Nachwuchssportler

Schwimmer Timo Jahn: "Man braucht einen Sockenschuss"

Timo Jahn zählt zu den größten Schwimm-Talenten des Landes. Wie er sein Trainingspensum meistert, ist ihm manchmal selbst suspekt.

Foto: Eberhard Thonfeld / camera 4

Berlin.  Als Timo Jahn klein war, sah es noch nicht so aus, als würde aus ihm einmal ein richtig guter Schwimmer werden. Zwar hatte seine Mutter ihn schon mit vier Jahren beim Kindergartenschwimmen angemeldet, doch so richtig wohl fühlte er sich dort anfangs nicht. "Die Schwimmhalle war mir zu groß und zu laut", erzählt er.

Das hat sich längst geändert – und mit dem Spaß kam auch der Erfolg: 2017 wurde Jahn auf der Kurzbahn deutscher Juniorenmeister über 50 Meter Freistil. Mit der 4x50-Meter-Freistil-Mixedstaffel der Wasserfreunde Spandau gewann er auch bei den Erwachsenen den Titel. Es war der bislang größte Erfolg für den 17-Jährigen und brachte ihm die Auszeichnung zu Berlins Nachwuchssportler des Monats Februar ein.

Sechs Tage pro Woche ja vier Stunden im Schwimmbecken

Sein Erfolgsrezept? "Um erfolgreich zu sein, muss man schon einen Sockenschuss haben", sagt der gebürtige Spandauer, der mit seinen Eltern inzwischen im Havelland wohnt. Anders könne man es nicht nennen, wenn man jeden Tag außer Sonntag vier Stunden lang nichts anderes macht als im Becken hin- und herzuschwimmen. Ausdauer, Fleiß und Disziplin sind im Schwimmen der Schlüssel zu einer schnellen Zeit.

Timo Jahn spult das gleiche Pensum ab wie die Sportler auf den längeren Bahnen, obwohl er sich auf den kurzen Strecken am wohlsten fühlt. Am liebsten mag er die 50 Meter und 100 Meter Freistil, beide "schön kurz und knackig". Jahn ist ein echter Kurzbahnspezialist, weil er bei den Wenden mit seiner Körpergröße einen entscheidenden Vorteil hat. "Da kann ich jedes Mal viel Zeit gutmachen", sagt er. Gleichwohl seien die Wenden technisch noch nicht ausgereizt. Er meint: "Ich kann in diesem Bereich sogar noch besser werden."

Effektiver Trick gegen zu großen Druck

Momentan besucht der Schwimmer die zwölfte Klasse der Poelchau-Sportschule im Olympiapark. Nach dem Abitur würde er gern Biologie studieren. Sportlich heißt das nächste Ziel Helsinki. Dort wird im Sommer die Junioren-EM ausgetragen, für die sich Jahn im Einzel und in der Staffel qualifizieren will. Im nächsten Jahr wechselt er dann in die Aktivenklasse. "Erfahrungsgemäß dauert es ein, zwei Jahre, bis man dort um die Medaillen mitschwimmen kann", sagt er.

Den nötigen Ehrgeiz dafür hat er: "Eines Tages möchte ich auch bei Weltmeisterschaften und bei Olympischen Spielen starten", sagt er. Timo Jahn geht dabei seinen eigenen Weg. Vorbilder hat er keine, aus einem einfachen Grund: "Wenn man sich ständig mit den Besten vergleicht, setzt man sich nur zu sehr unter Druck." Eine Methode, die bislang bestens aufgeht.

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und Stimmabgabe unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.