Cordoba

Zeitenwende in der Wüste

Dakar-Sieger Sainz denkt nach seinem Triumph ans Karriereende – genau wie Rekord-Champion Peterhansel

Cordoba.  Carlos Sainz kletterte auf das Dach seines Siegerautos und hüllte die Umgebung in Champagner-Nebel. Zwei Wochen und über 9000 Kilometer durch Dünen und Dreck hatte der Spanier im Cockpit seines Peugeot 3008 DKR verbracht. Er hatte sich gequält, hatte in der Wüste geschwitzt und auch die dünne Höhenluft der Anden ertragen, um mit dem Sieg bei der 40. Rallye Dakar im argentinischen Cordoba jenen triumphalen Moment noch einmal erleben zu können, den er schon vor acht Jahren in vollen Zügen genoss.

Zum zweiten Mal nach 2010 hat Sainz am Sonnabend die legendäre Marathon-Rallye, die zum zehnten Mal in Folge in Südamerika stattfand, für sich entschieden – als bislang ältester Fahrer überhaupt. „Das war die härteste Dakar, die ich je gefahren bin“, sagte der 55-Jährige, dem die Anstrengungen ins Gesicht geschrieben standen. Dass ausgerechnet er am Ende der Tortur jubeln würde? Damit hatten die wenigsten gerechnet. In der Ansammlung der Alphatiere galt er als Außenseiter.

Peugeot hatte das zweifellos stärkste Fahreraufgebot ins Rennen geschickt, gepaart mit einem leistungsstarken Wagen sollte es den erfolgreichen Abschied von der Dakar garantieren. Eine Rechnung, die zwar aufging. Doch weder Rekordsieger Stépahne Peterhansel (52), noch der neunmalige WRC-Champion Sébastien Loeb (43) oder der fünfmalige Motorrad-Sieger Cyril Despres (43) setzten sich durch. Statt der Franzosen siegte Sainz. Dass der Routinier in der jüngeren Vergangenheit eher als Crash-Pilot von sich reden gemacht hatte – vergessen.

Erst zum zweiten Mal seit seinem ersten Gesamtsieg erreichte der Vater des Formel-1-Piloten Carlos Sainz jr. wieder das Ziel einer Dakar. „Die Strategie war, es in den Dünen behutsam angehen zu lassen. Ich bin konzentriert geblieben und habe Gas gegeben, wenn ich es musste“, sagte Sainz.

Womöglich waren es Worte des Abschieds, die der Spanier am späten Sonnabend in Cordoba fand. Ob er seinen Titel im kommenden Jahr verteidigen wird? Sainz legte sich nicht fest. „Ich fliege jetzt nach Hause und werde es mir sehr gründlich überlegen.“

Mit Peugeot, das sich nach drei erfolgreichen Jahren von der Dakar zurückzieht, sagte womöglich eine weitere prägende Größe adieu. Nach einer „Dakar zum Vergessen“ ließ auch der 13-malige Champion Peterhansel seine Zukunft offen. „Es gab wie immer höllische Momente, in denen du dich fragst, was du hier eigentlich treibst“, sagte der Franzose, der Vierter wurde: „Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob Sie mich hier wiedersehen.“

Profitieren vom Abschied Peugeots und dem mutmaßlichen Ende der Dakar-Karrieren von Sainz und Peterhansel dürfte das deutsche Team X-raid, das in diesem Jahr nur einen Fahrer in die Top Ten brachte. 2019 soll der Mini-Buggy auch in der Spitze konkurrenzfähig sein, zudem könnte das Fahrerfeld durch Peugeot-Pilot Despres aufgewertet werden, der als potenzieller Kandidat für ein Mini-Cockpit gilt.