Melbourne

Mit Kopf, Körper und Herz

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Kerber kämpft sich ins Viertelfinale der Australian Open. Djokovic scheidet aus

Melbourne. Ihren Frust konnte Angelique Kerber nicht mehr verbergen. Genervt schüttelte sie den Kopf, zuckte ratlos mit den Schultern und schimpfte lautstark in Richtung ihrer Box. Kerbers Körpersprache im Achtelfinale der Australian Open erinnerte an einige Auftritte aus dem Seuchenjahr 2017, über das sie am liebsten gar nicht mehr sprechen möchte. Sie haderte, als ob sich die ganze Tenniswelt wieder gegen sie verschworen hätte – und kämpfte sich dann doch eine Runde weiter. Ein Match mit Signalwirkung.

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Kerber tatsächlich wieder um einen Grand-Slam-Titel mitspielen kann, erbrachte sie ihn beim 4:6, 7:5, 6:2 gegen die unangenehme Hsieh Su-Wei aus Taiwan. „Der Kopf, der Körper und das Herz haben heute zusammengespielt“, sagte die 30-Jährige und warnte die Konkurrenz: „I can run forever!“ Rennen musste sie gegen die trickreiche Hsieh viel, „wohl so viel wie in den letzten zwei, drei Matches zusammen“, meinte Kerber. Irgendwann bekam die Kielerin ihre Gefühlsschwankungen in den Griff. Auch beim Stand von 4:5 im zweiten Satz behielt sie die Nerven. In der TV-Box atmete Boris Becker auf: „Die Kerber von 2017 hätte diese Partie verloren.“ Die Kerber von 2018 gewann sie, es war der 13. Sieg im 13. Match des Jahres. Nun wartet Mittwoch im Viertelfinale Madison Keys (USA). Gewinnt sie gegen die US-Open-Finalistin, ist Kerber wieder die deutsche Nummer eins und zurück in den Top Ten. Allerdings ist Keys in Melbourne noch ohne Satzverlust. Kerber braucht wohl wieder Kopf, Körper und Herz.

Der Körper ließ derweil Novak Djokovic (30) im Stich. Der ehemalige Weltranglisten-Erste ist im Achtelfinale ausgeschieden – wohl auch wegen einer erneuten Verletzung seines rechten Ellbogens. Gegen den Südkoreaner Chung Hyeon verlor der sechsmalige Melbourne-Sieger am Montag 6:7 (4:7), 5:7, 6:7 (3:7). Chung hatte in der dritten Runde den Hamburger Alexander Zverev bezwungen und steht zum ersten Mal bei einem Grand Slam im Viertelfinale. „Natürlich ist es frustrierend“, sagte Djokovic, wollte aber kaum über seine Verletzung sprechen. Der Serbe kündigte an, das Gelenk erneut untersuchen lassen zu wollen.

Djokovic wehrte sich bei seinem ersten Grand-Slam-Turnier nach sechsmonatiger Pause zwar, doch Chung war stärker. „Ich möchte nicht so viel über meine Verletzung sprechen, weil es seine Leistung schmälern würde“, sagte Djokovic und bescheinigte dem Super-Talent aus Suwon eine „großartige Vorstellung“. Chung bekommt es nun mit Tennys Sandgren (USA) zu tun. Der 21-Jährige sagte: „Als ich jung war, habe ich immer versucht, Novak zu kopieren.“

( BM/sid )