Champions League

FC Bayern schlägt Paris St. Germain mit 3:1

Der FC Bayern revanchiert sich mit seinem Sieg für die Vorführung im Hinspiel.

Foto: Renate Feil/M.i.S. / imago/MIS

München.  Voilà, da war er, der Prestige-Erfolg, den die Vereinsführung eingefordert hatte. Mit 3:1 gewann der FC Bayern am Dienstagabend das zweite Duell mit Paris St. Germain durch den Doppelpack von Corentin Tolisso und einen Treffer von Robert Lewandowski. Die Revanche für das 0:3 am zweiten Spieltag der Champions-League-Vorrunde ist geglückt, der Gruppensieg allerdings war nicht mehr machbar. So gehen die Bayern mit dem minimalen Nachteil in die erste K.o.-Runde Achtelfinale (Februar/März), im Rückspiel auswärts antreten zu müssen.

Alle drei Franzosen in der Startelf der Münchener

Ende September wurde Paris für den FC Bayern zur Stadt der Hiebe. Jenes 0:3 bei PSG geriert zum Debakel, noch in der Nacht beschlossen die Bayern-Bosse: Liebesentzug für Trainer Carlo Ancelotti. Der Italiener hatte Spieler wie Verantwortliche mit seiner Aufstellung geschockt: Die Weltmeister-Innenverteidigung Boateng/Hummels war ebenso nicht in der Startelf wie sämtliche Flügelstürmer, also Arjen Robben sowie die in der Heimat sicher extra motivierten Franck Ribéry und Kingsley Coman. Ein verhängnisvoller Fehler von Ancelotti.

Was den Franzosen ein Duell mit PSG bedeutet – vergleichbar mit der Herausforderung FC Bayern für alle anderen Bundesligisten – hat Trainer Jupp Heynckes, der elf Tage nach der Demütigung von Paris seinen Job an der Säbener Straße antrat, verstanden. "Ich weiß, das ist etwas Besonderes", sagte der 72-Jährige vor der Partie und schickte dann alle Franzosen des Kaders auf den Platz. Coman als Rechtsaußen anstelle von Thomas Müller, im zentralen Mittelfeld Corentin Tolisso für Arturo Vidal und – als Überraschung des Abends – Ribéry.

Der 34-Jährige, im Oktober und November wegen eines Außenbandrisses außer Gefecht, bildete wie in alten Tagen mit Kumpel David Alaba die linke Seite. Es wirkte, als habe Monsieur Ribéry zwei Monate nur auf diese Partie hintrainiert, so entschlossen, mutig und voller Energie marschierte er los – zusätzlich motiviert durch die leuchtend gelbe Kapitänsbinde am linken Arm. "Ich freue mich nach zwei Monaten über mein erstes Spiel. Wir haben gewonnen, das ist schön", sagte er. Sein Antritt führte in der 8. Minute zum 1:0. Über James Rodríguez und Coman kam der Ball zu Torjäger Robert Lewandowski, der bei Temperaturen um den Gefrierpunkt am Fünferraum cool blieb. Auch das 2:0 ein Beweis der bayerischen Franzosen-Power. Die Flanke von James platzierte Tolisso per Kopf wuchtig ins Ecke (37.). Szenenapplaus der 70.000 Fans in der Allianz Arena für eine bärenstarke erste Halbzeit.

Ganz im Gegensatz zum September-Duell. Und auch in Sachen Personalwahl änderte sich die Münchner Stimmungslage. "Jupp hat eine interessante Aufstellung gewählt, mit zwei schnellen Außenspielern, mit Ribéry und Coman", meinte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Seine Voraussage traf ein: "Paris ist nach vorn Weltklasse, aber hinten kann man sie durchaus packen."

PSG zeigt nur nach der Pause etwas von seinem Potenzial

Nach der Pause zeigte PSG seine volle Offensiv-Wucht, wollte das 0:2 nicht so einfach auf sich sitzen lassen. Über Mittelstürmer Edinson Cavani kam der Ball zum 18-jährigen Wunder-Kind Kylian Mbappé, der den Anschlusstreffer erzielte (50.). Obwohl es rein tabellarisch um recht wenig ging, entwickelte sich ein intensiver Schlagabtausch. Nun hatten die Bayern so ihre Probleme mit den pfeilschnellen PSG-Angreifern. Ein Konter über Coman führte zum 3:1 durch Tolisso – vive la France, dachten sich die Bayern.

Sie machten ihre Ankündigung wahr, "eine Nachricht an Europa senden zu wollen", es sei eben doch "eine Revanche" (Coman). Nach dem Motto: Hey, Henkelpott-Konkurrenten, wir sind schon noch da! Es ging ihnen ums Prestige, wie auch Heynckes betont hatte, der – obwohl damals nicht in der Verantwortung – sich zum Ziel gesetzt hatte: "Wir wollen das Hinspiel vergessen lassen und uns auf der Champions-League-Bühne mit einer Mannschaft auf Augenhöhe messen, die in den letzten Jahren eine halbe Milliarde Euro investiert hat." Unter anderem 222 Millionen Euro für den Brasilianer Neymar, der also 180,5 Millionen mehr gekostet hat als Bayerns Rekord-Einkauf Tolisso, der Doppeltorschütze, der Mann des Abends. "Wir wollen immer gewinnen – für uns, für unser Selbstvertrauen", sagte Ribéry und freute sich über die Leistung der Mannschaft gegen die Franzosen, die München gut tut auf dem Weg in die nächste Runde.

Mit dem 3:1 bestätigte sich, dass die Allianz Arena auf europäischer Bühne eine Festung bleibt. Was Torhüter Sven Ulreich mit einer Glanzparade in der Nachspielzeit noch bestätigte. Mit dem Erfolg gegen PSG wurden nun die letzten zwölf Heimspiele in der Königsklasse allesamt gewonnen, bei einem Torverhältnis von 39:3. Chapeau, Bayern!

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