Berlin-Liga

Blau-Weiß 90 – Zurück auf der Überholspur

Blau-Weiß 90 rüstet auf für den Oberliga-Aufstieg – und das soll für den Traditionsklub nur der Anfang sein.

Der ehemaliger Union-Profi Marco Gebhardt trainiert die erste Mannschaft von Blau-Weiß 90 und ist mit ihr Tabellenführer der Berlin-Liga

Der ehemaliger Union-Profi Marco Gebhardt trainiert die erste Mannschaft von Blau-Weiß 90 und ist mit ihr Tabellenführer der Berlin-Liga

Foto: Joulux

Berlin.  Dass das mit dem Aufstieg und der Rückkehr auf die große Bühne diesmal für Blau-Weiß 90 wirklich klappen kann, hat auch mit einer famosen Zahl zutun. Nur sechs Gegentore haben die Tempelhofer bisher in 17 Spielen der Berlin-Liga kassiert. Das Team von Trainer Marco Gebhardt (Ex-Bundesligaprofi bei Frankfurt und Cottbus), der zwischen 2007 und 2010 auch für den 1. FC Union spielte, liegt auf Aufstiegskurs. Mit vier Punkten Vorsprung steht Blau-Weiß an der Tabellenspitze. An diesem Sonntag (14.30 Uhr, Rathausstraße) kommt der TSV Rudow zum Rückrundenstart.

Mit einer derart starken Defensive lässt sich offensiv denken. Denn das Berliner Original will wieder nach oben. Anfang der 1980er-Jahre begann der Aufstieg für Blau-Weiß bis in die Bundesliga, dort reichten 1986/87 auch zehn Treffer des späteren Weltmeisters Karl-Heinz Riedle nicht zum Klassenerhalt. Konkurs 1992 und Neubeginn ganz unten als SV Blau Weiss. Fast 25 Jahre ging es nicht über die Landesliga hinaus. Seit 2015 trägt der Klub wieder den alten Namen und stieg in die Berlin-Liga auf. Das aber soll nicht das Ende sein – nur der Anfang.

Das torgefährlichste Team der Liga

Vor der Saison ließ Präsident Michael Meister verlauten: „Wir haben einen Fünfjahresplan, in dem die Regionalliga das Ziel ist – die 3. Liga der Traum.“ Im Berliner Fußball gab es viele solch ambitionierter Klubs wie den BAK oder Viktoria 89. Bisher ohne Erfolg. Damit Ähnliches nicht passiert, planen die Blau-Weißen in verschiedensten Bereichen zukunftsorientiert: Finanzen, Personal und Infrastruktur. „Die nächsten fünf Spielzeiten sind finanziell und infrastrukturell abgesichert“, sagt Präsident Meister. Fünf Investoren unterstützen den Klub, darunter Meister selbst.

Im Sommer wurden die personellen Voraussetzungen geschaffen, indem man den Kader hochwertig umbaute. „Es war schwierig, viele höherklassige Einzelspieler zu integrieren und ein Team zu formen“, sagt Gebhardt. In 17 Spielen verlor sein Team nur einmal und ist mit 49 Treffern das torgefährlichste der Liga. Im Winter rüstete der Verein noch einmal mit höherklassigen Spielern nach: Mit Dragan Erkic von Oberligist Tennis Borussia und Marcel Czekalla vom Regionalligisten Altglienicke kam weitere Torgefahr. Für die Defensive holten die Blau-Weißen Steven Heßler aus Luckenwalde – ebenfalls ein Regionalligist. „Es darf nicht der falsche Eindruck erweckt werden, dass Blau-Weiß nur so mit den Millionen umher schmeißt. Die Spieler können sich neben ihrem Sport, beruflich weiterbilden. In den vorherigen Vereinen war dies nicht möglich, deswegen wechselten sie zu uns“, begründete Präsident Meister.

Punkt drei ist die Infrastruktur. Aufgrund einer Ausnahmeregelung dürfte Blau-Weiß bei einem Oberligaaufstieg ein weiteres Jahr auf dem Sportplatz an der Rathausstraße spielen. Einen zukünftigen Spielort sicherte das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg bereits zu. „Das Stadion an der Bosestraße ist oberliga- und regionalligatauglich und wird unsere zukünftige Spielstätte sein“, prophezeit Meister. Bei Blau-Weiß soll sich endlich dauerhaft etwas bewegen.