Beachvolleyball

Karla Borger: "Mich haut nichts mehr um"

Karla Borger hatte Streit mit dem Verband, dann musste ein Geschwür entfernt werden. Im neuen Jahr soll sich alles zum Guten wenden.

Karla Borger (l.) und Margareta Kozuch starten an diesem Mittwoch beim Weltserienturnier in Den Haag

Karla Borger (l.) und Margareta Kozuch starten an diesem Mittwoch beim Weltserienturnier in Den Haag

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Peter Weber / picture alliance / Beautiful Spo

Berlin.  Plötzlich herrscht Ruhe. Vor dem Jahreswechsel hat Beachvolleyball-Nationalspielerin Karla Borger auf Teneriffa trainiert. "Ich musste nebenbei keine Telefonate führen oder Mails schreiben und konnte mich voll auf das Training konzentrieren, das ist ganz ungewohnt", sagt die 29-Jährige.

Eine Saison ohne internationale Turniere

Seit Ende November sind die Streitigkeiten von Borger und ihrer Partnerin Margareta Kozuch mit dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV) beigelegt. Das Stuttgarter Duo wurde zum Nationalteam ernannt und kann nun wieder mit Turnierteilnahmen planen. "Es hat schon länger Gespräche gegeben, so richtig geglaubt habe ich es erst, als es an dem Tag auf der Pressekonferenz verkündet wurde", sagt Borger.

Das Jahr 2017 war nicht leicht für sie. Die Vize-Weltmeisterin von 2013 und Olympia-Neunte von 2016 war desillusioniert und frustriert. "Ich habe überlegt, mit dem Beachvolleyball aufzuhören, weil ich einfach keinen Sinn mehr darin gesehen habe", sagt sie. Weil sie und Kozuch, die einstige Anführerin der Hallen-Nationalmannschaft, nicht am neuen zentralen Stützpunkt in Hamburg trainieren wollten, bekamen andere Duos die Unterstützung vom Verband. Eine Saison lang durften Borger/Kozuch kaum internationale Turniere spielen, obwohl sie genügend Ranglistenpunkte für eine Teilnahme gehabt hätten. Der Verband schlug ihnen vor, stattdessen die europäische Serie zu spielen, da machte das Team aufgrund der geringen Preisgelder aber sogar mit einer Goldmedaille in Rumänien ein Minus.

Ludwig/Walkenhorst sollen gut vertreten werden

"Ich bin erleichtert, dass wir nun eine Lösung gefunden haben und freue mich auf die neue Saison", sagt Borger. Sie und Kozuch dürfen wie Chantal Laboureur/Julia Sude weiterhin mit eigenem Trainer in den eigenen Strukturen trainieren, sollen aber auch Maßnahmen mit Chef-Bundestrainer Imornefe Bowes und den anderen National-Duos in Hamburg absolvieren. Möglicherweise profitierten sie bei dieser Entscheidung auch von der Pause der Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen, Laura Ludwig und Kira Walkenhorst. Während Walkenhorst sich einer Hüftoperation unterzog und noch einem Eingriff an der Schulter plant, ist bei Ludwig und Lebenspartner Bowes Nachwuchs im Anmarsch. Im Morgenpost-Interview sagte Ludwig schon vor dem Olympiasieg 2016, dass sie gern wie die US-Amerikanerin Kerri Walsh vor ihrem Karriereende Kinder haben möchte, nun macht sie ihren Traum wahr.

Durch das Fehlen der Publikumslieblinge rücken Borger/Kozuch in den Vordergrund. 2018 könnte ihr Jahr werden. Endlich können sie sich mit der Weltspitze messen, wie bei der WM, für die sie vom Veranstalter in Wien im August eine Wildcard erhielten. "Die WM-Teilnahme war der entscheidende Faktor, weiter zu kämpfen", sagt Borger. Ohne die WM wären sie und Kozuch in den Punkten so weit abgerutscht, dass sie bei den hochklassigen Turnieren nicht mehr ins Hauptfeld gekommen wären.

Zahl der FIVB-Turniere ist von 19 auf 37 gestiegen

Schon an diesem Mittwoch treten sie beim mit 150.000 US Dollar dotierten Vier-Sterne-Turnier der Weltserie in Den Haag an, das in einer Beachvolleyball-Halle stattfindet. "Das ist besonders im Hinblick auf Aufschlag und Annahme eine Umstellung", sagt Borger. So früh im Jahr hat es bislang noch kein Turnier der World Tour gegeben. Nachdem der Weltverband FIVB in der Vorsaison nur 19 Turniere anbot, sind es in diesem Jahr 37 – da muss man halt auch ein bisschen früher anfangen. Borger/Kozuch freuen sich aber auf den vollen Terminkalender. Bis zum Sonntag kämpfen sie nun mit 32 Team bestückten Hauptfeld um weitere Ranglistenpunkte sowie 20.000 Dollar für das Siegerduo.

Ganz sorglos war das Team aber auch nach der Kür zum Nationalteam nicht. Am 1. Dezember, Borger war gerade auf dem Weg nach Berlin für einen Werbetermin, da erhielt sie einen Anruf vom Arzt. Bei einer Vorsorgeuntersuchung habe man "bösartige Zellen" gefunden. Eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs. Zwei Tage später wollte Borger eigentlich nach Teneriffa ins Trainingslager fliegen, stattdessen ließ sie sich am Nikolaustag operieren und und musste anschließend drei Wochen pausieren.

Weihnachten auf Sand statt unterm Tannenbaum

"Die Ärzte haben gesagt, wenn sie das erst bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung gesehen hätten, wäre es vielleicht schon zu spät gewesen", sagt Borger. "Ich kann nur jedem empfehlen, einmal im Jahr zur Früherkennung zu gehen." Die Operation verlief gut. Weihnachten verbrachte Karla Borger dann komplett im Sand. Das erste gemeinsame Turnier des Jahres soll nun den Neustart markieren. "Jetzt haut mich so schnell nichts mehr um", sagt sie. "Ich freue mich einfach nur auf 2018."

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