Bundesliga

Dortmund verzweifelt an sich selbst

Der BVB ärgert sich nach dem 0:0 gegen Wolfsburg über verpasste Chancen – und Torjäger Aubameyang. Manager Zorc wählt drastische Worte.

Dortmunds 17 Jahre alte Offensivkraft Jadon Sancho (vorne) traf gegen Wolfsburg nur den Pfosten

Dortmunds 17 Jahre alte Offensivkraft Jadon Sancho (vorne) traf gegen Wolfsburg nur den Pfosten

Foto: LEON KUEGELER / REUTERS

Dortmund.  Michael Zorc ist ein Mensch, der seine Worte sorgfältig wählt. Umso bemerkenswerter waren die drastischen Sätze, die dem Dortmunder Sportdirektor am Sonntag nach dem 0:0 gegen den VfL Wolfsburg über die Lippen kamen. Natürlich ärgerte er sich über dieses Unentschieden, vor allem aber ärgerte er sich über Pierre-Emerick Aubameyang. Der hatte gegen Wolfsburg gar nicht mitgewirkt, weil ihn Trainer Peter Stöger aus dem Kader geworfen hatte. Der Grund: Der Torjäger war tags zuvor der Mannschaftssitzung ferngeblieben und lieber nach Hause gefahren.

Isak und Yarmolenko treffen das Tor nicht

„Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht, ich erkenne ihn nicht wieder“, schimpfte Zorc. „Er war über Jahre immer ein bunter Vogel und extrovertiert, aber hat immer vorbildlich und professionell gearbeitet. Das kann ich momentan nicht erkennen.“

Daher die Suspendierung – die den BVB allerdings erheblich schwächte: Dortmund erspielte sich zwar einige gute Gelegenheiten, die Aubameyangs Vertreter jedoch allesamt vergaben. Der erst 18-Jährige Alexander Isak (20. Minute, 42.) ebenso wie Andrey Yarmolenko (22., 31., 48.) und André Schürrle (79.). Besonders Yarmolenko fiel dabei auf, als er kurz nach der Pause völlig freistehend aus fünf Metern das weitgehend entblößte Tor verfehlte.

Zorc: „Nicht mehr tolerierbar!“

Auch deswegen tun sie sich beim BVB schwer mit Aubameyang, der in dieser Saison an fast der Hälfte aller Pflichtspieltore beteiligt war. 20 Treffer und drei Vorlagen stehen nach 22 Partien zu Buche. Die Tür für Aubameyang bleibt deshalb offen, die Suspendierung gilt vorerst nur für ein Spiel. „Ich bin kein nachtragender Mensch“, betonte Trainer Stöger.

Doch die Verantwortlichen reagieren zunehmend gereizt, denn es war nicht die erste Verfehlung des Stürmers: Vor etwa anderthalb Jahren warf ihn der damalige Trainer Thomas Tuchel wegen eines nicht genehmigten Trips nach Mailand aus dem Kader. In der laufenden Saison suspendierte ihn Peter Bosz, nachdem er mehrfach verspätet zum Training erschien und sich einem ungenehmigten Videodreh widmete.

Nun aber scheint die Geduld mit dem Gabuner endgültig aufgebraucht. „Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man das nicht mehr tolerieren kann“, schimpfte Zorc. „Da sind wir heute angekommen.“ Ähnlich sehen es die Mitspieler: „Es gibt Regeln, die gelten für alle, egal wie viele Tore man schießt“, meinte Torhüter Roman Bürki.

Trennung noch im Januar?

Wie der Stürmer nun reagieren wird? Das gehört zu den großen Fragen, die sie sich in Dortmund gerade stellen. Denn zunehmend fällt es ihnen schwer, ihren Star und seine Eskapaden einzuschätzen. „Meist ist er gut gelaunt, ein netter junger Bursche“, sagt Stöger, „deswegen kann ich schwer beurteilen, warum das eine oder andere passiert. Ich schaffe es auch nicht ganz genau, in ihn reinzublicken.“

Lange haben sie Aubameyang beim BVB an der langen Leine gehalten, ihm Freiheiten eingeräumt. Der erneute Fehltritt hat nun jedoch für Ernüchterung gesorgt. Aubameyang, so lautet die Lesart im Klub, will wohl tatsächlich einen Abgang in der aktuellen Transferperiode provozieren, die noch bis Ende Januar läuft. In den vergangenen Wochen haben sich mehrere finanzkräftige Klubs bei seinen Beratern gemeldet – und dem Angreifer offenbar gehörig den Kopf verdreht.