Adelaide

Greipel gelingt der Neuanfang mit zwei Siegen in Australien

Radprofi kehrt nach Tod seiner Mutter zu alter Stärke zurück

Adelaide. Radprofi André Greipel ist nach einer schwierigen Vorsaison mit zwei Siegen ins neue Jahr gestartet und sieht das als gutes Omen. „Die Vergangenheit hat mich gelehrt, dass Etappensiege bei der Tour Down Under immer der Auftakt für eine gute Saison sind“, sagte der gebürtige Rostocker am Sonntag (Ortszeit), nachdem er die Sechs-Etappen-Fahrt unter der glühend heißen Sonne Süd-Australiens so beendet hatte, wie er sie begann: Mit einem Sprint-Erfolg vor dem einheimischen Caleb Ewen und dem dreimaligen Weltmeister Peter Sagan. Den Gesamtsieg holte sich der Südafrikaner Daryl Impey vor dem zeitgleichen Titelverteidiger Richie Porte (Australien).

„Ich gehe nach zwei fantastischen Wochen mit einem sehr guten Gefühl nach Hause. Ich werde mich jetzt einige Tage erholen und dann die nächsten Ziele angehen“, sagte der 35-Jährige, der seinen ersten Saison-Höhepunkt bei den Frühjahrs-Klassikern setzt. Bereits zum Auftakt der Rundfahrt war kein Vorbeikommen an dem Kraftpaket vom belgischen Lotto-Soudal-Team. Greipel hatte den Erfolg seiner im November gestorbenen Mutter Gudrun gewidmet, die an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS gelitten hatte: „Sie ist immer in meinem Kopf und wird das auch immer bleiben. Sie war meine größte Unterstützerin während meiner ganzen Karriere“, sagte er und gestand: „Es war nicht leicht, damit umzugehen, und ist es noch immer nicht, aber der Sport hilft mir, mit allem klarzukommen.“

Greipel war und ist die Familie besonders wichtig, seine Frau und die beiden Töchter begleiten ihn immer wieder zu Rennen. Der „Gorilla“, wie er wegen seines muskulösen Körperbaus genannt wird, ist in Wahrheit ein sanftmütiger und bodenständiger Typ. Auch mit dem Kampf gegen die Krankheit, die seiner Mutter mit 57 Jahren das Leben kostete, beschäftigt er sich intensiv, gründete 2016 eine Stiftung, die die ALS-Forschung unterstützt.

Nachdem er den Radsport im letzten Jahr nicht mit der vollen Fokussierung ausüben konnte, ist diese Saison auch so etwas wie ein neuer Anfang, trotz seines Alters. „Jeder sagt dir, wenn du 35 bist, wirst du langsamer“, sagte der elfmalige Etappensieger der Tour de France, „aber ich spüre das nicht und liebe es einfach, Rennen zu fahren.“