Europa League

Hertha-Torjäger Kalou sitzt seit Wochen auf der Bank

Salomon Kalou, lange der Mann für die wichtigen Tore bei Hertha, ist Bankdrücker. Kalou: Das ist die Entscheidung des Trainers

Er will so gern spielen: Hertha-Stürmer Salomon Kalou sitzt seit drei Spielen nur auf der Bank

Er will so gern spielen: Hertha-Stürmer Salomon Kalou sitzt seit drei Spielen nur auf der Bank

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  In Bilbao (2:3), in Köln (2:0), daheim gegen Frankfurt (1:2) - drei Spiele in Folge, bei denen Salomon Kalou fit war und im Kader von Hertha BSC stand - aber keine Minute eingesetzt wurde. Trotz des 2:3-Rückstandes in Bilbao verzichtete Trainer Pal Dardai auf seine dritte Wechseloption. Gegen Frankfurt wurde nach dem 1:2 in den letzten zehn Minuten Alexander Esswein eingewechselt – und nicht Kalou. 270 Pflichtspiel-Minuten in Folge ohne den Torjäger, das hat es seit der Ankunft des Torjägers in Berlin im September 2014 nicht gegeben, abgesehen von einer sechswöchigen Trauerphase im Sommer 2016, als Kalou zwei ­Todesfälle in der Familie hatte.

Gegen Östersund am Donnerstag erste Wahl

Die Situation gefällt dem Stürmer nicht. Nach dem gestrigen Training antwortete Kalou auf die Frage, ob der Trainer mit ihm geredet habe: "Nein." Ob es ein Problem für ihn sei? "Ich kann traurig sein, wenn ich schlecht spiele. Aber wenn ich nicht spiele ..." Kalou hob seine Schultern.

Im bedeutungslosen Europa-League-Spiel am Donnerstag gegen Östersunds FK (21.05 Uhr/Sky) wird Kalou, Champions-League-Sieger von 2012, wieder erste Wahl sein. Dardai hat bereits eine große Rotation angekündigt. Gemeint ist: Die derzeit formstärksten Spieler wie Torwart Rune Jarstein, Mitchell Weiser, Karim Rekik oder Vedad Ibisevic erhalten eine Pause, um für das wichtige Bundesliga-Spiel am Sonntag beim FC Augsburg (18 Uhr) fit zu sein.

Kalous Vertrag läuft bis 2019

Gegen den schwedischen Pokalsieger wird im Tor ohnehin rotiert – Ersatzmann Thomas Kraft übernimmt. Dazu kommen all jene zum Zug, die zuletzt etwas hinten dran waren: Peter Pekarik, Jordan Torunarigha, Fabian Lustenberger, Esswein - und eben Kalou. Es könnte sein, dass es der letzte internationale Einsatz für den 32-Jährigen wird. Seinen Vertrag in Berlin hat er im ­Sommer bis 2019 verlängert (plus einer Option für ein weiteres Jahr).

In der Liga sieht es gerade nicht danach aus, als ob der Tabellen-Zwölfte Hertha in dieser Saison etwas mitzureden hat beim Kampf um die internationalen Plätze. Kalou ist der erste prominente Name im Hertha-Kader, den das ereilt, was das Trainer-Team in der Rückrunde forcieren wird: ein intensiver Konkurrenzkampf. "Die Aufstellungen", sagt Kalou, "das sind Entscheidungen des Trainers." Pal Dardai sagte gestern nichts, da er wegen eines privaten Termins beim Training fehlte.

Youngster Mittelstädt auf der Überholspur

Kalou, nach wie vor einer besten Fußballer im Team, fehlt immer mal wieder die Dynamik, um sich im modernen Profifußball zu behaupten, der sich zu einer Seriensprint-Sportart ­entwickelt hat. Kalou widerspricht an dieser Stelle immer vehement. Schnelligkeit im Duell Eins-gegen-eins sei nur ein Teil, um den es im Fußball gehe. "Wichtiger ist es, im Kopf schnell zu sein", sagt Kalou. "Du musst wissen, wann du welchen Ball wohin spielst, damit gefährliche Situation entstehen können." Ohne Zweifel verfügt Kalou nach wie vor über diese Qualitäten. Sonst würde ­seine Pflichtspiel-Bilanz bei Hertha seit 2014 nicht bei mittlerweile 34 ­Toren und 13 Assists liegen.

Aber statt auf den 102-maligen Nationalspieler der Elfenbeinküste – das Nationalteam trägt den Spitzenamen "die Elefanten" – hat Dardai zuletzt auf Youngster Maximilian Mittelstädt im linken Mittelfeld gesetzt. "Ob gegen Bilbao, in Köln oder gegen Frankfurt – Maxi hatte in allen Spielen gute Momente", beurteilt Manager ­Michael Preetz die Leistungen des 20-Jährigen aus dem Hertha-Nachwuchs.

Preetz: Salomon ist ein Spieler für besondere Momente

Die Gewichte zwischen dem Talent und dem Routinier verschieben sich. Bleibt die Frage, wie Kalou mit seiner Situation umgeht. Die, die ihn täglich erleben, sagen: Kalou gehe professionell mit der Lage um. "Aber natürlich will Salomon wieder spielen", sagt Manager Preetz. Kalou will nichts davon wissen, dass Östersund sein letztes internationales Spiel sein ­könnte: "Das glaube ich nicht."

Er verwies darauf, dass die Europa League wichtig sei für den Lernprozess der jungen Spieler. In den beiden internationalen Begegnungen, in denen ­Kalou in der Startelf stand, punktete Hertha (0:0 gegen Bilbao, 2:0 gegen Lugansk). Manager Preetz weiß um die Fähigkeit von Kalou, wichtige Tore erzielen zu können und sagt: "Salomon wird wieder wichtig werden. Er ist ein ­Spieler für besondere Momente."

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