Bundesliga

Die Bayern werden zum FC Deutschland

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Thomas Gassmann
Sandro Wagner (Mitte) stand im Test gegen Al-Ahli erstmals in der Startelf des FC Bayern. Er ist der vierte deutsche Nationalspieler, der in dieser Saison von den Bayern geholt wurde

Sandro Wagner (Mitte) stand im Test gegen Al-Ahli erstmals in der Startelf des FC Bayern. Er ist der vierte deutsche Nationalspieler, der in dieser Saison von den Bayern geholt wurde

Foto: Alex Grimm / Bongarts/Getty Images

In München bauen sie an einem Team voller heimischer Nationalspieler. Es könnte bald eine ganze Elf sein.

Essen/Doha.  Der Ball kam hereingeflogen und Sandro Wagner fand, dass das jetzt ein guter Moment für seine Premiere wäre. Also köpfte der neue Angreifer des FC Bayern aus fünf Metern ein. Es war das allerste Tor des Winterzugangs (13 Millionen Euro aus Hoffenheim) und die 1:0-Führung der Münchner im Testspiel gegen Al-Ahli Doha in ihrem katarischen Trainingslager. Am Ende hieß es 6:0 (1:0). Es läuft also gerade für den Ex-Herthaner Wagner. Vor allem läuft es für den FC Bayern.

In der Bundesliga hat der Tabellenführer elf Punkte Vorsprung und im Pokal die Rivalen Dortmund sowie Leipzig aus dem Weg geräumt. Sogar in der Champions League werden den Bayern seit dem 3:1 über Paris Saint-Germain wieder Chancen eingeräumt. Nun holt der Klub offenbar zum nächsten großen Coup aus. Nicht nur die kolportierte Verpflichtung des Schalker Nationalspielers Leon Goretzka nährt den Verdacht, dass Bayern-Präsident Uli Hoeneß weiter an seinem Traum vom FC Deutschland in München baut.

Wagner trifft erstmals für seinen neuen Klub

Vergangenes Jahr wechselten mit Niklas Süle und Sebastian Rudy zwei hoffnungsvolle Nationalspieler von der TSG Hoffenheim an die Säbener Straße. Serge Gnabry kam von Werder Bremen und wurde an Hoffenheim nur ausgeliehen. Im Winter kam mit Wagner der nächste deutsche WM-Kandidat. Neben dem genannten Goretzka steht auch Julian Brandt von Bayer Leverkusen auf der Wunschliste.

Der 21-jährige Offensivspieler hat zwar einen Vertrag bis 2019. Aber jeder Manager in der Branche weiß erstens, dass er eine festgeschriebene Ausstiegsklausel von 12,5 Millionen Euro für diesen Sommer hat. Und zweitens, dass der FC Bayern ihn unbedingt will. Brandt wäre der fünfte deutsche Nationalspieler, der sich zur Garde um Jerome Boateng, Manuel Neuer, Thomas Müller, Mats Hummels und Joshua Kimmich gesellt. Es wären nächste Saison insgesamt elf. „Es war immer der Traum von Uli Hoeneß, dass beim FC Bayern der von ihm so genannte FC Deutschland spielt“, sagt Müller.

Julian Brandt könnte der nächste Zugang sein

Dass Brandt in München bereits zugesagt hat, wie kolportiert wird, dementiert sein Vater und Berater Jürgen Brandt gegenüber dieser Zeitung aber: „Julian hat weder den Bayern noch einem anderen Klub mündlich oder schriftlich eine Zusage gegeben. Julian lässt sich bei seiner Entscheidung die Zeit, die er braucht.“

Dabei, so erklärt Vater Brandt, könne es durchaus sein, dass der Nationalspieler seinen Vertrag in Leverkusen verlängert. „Bayer ist genau der Verein, den er braucht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er dort auch noch etwas bleiben möchte.“ Die Familie weiß sich in einer guten Position. Auch Spitzenklubs wie Borussia Dortmund beschäftigen sich mit der Personalie. Ins BVB-Profil passt Julian Brandt ebenfalls. Er ist schnell und spielt technisch einwandfrei. Aber vor allem hat er Entwicklungspotenzial.

Das hat auch Wagner nachgewiesen, trotz seiner 30 Jahre. Seit seinem Weggang aus Berlin 2015 ist er immer besser geworden. Außer stimmlich. In Katar musste Wagner zu seinem Einstand ein Lied singen. Er wählte „Marmor, Stein und Eisen bricht“ aus, und es soll lustig geklungen haben.