Neapel

Leipzig macht bella figura

RB beeindruckt in Neapel und steht vor Achtelfinal-Einzug in der Europa League

Neapel. Ralph Hasenhüttl scharte seine Spieler nach dem Coup von Neapel um sich, mit weit geöffneten Augen unterstrich der Trainer von RB Leipzig in seiner Ansprache eindringlich, was sie am Fuße des Vesuvs gerade geleistet hatten. Denn im Herzen Süditaliens stießen die Sachsen nicht nur das Tor zum Europa-League-Achtelfinale weit auf, sie zeigten zudem überdeutlich, dass nach der jüngsten Schwächephase auf allerhöchstem Niveau wieder mit ihnen zu rechnen ist.

„Es war natürlich für uns spielerisch eine Weiterentwicklung. Wir sind international mit den Aufgaben gewachsen“, sagte Hasenhüttl nach dem 3:1 (0:0) im Hinspiel der Zwischenrunde beim SSC Neapel. Und tatsächlich: Dass sie trotz teils drückender Überlegenheit und besserer Chancen der Gastgeber zunächst durch das Tor von Adam Ounas (52.) in Rückstand geraten waren, juckte die Leipziger herzlich wenig. „Man hat das Gefühl, wir werden in der Hinsicht reifer“, sagte Hasenhüttl. Denn statt einzubrechen, spielte RB einfach weiter. Aus einer konzentrierten Defensive heraus - so wie es Hasenhüttl in den letzten Wochen erfolgreich einstudiert hatte. Die Tore von Nationalstürmer Timo Werner (61./90.+3) und Bruma (74.) waren zwangsläufig.

Im mit nur 14.554 Zuschauern gefüllten Stadio San Paolo (Kapazität: über 60.000) war das ein Zeichen. Es ist nicht mehr die Leipziger Mannschaft vom Ende der Bundesliga-Hinrunde, die aufgrund der Belastung eingebrochen war. Dieses Team kann viel erreichen, im Hinterkopf bleibt das Europa-League-Endspiel am 16. Mai in Lyon. Doch um dort hinzukommen, muss erst einmal das Achtelfinal-Ticket gelöst werden. Dazu reicht am Donnerstag (19 Uhr/Sky) in Leipzig ein Remis oder gar eine knappe Niederlage. Hasenhüttl jedoch gab den Mahner: „Neapel ist auswärts immer für Tore gut, aber wir haben uns eine sehr gute Ausgangsposition geschaffen.“ Dass seine eigene Mannschaft nicht minder gefährlich ist, weiß Hasenhüttl nur zu gut. Der Doppelpack von Werner, der in den vergangenen drei Liga-Spielen nicht getroffen hatte, ist als Kampfansage zu verstehen. „Wenn er mal zwei oder drei Spiele nicht trifft, ist es einfach eine Frage der Zeit, bis das durchschlägt“, sagte Hasenhüttl.

Von einer „Demütigung“ („La Repubblica“) für den Serie-A-Spitzenreiter durch Leipzig schrieben die italienischen Medien nach dem Spiel. „Die jungen und hochmotivierten Leipziger versenken die lustlosen und energielosen Neapolitaner“, kommentierte „La Repubblica“. Und die „Gazzetta dello Sport“ schrieb: „Neapel spielt zu schlecht, um wahr zu sein.“

Lange ausruhen auf dem Erfolg in Neapel können sich die Leipziger aber nicht. Immerhin geht es an diesem Spieltag für das erste Montagsspiel (20.30 Uhr/Eurosportplayer) der Bundesliga zu Eintracht Frankfurt.