Pyeongchang

Olympiasieger Cologna feiert die „Couscous-Rakete“

Beim 15-Kilometer-Langlauf begeistern vor allem die Exoten

Pyeongchang. Da standen sie im Zielraum, klopften sich auf die Schultern, schwenkten ihre Fahnen und ließen schließlich German Madrazo hochleben. Der Mexikaner hatte sich gerade im 15-Kilometer-Langlaufrennen als 116. und Letzter über den Zielstrich gequält, ehe er von seinen Leidensgenossen empfangen wurde. Wie etwa Pita Taufatofua aus Tonga, der mit nacktem Oberkörper bei der Eröffnungsfeier weltberühmt wurde. Oder dem Kolumbianer Sebastian Uprimny, der knapp vor Madrazo mit etwas weniger als 25 Minuten Rückstand auf den Schweizer Olympiasieger Dario Cologna das Ziel erreichte. Sie feuerten sich auf den letzten Metern gegenseitig an und halfen sich aus den Skiern.

Entsprechend groß war die Begeisterung im Zielraum des Alpensia Nordic Park, schließlich litten die Zuschauer mit den Exoten, als sie sich im Zeitlupentempo die weißen Hügel hinauf geschleppt hatten. Auch Cologna gratulierte den heimlichen Gewinnern: „Es ist großartig, so viele Teilnehmer aus so vielen Nationen zu sehen. Es ist klasse, den olympischen Spirit zu sehen.“

Einer dieser Teilnehmer ist der erste Winter-Olympionike Ecuadors mit dem außergewöhnlichen Namen Klaus Jungbluth Rodriguez (38): „Ich bin sehr glücklich. Es ist eine große Ehre, dieses Land zum ersten Mal im Winter auf die olympische Bühne zu bringen.“ Platz 112 und fast 20 Minuten Rückstand waren Nebensache für den Sportler, der zunächst zehn Jahre Gewichtheben betrieben hatte. Dann wechselte er 2012 die Sportart, weil er sich dabei die Knie kaputtgemacht hatte. Der deutschklingende Name stammt von seinem deutschen Großvater.

Der Marokkaner Samir Azzimani (Spitzname: „Couscous-Rakete“) zählte in Vancouver 2010 noch zu den Startern im Alpin-Bereich, nun ist er Langläufer. Eigentlich hatte der 40-Jährige vor ein paar Jahren nur eine Sportart gesucht, um wieder in Form zu kommen, ohne sich die Knie zu brechen. Denn eine Leisten-OP hatte seine Sotschi-Teilnahme verhindert. Der Abstecher führte ihn geradewegs wieder nach Olympia. Auch Taufatofua ist kein Unbekannter. Schon 2016 in Rio war er im Taekwondo dabei. Die Fahne hatte er auch getragen, natürlich mit freiem Oberkörper.