Istaf Indoor

Robert Harting erlebt einen fast perfekten Abend

Diskuswerfer Robert Harting wird bei seinem letzten Istaf Indoor gefeiert, verpasst den Sieg aber knapp. Auch eine Sprinterin begeistert

Begeisterte bei seinem letzten Istaf-Indoor-Auftritt des heimische Publikum: Diskuswerfer Robert Harting

Begeisterte bei seinem letzten Istaf-Indoor-Auftritt des heimische Publikum: Diskuswerfer Robert Harting

Foto: Sebastian Wells / imago/Sebastian Wells

Berlin.  Am 2. September soll es vorbei sein. Läuft alles nach Plan, beendet Robert Harting dann beim Istaf im Berliner Olympiastadion seine Karriere, in der er Olympiasieger, dreimal Weltmeister und zweimal Europameister wurde, auch zehn Mal Deutscher Meister. Und weil der Berliner nicht irgendein Leichtathlet ist, sondern einer der populärsten deutschen Sportler der vergangenen Dekade, wird er auf seiner Abschiedstournee auf Schritt und Tritt von einem Kamerateam begleitet. Daraus entsteht zunächst eine Serie, die im Internet gezeigt wird, schließlich sogar ein Kinofilm. Das Projekt heißt „Sechsviertel“ und ist benannt nach dem Bewegungsablauf in seiner Disziplin, dem Diskuswerfen.

Österreicher Weisshaidinger gewinnt mit letztem Wurf

Seit gestern Abend könnte es eine neue Folge geben, möglicher Untertitel: „Mein letztes Istaf Indoor“. Harting war selbst Ideengeber dieser Veranstaltung, die sich im fünften Jahr als größtes Hallenmeeting der Welt etabliert hat. Letzte Male wie dieses wird es in den nächsten Monaten einige geben. In Nürnberg wird Harting im Juli seine letzten deutschen Meisterschaften bestreiten, Anfang August in Berlin seine letzten Europameisterschaften. Dafür war das Hallen-Istaf sportlich betrachtet nicht mehr als ein leichter Aufgalopp, etwas „wo man mal schauen kann, wie der Bizeps bei der Konkurrenz aussieht“, wie Harting sagte.

Viel Muskelmasse seiner größten Rivalen bekam er allerdings nicht zu sehen: Weder sein Bruder Christoph noch Weltmeister Andrius Gudzius aus Litauen oder 70-Meter-Werfer Daniel Stahl aus Schweden, auch nicht sein alter Weggenosse Piotr Malachowski aus Polen mochten beim Muskelspiel mitmischen.

Robert Harting war es egal. Und den 12.100 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena genauso, die ihren Star feierten, als ginge es schon jetzt um eine EM-Medaille. „I’m the Horseman“ von Scooter hallte bei Hartings Versuch durch die Arena, anders als in den vergangenen Jahren verließ kaum ein Zuschauer seinen Platz, ehe der letzte Diskus geworfen war. Die Harting-Fans klatschten sich die Hände heiß, obwohl der Zwei-Meter-Hüne, der 2016 den Wettkampf gewonnen hatte, diesen Erfolg nicht wiederholen konnte. Der Österreicher Lukas Weisshaidinger (63,91 Meter) schnappte ihm im letzten Versuch noch den Sieg weg. Ausgerechnet er, der den Deutschen als sein Vorbild ansieht und erst wegen ihm mit dem Diskuswerfen angefangen hat.

Der Berliner reißt das heimische Publikum mit

Auch Harting hatte sich zum Schluss auf 62,32 Meter gesteigert, ein letztes Mal das Publikum mitgerissen. Dass es nicht reichte, trug er mit Fassung. „Ich bin heute nicht unzufrieden. Wir wissen, woran wir arbeiten können“, sagte er, „vielen Dank, dass alle so lange geblieben sind. Es ist ein perfekter Abend für mich. Lasst uns die ganze Saison so weiterarbeiten. Das wird noch sehr schön.“

Neben dem Diskus-Spektakel wurden sechs weitere Disziplinen geboten. Hürden-Europameisterin Cindy Roleder musste bei ihrem Comeback nach einer schmerzhaften Entzündung des Ischiasnervs nicht nur ihrer nationalen Kontrahentin Pamela Dutkiewicz (Wattenscheid) den Vortritt lassen. Beide erfüllten zwar in 7,93 Sekunden die Norm für die WM Anfang März in Birmingham. Doch noch vier Hundertstelsekunden schneller war die Weißrussin Alina Talay, die beiden ein Schnippchen schlug. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte Roleder trotzdem, „bei meinem Comeback schon wieder eine Zeit unter acht Sekunden anzubieten, ist für mich super.“

Sprinterin Tatjana Pinto glänzt mit Weltjahresbestzeit

Einen deutschen Sieg gab es bei den Sprinterinnen, allerdings nicht wie erwartet durch die Leverkusenerin Gina Lückenkemper, die in 7,19 Sekunden der Spitze hinterherlief und Fünfte wurde. Aus dem Lächeln gar nicht mehr heraus kam stattdessen Tatjana Pinto (Paderborn) nach ihrem Erfolg in 7,13 Sekunden. Im Vorlauf war sie sogar 7,08 gerannt. „Ich bin gut drauf, das hat sich schon im Training gezeigt. Auch wenn viele auf Gina und Lisa Mayer geschaut haben – ich konzentriere mich auf mich“, sagte die 25-jährige Staffel-Weltmeisterin, die einen Anteil an ihrem Sieg der Kulisse zuschrieb: „Eine geniale Atmosphäre, das fetzt richtig.“

Einen überraschenden Sieg feierte im Weitsprung die Hamburgerin Nadja Käther mit 6,56 Metern. Der insgeheim erhoffte ganz große Sprung bei den Stabhochspringern blieb hingegen aus – trotz eines Topfeldes mit den Olympiasiegern Thiago Braz da Silva und Renaud Lavillenie sowie den Ex-Weltmeistern Raphael Holzdeppe und Shawn Barber. Es gewann der Pole Piotr Lisek mit überquerten 5,83 Metern.