alba mit den Bayern auf Augenhöhe war. Die Berliner gewannen das Rebound-Duell mit 36:32, beide Teams waren bei den Assists (18) und verlorenen Bällen (15) gleichauf. Auf Albas Spielmacher Peyton Siva entfielen gleich sieben dieser Ballverluste. Zudem trafen Spencer Butterfield nur einen von sieben und Marius Grigonis nur einen von fünf Dreiern – hätten beide normal, so zwischen 35 und 40 Prozent ihrer Versuche getroffen, wäre Alba vielleicht nicht noch abgefangen worden.

Die Bayern konnte rotieren, Alba nicht

Gerade diese drei Spieler hatten noch 18 Stunden zuvor im Halbfinale dem Liga-Vierten Bayreuth mit 96:74 eine Lehrstunde erteilt. Gegen die Bayern war zu sehen, dass sich der weitaus höhere Etat, den die Münchner im Vergleich zu Alba und Bayreuth haben, nicht nur in Spielern wie Topscorer Jared Cunningham (28 Punkte) zeigt. Sondern, gerade unter einem Coach wie Djordjevic, in einer Rotation von zehn gleichstarken Spielern, die vor allem eines können: verteidigen.

Das bekommt ein nicht so tief besetzter Kader wie jener der Berliner früher oder später zu spüren. Besonders, wenn wie beim Top 4 zwischen Halbfinale und Endspiel gerade einmal 18 Stunden liegen. Als es im Finale um alles ging, waren die Akkus der Bayern ganz einfach um ein paar Prozent voller. Was die Niederlage noch schmerzhafter machte als beispielsweise eine, bei der man sowieso schon die ganze Zeit hinterhergelaufen war.

Fortsetzung mit Rollentausch bei der Nationalmannschaft

„Das wird jetzt noch ein paar Tage weh tun“, sagte Luke Sikma mit Blick auf seine Silbermedaille. „Aber durch die Nationalmannschaftspause haben wir jetzt etwas Zeit, die Enttäuschung abzuhaken.“ Coach Aito Garcia Reneses wird sein Team am Donnerstag wieder zum Training bitten, zumindest die, die da sind.

Joshiko Saibou und Niels Giffey fuhren von Ulm direkt nach Frankfurt zum Nationalteam, wo sie am Freitag im WM-Qualifikationsspiel auf Serbien (19.30 Uhr, Telekomsport) treffen. Zusammen mit den beiden Münchner Pokalsiegern Maik Zirbes und Danilo Barthel, außerdem mit Ismet Akpinar, Bastian Doreth, Robin Amaize und An­dreas Seiferth von den Pokal-Halbfinalisten Ulm und Bayreuth. Für das Team Serbiens, das von Djordjevic gecoacht wird, ist neben den Bayern-Stars Vladimir Lucic und Stefan Jovic auch Albas Spielmacher Stefan Peno nominiert.

Es gibt also eine Fortsetzung mit Rollentausch sozusagen.