Olympia

Im Goldrausch, Teil zwei

Nach der starken ersten Hälfte der olympischen Winterspiele winken den deutschen Athleten in der zweiten Woche noch einige Medaillen.

In freudiger Erwartung: Für Andreas Wellinger (l.) und Richard Freitag könnte es am Montag beim Teamspringen eine Medaille geben.

In freudiger Erwartung: Für Andreas Wellinger (l.) und Richard Freitag könnte es am Montag beim Teamspringen eine Medaille geben.

Foto: Quinn Rooney / Getty Images

Pyeongchang.  Das Wochenende in Südkorea fühlte sich seltsam an. Mit schöner Selbstverständlichkeit hatten die deutschen Winterathleten in Pyeongchang zuvor im gleichbleibenden Rhythmus guten Grund, den Teamkollegen zu gratulieren und die vielen Goldmedaillen der ersten olympischen Tage als Ansporn für die eigenen Wettkämpfe in den nächsten Tagen zu nehmen. Von Freitag bis Sonntag dann also kein Olympiasieg, Medaillen schon, 18 sind es bisher insgesamt. Aber die deutsche Hymne wurde nicht mehr gespielt, im Deutschen Haus blieben die Sektkorken stecken, die Norweger sind im Medaillenspiegel vorbeigezogen. Der deutsche Goldrausch nahm sich eine Pause.

Das ist gut zu verstehen, denn vom Tag nach der Eröffnungsfeier bis hin zum Donnerstag, vom ersten Gold durch Biathletin Laura Dahlmeier bis zum neunten durch die Rodler Tobias Wendl/Tobias Arlt, verlief für Deutschlands Wintersportler alles nach Wunsch. Dazu gab es unerwartete Triumphe: den von Skispringer Andreas Wellinger, den von Kombinierer Eric Frenzel, und den zauberhaften Auftritt des Eiskunstlaufpaars Aljona Savchenko und Bruno Massot.

Realistisches Ziel sind 30 Mal Edelmetall wie 2010

„Dass wir 66 Jahre warten mussten, bis es so einen Moment gegeben hat, macht diesen Erfolg zu einem ganz besonderen“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Auch Silber von Wellinger von der Großschanze, von Jacqueline Lölling mit dem Skeleton und von Simon Schempp beim Millimeterfinale im Biathlon-Massenstart am Sonntag lösten Freude aus: „Die Spiele bis jetzt sind ein Traum für mich“, sagte Wellinger.

Nun bricht die zweite Woche an – ob der Goldrausch zurückkehrt? Sehr wahrscheinlich, auch wenn er nicht mehr die Intensität des Auftaktprogramms annehmen dürfte. „Die Mannschaft hat das Potenzial, sich weiter jeden Tag am Kampf um die Medaillen zu beteiligen“, sagte Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig bei der Halbzeitbilanz im Deutschen Haus. Die 19 Medaillen von Sotschi 2014 werden rasch übertroffen sein, realistisches Ziel sind nun die 30 Medaillen von Vancouver 2010.

Die Zweierbobs mit doppelter Goldchance

Die Zeichen stehen gut, dass schon am Montag wieder Gold gewonnen wird. Im Zweier-Bob liegt Pilot Nico Walther (Oberbärenburg) nach zwei von vier Läufen in Führung. Johannes Lochner (Berchtesgaden/+0,19 Sekunden) ist Dritter, Weltmeister Francesco Friedrich (Oberbärenburg/+0,29) ist Fünfter. Die deutsche Bob-Crew steht unter dem Druck, die Null-Medaillen-Schmach von Sotschi wettmachen zu müssen. Am Dienstag haben Stephanie Schneider (Oberbärenburg) und Anschieberin Annika Dradzek (Gladbeck) sowie Mariama Jamanka (Oberhof) gute Chancen auf Edelmetall. Abschluss der Bobrennen sind am Sonntag die beiden letzten Läufe im Männer-Vierer. Ab 13.30 Uhr wird am Montag der Dreikampf der Skispringer im Team ausgetragen. Die Norweger sind stark, die Polen durch den Großschanzenerfolg von Kamil Stoch sowieso. „Wenn jeder die Leistung bringt, müssen sich die anderen lang machen, um uns zu schlagen“, sagte Wellinger, der 2014 in Sotschi mit der Mannschaft Gold gewann.

Zwei Goldchancen haben auch noch die Nordischen Kombinierer: Frenzel und Johannes Rydzek kommen mit der Großschanze, von der es aus am Dienstag dann ins 10-Kilometer-Rennen geht, immer besser zurecht. Sicherstes Gold der zweiten Woche sollte die Staffel am Donnerstag sein.

Bleiben noch die Biathleten. Sie haben noch drei Staffeln vor sich: Im Mixed (Dienstag) und bei den Männern (Freitag) sind zwar andere Nationen die großen Favoriten, aber die deutschen Frauen um Doppel-Olympiasiegerin Dahlmeier starten Donnerstag als erster Goldanwärter. Die hatte in Pyeongchang auf die Frage geantwortet, ob es ihre Spiele werden: „Es werden Team-Deutschland-Spiele.“