Dortmund

Dortmund setzt auf die alte Schalke-Taktik

Die Null muss stehen: Der BVB stellt die geordnete Defensive in den Vordergrund

Dortmund. Die ersten Tage des Jahres in Marbella hatten etwas Praktisches. Borussia Dortmund bereitete sich dort auf die Rückrunde der Fußball-Bundesliga vor, der VfL Wolfsburg ebenso. Zwei Mannschaften, die sich gleich im ersten Pflichtspiel des Jahres am Sonntag gegenüberstehen. Da lag es nah, mal genauer beim Kontrahenten hinzuschauen. "Wir gehen davon aus, dass Wolfsburg auch bei uns geguckt hat", sagte BVB-Trainer Peter Stöger.

Wer nun die sensibleren Daten erfasst hat, ist Stöger relativ egal, weil er weiß, dass in einem Heimspiel gegen den durch die Saison strauchelnden VfL ein Sieg beinahe Pflicht ist. Trotzdem warnt er: "Wir wollen unsere Spielidee umsetzen. Aber wir dürfen gleichzeitig die Ordnung nicht verlieren. Das wäre eine unangenehme Geschichte gegen eine Mannschaft, die so stark im Umschaltspiel ist, die über drei, vier Spieler verfügt, die einem richtig weh tun können." Das bedeutet: Defensive Stabilität geht vor offensiver Wucht. Ratio vor Temperament. Bei der Jagd auf den Tabellenzweiten FC Schalke hofft der BVB, Anleihen beim alten königsblauen Erfolgsrezept nehmen zu können. Das Mantra unter dem Schalker Jahrhunderttrainer Huub Stevens lautete: Die Null muss stehen. Ein Patent darauf hat er aber nicht.

Nun klingt das erst einmal nicht nach dem aufregenden Stil, für den die Borussia in den Jahren unter den Trainern Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel stand. Und auch nicht nach jenem Hochrisiko-Spektakel, das die Mannschaft zumindest zu Saisonbeginn unter Peter Bosz ablieferte, das sich aber schnell als einigermaßen verhängnisvoll erwies. Letztlich auch für den Trainer. Stöger hingegen begleitete eher die Empfehlung nach Dortmund, sich mit dem 1. FC Köln zu erstaunlich vielen Punkten gemauert zu haben.

Auch deswegen soll im Klub eine schon früher in Erwägung gezogene Verpflichtung des Österreichers unterschiedlich diskutiert worden sein. Aber der Trainer versucht den Spagat, der aus seiner Sicht keiner ist. Für die Rückrunde versprach Stöger zwar erhöhte defensive Aufmerksamkeit, aber auch Fußball, der Spaß macht: "Stabilität ist die Basis dafür, dass man Spaß haben kann. Das passt relativ gut zusammen."

Zumindest seinen Spielern hat er dies offenbar schon ausreichend oft erklärt. Selbst der offensiv denkende Fußball-Feingeist Mario Götze preist die Vorzüge der sportlichen Unbeflecktheit. "Die Prämisse muss sein, kein Gegentor zu bekommen, weil wir immer in der Lage sind, ein Tor zu erzielen." Und auch Julian Weigl, den der Trainer wieder als Strategen vor der Abwehr positioniert hat, meint, es sei "der Anspruch von uns, vom BVB und auch von Peter Stöger, dass wir den Ball haben, das wir den Gegner attackieren. Aber nicht Harakiri."

Ob diese Balance schon ausreichend gut austariert ist, bleibt abzuwarten. In den Testspielen vermittelte der BVB noch nicht den Eindruck vollumfänglicher Souveränität. Aber es war ja auch ein Trainingslager, das trotz der Erkenntnisse über den kommenden Gegner nun nicht unter dem allerbesten Stern stand: vorzeitige Abreise wegen schlechten Wetters, neun Profis im Krankenstand aufgrund einer Magen-Darm-Verstimmung. Die zumindest meldeten sich fit zurück. Es bleibt laut Stöger bei den Ausfällen Marco Reus, Marcel Schmelzer, Raphael Guerreiro.

"Alles konnten wir im Trainingslager nicht umsetzen, weil eine große Gruppe ausgefallen ist", sagt Stöger "aber wir haben noch Zeit, weil keine englischen Wochen anstehen." Ein Sieg gegen Wolfsburg wäre trotzdem gut für die Dortmunder Gesamtverfassung. Zumal bereits neues Ungemach droht. Die Fans wollen gegen die neuen Montagsspieltage der Bundesliga protestieren. Aus Verärgerung über diese Terminierung will das Bündnis Südtribüne Dortmund das Heimduell gegen den FC Augsburg am 26. Februar boykottieren.

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