Kommentar

Der deutsche Sport steht 2018 am Scheideweg

Dopingskandale und Maximalkommerzialisierung beschädigen das Ansehen des Sports. Es ist zu befürchten, dass sich nicht viel ändert.

Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees

Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees

Foto: Laurent Gillieron / dpa

Das Sportjahr 2018 beginnt mit einer guten Nachricht. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un kündigt in seiner Neujahrsansprache die Teilnahme seiner Athleten bei Olympia in Südkorea an. Der Sport sei „Symbol von Hoffnung und Frieden“, betont IOC-Chef Thomas Bach zugleich den Wert der Winterspiele in gut fünf Wochen: „In unseren schwierigen Zeiten sind sie das einzige Event, das die ganze Welt in einem friedlichen Wettbewerb vereint.“

Das ist fürwahr nicht wenig, aber niemand sollte sich blenden lassen. Der Sport kann keine politischen Probleme lösen, er schafft es nicht mal bei seinen eigenen. In Zeiten steter Doping- und Betrugsskandale tun sich die Sportverbände leider schmerzhaft schwer mit der Einrichtung unabhängiger Kontrollinstanzen, die es so dringend braucht.

Auch wird der Maximalkommerzialisierung zu wenig Einhalt geboten, dabei werden die Auswüchse nun im Fußball schmerzlich spürbar. Es herrscht kaum noch Spannung in den großen Ligen Europas, zu übermächtig werden die Situierten. Und dass eine WM-Qualifikation noch einmal so schön spannend und reich an Überraschungen gerät wie vor dem Turnier in diesem Jahr, ist durch die ab 2026 beschlossene Erhöhung auf 48 Teilnehmer nicht mehr zu erwarten. Wenn der Sport aber seinen größten Reiz – die Ungewissheit über den Ausgang des Wettkampfs – verliert, könnte es auch bald seine Faszination und somit Bedeutung schmälern.

In der Bundesrepublik steht der Sport bereits 2018 am Scheideweg. Ob es im Zuge der Spitzensportreform ein politisches Bekenntnis zu künftigen Medaillenzielen und eine entsprechend verbesserte Finanzierung durch eine neue Bundesregierung geben wird, ist nicht abzusehen. Eher ist zu befürchten, dass sich nicht viel ändert. Und das wäre für viele Beteiligte dann sicher ein trauriges Fazit für das Sportjahr 2018.

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