Volleyball

Beachvolleyballer wollen auch zu den Winterspielen

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Ninja Priesterjahn
In Pyeongchang wurde Snowvolleyball dem IOC schmackhaft gemacht.

In Pyeongchang wurde Snowvolleyball dem IOC schmackhaft gemacht.

Foto: KIM HONG-JI / REUTERS

Die Spielvariante im Schnee soll zum zweiten Standbein im Volleyball werden.

Winterberg.  Wenn im Skigebiet plötzlich zwei Beachvolleyballfelder mitten im Schnee stehen, wirkt das auf den ersten Blick wie zwei Welten, die nicht zusammengehören. Die Zeiten, in denen Beachvolleyball nur im Sommer gespielt wurde, sind aber vorbei. An diesem Wochenende richtet der Deutsche Volleyball-Verband in Winterberg (Hochsauerland) die erste Deutsche Meisterschaft im Snowvolleyball aus. Die Höhe des Netzes, Feldgröße und Ball unterscheiden sich nicht vom Beachvolleyball. Es werden zwei Gewinnsätze gebraucht, allerdings gehen diese nur bis elf Punkte statt bis 21. Nur ist der Untergrund rutschiger, deshalb gehören Fußballschuhe neben Thermounterwäsche zur Standardbekleidung. „Ein Richtungswechsel ist im Schnee kaum möglich“, berichtet Marcus Popp.

Der Berliner hat bereits 136 Partien und zwei Olympia-Teilnahmen als Volleyball-Nationalspieler vorzuweisen. Im Beachvolleyball wurde er 2009 deutscher Vizemeister und war von 2003 bis 2015 auf der Weltserie aktiv. Nun hat der 36-Jährige Snowvolleyball für sich entdeckt. „Ich spiele einfach gern Volleyball, und das ist eine neue Chance, mich in eine abgewandelte Form davon einzuarbeiten“, sagt Popp. Vor drei Wochen gewann er im Ostseebad Zinnowitz das erste Snowvolleyball-Turnier auf deutschem Boden. Nun will er Deutscher Meister werden. Mit seinem Partner Benedikt Doranth führt er das Feld aus acht Männer- und sechs Frauenteams in Winterberg an. Preisgeld gibt es nicht, die Sieger qualifizieren sich aber direkt für die erste Snowvolleyball-Europameisterschaft, die vom 23. bis 25. März in Wagrain/Österreich ausgetragen wird.

Emanuel und Gabi machen in Südkorea Werbung im Schnee

Österreich gilt als die europäische Geburtsstätte des Snowvolleyballs, der am Mittwoch sogar bei Olympia in Pyeongchang vorgestellt wurde. Der Salzburger Eventmanager Martin Kaswurm hat 2008 angefangen, den Sport zu professionalisieren. Seit 2016 veranstaltet der europäische Volleyball-Verband CEV eine stetig wachsende Tour, auch der Weltverband FIVB hat das Potenzial erkannt, möchte eine WM ausrichten und eine internationale Rangliste etablieren. 2026 soll Snowvolleyball olympisch werden, damit wäre Volleyball die erste Sportart, die ihre Athleten zu Sommer- und Winterspielen sendet.

„Unsere Vorstellung vor dem Österreich-Haus in Südkorea lief super“, freut sich Kaswurm. Mit Emanuel Rego und Vladimir „Gabi“ Grbić konnte er zwei Olympiasieger aus Sand und Halle für Snowvolleyball begeistern. „Die sind um die halbe Welt geflogen, um für uns zu werben“, freut sich Kaswurm. Ziel ist es unter anderem, die Wintermonate, in denen Beachvolleyball von der Bildfläche verschwindet, mit Leben zu füllen. „Wir wollen die Leute zum Volleyball bewegen, egal ob Indoor, Sand oder Schnee“, sagt Kaswurm.

Mediales Interesse an der neuen Sportart

Auch die Deutsche Meisterschaft stößt auf Interesse. Sonntag berichtet das ZDF über Snowvolleyball (17.10 Uhr), außerdem werden die K.o.-Spiele ab 9 Uhr im Livestream auf sportdeutschland.tv übertragen. „Die Entwicklung geht echt rasant. Momentan sehe ich Snowvolleyball aber noch eher als Spaßveranstaltung“, sagt Popp. „Man muss mal sehen, wie sich das alles entwickelt und wie man das überhaupt ganzjährig trainieren könnte.“

Solche Gedanken erinnern an die Anfänge des Beachvolleyballs, der sich zur beliebtesten Sportart der Sommerspiele entwickelt hat. Deshalb ist FIVB-Präsident Ary Graca optimistisch: „Ich bin sicher, dass Snowvolleyball als Sport explodieren wird, weil es so anders ist und für viele Länder eine Menge Möglichkeiten kreiert.“