Starke Rückkehr

Mit Müller glauben die Bayern an ein Wunder gegen Paris

Bayern Münchens Thomas Müller gibt beim Sieg gegen Hannover ein starkes Comeback. Noch mehr überrascht allerdings sein Trainer.

Foto: Sebastian Widmann / Bongarts/Getty Images

MÜNCHEN.  Der Mann ist ein Glückskind. Sechs Wochen Verletzungspause, sieben verpasste Pflichtspiele – ein Klacks für einen, der seit 2009 Profi ist. Doch für Thomas Müller (28) bedeutete der im Oktober in Hamburg erlittene Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel: die längste Absenz seiner Karriere. Und die tat weh. "Ich habe im Fernsehen Spiele gesehen, die wahre Erlebnisse waren", sagte Müller, "den Pokalkrimi in Leipzig, die Spiele in Glasgow und Dortmund. Wenn man sich das daheim auf der Couch im Fernsehen anschauen muss, dann ist das nicht leicht."

40 Tage fehlte er. Das würde anderen Spielern nur ein Lächeln entlocken. Müllers zuvor schlimmste Blessur: Ein Daumen musste in der letzten Sommerpause geschient werden. Der schlaksige, eher fragil aussehende Bayer hat stets eine einfache Erklärung für seine beinahe lückenlose Unverwundbarkeit: "Ich kann mir keine Muskelverletzung zuziehen, ich habe ja keine Muskeln." Nun wurde auch er eines Besseren belehrt.

Torschuss-Rekord der bisherigen Saison

Am Sonnabend kehrte Thomas Müller zurück, gleich wieder als Kapitän – und das mit einem sehr, sehr großen Lächeln. Beim 3:1 seiner Bayern gegen Hannover 96 glückten ihm trotz dicker Chancen zwar keine Treffer, aber zwei Vorlagen und eine ansprechende Leistung. Müller ist wieder frisch. Nach seinem 410. Pflichtspiel für die Münchner kam er als Letzter aus der Kabine, weil er "noch direkt eine kurze Pflegeeinheit höchst professionell hingelegt" habe, so Müller.

Nicht nur der Spieler, auch der Schelm ist zurück. Die 80 Minuten nach sechs Wochen Wettkampfpause habe er gut weggesteckt. Sein Fazit: "Es ist gut gelaufen. Wir haben gewonnen. Ich war gut im Spiel integriert. Alles im grünen Bereich." Das 1:0 von Arturo Vidal leitete er per Flanke mit dem linken Fuß ein, das 2:1 von Kingsley Coman mit dem rechten Fuß.

Müller, der Vorbereiter – nur ein Teil seines Repertoires. "Thomas ist unheimlich wichtig mit seinen Wegen, die er macht", erklärte Mats Hummels, "er sorgt für Bewegung in unserem Spiel. Es ist deutlich weniger statisch, wenn er auf dem Platz ist." Weil Müller überall auf dem Platz herumwuselt, lief es bei den Bayern. 29 Torschüsse gaben die Münchner gegen Hannover ab – Saisonrekord. Zuvor hatte ihn Leipzig mit 28 Schüssen.

Trainer Heynckes hat noch keinen Vertrag unterschrieben

"Thomas war ein belebendes Element, sehr positiv für uns", lobte Trainer Jupp Heynckes. Der 72-Jährige verriet am Sonntag dazu etwas Kurioses: Er habe noch keinen Vertrag bei den Bayern unterschrieben, sagte Heynckes, der vor fast zwei Monaten von Carlo Ancelotti übernommen hatte. Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen fordere ihn "immer wieder auf, vorbeizukommen und meinen Vertrag zu unterschreiben", so Heynckes, der seinen Posten am Saisonende räumen wird. "Aber ich habe bislang noch keine Zeit dafür gefunden."

Bei Müller sah Heynckes nur einen Mangel: "Vor dem Tor war er nicht der kaltschnäuzige Vollstrecker, wie wir ihn kennen. Aber das kommt wieder", sagte der Trainer. Auch Müller erkannte "Verbesserungspotenzial". Besser klappen soll es am Dienstag im letzten Champions-League-Vorrundenspiel gegen Paris St.-Germain. Nur ein Sieg mit vier Toren Unterschied würde nach dem 0:3 im September in Paris nun den Gruppensieg bedeuten. Ist das nicht aussichtslos? "Kommt drauf an, wie das Spiel läuft", meinte Müller, "wir werden sicher nicht mit sechs Stürmern attackieren. Aber je nach Spielstand kriegt man vielleicht noch eine dritte Luft." Der Glaube daran ist jedenfalls wieder größer bei den Bayern – seit Thomas Müller zurück ist.

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