Turin

Khedira ist Juves Sündenbock

Der Weltmeister muss nach dem 2:2 gegen Tottenham viel Kritik einstecken

Turin. Die komplett untypische Vorstellung von Juventus Turin im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League hat in Italien für Katerstimmung am Aschermittwoch gesorgt. „Juve verschenkt ein Match, das eigentlich schon gewonnen war. Allegris Mannschaft erlebt einen physischen und psychologischen Zusammenbruch, der unerklärlich ist“, so die „Gazzetta dello Sport“ nach dem 2:2 (2:1) der „Alten Dame“ gegen Tottenham Hotspur.

Einen Sündenbock hatte Italiens Sportorgan Nummer eins schnell gefunden: Weltmeister Sami Khedira. „Er war der schlechteste Juve-Spieler und hinkte im Mittelfeld hinterher“, urteilte die „Gazzetta dello Sport“. Von „viel Verwirrung und keiner Idee“ schrieb „La Stampa“ und machte den Mittelfeldspieler als einen der großen Schwachpunkte aus. Nicht das erste Mal, dass der Nationalspieler Kritik von Seiten der italienischen Medien einstecken muss. Als „schlecht“ und „verunsichert“ wurden seine Leistungen schon des Öfteren bewertet. Es war aber auch die „Gazzetta dello Sport“, die nach dem 7:0-Sieg in der Liga gegen Sassuolo Calcio die Leistung des 30-Jährigen als „einfach beeindruckend“ bewertete. Trainer Massimiliano Allegri ging daher gegen die Kritiker in die Offensive: „Wir tun unser Bestes, und meine Spieler sollten glücklich sein, weil sie eine fantastische Saison erleben“, sagte der Erfolgscoach und führte aus: „Juventus spielt, um die Champions League zu gewinnen. Aber Siege in der Champions League sind nicht die Normalität. Es ist unmöglich, jedes Jahr das Finale zu erreichen.“ In den letzten drei Jahren hat Juventus jedoch gezeigt, dass es gar nicht so unmöglich ist. 2015 und 2017 standen die Italiener im Finale der europäischen Königsklasse. Beide Endspielpartien gingen verloren – gegen den FC Barcelona (1:3) und Real Madrid (1:4).

Gegen Tottenham hatte der italienische Rekordmeister durch die frühen Tore des argentinischen Torjägers Gonzalo Higuain (2., 9./Foulelfmeter) einen perfekten Start erwischt. In der ersten halben Stunde deutete vieles auf eine Demontage der Gäste aus England um ihren Torjäger Harry Kane hin. Dann aber verlor die Star-Truppe um Italiens Torwartikone Gigi Buffon den Faden. Kane (32.) und Christian Eriksen (71.) glichen aus und verschafften den Spurs eine sehr gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 7. März im Wembley-Stadion - auch weil Higuain einen weiteren Foulelfmeter an die Latte setzte (45.+2). Sündenbock Khedira musste nach etwas mehr als einer Stunde mit muskulären Problemen ausgewechselt werden.