Monaco

Alles oder nichts

RB Leipzig kämpft heute bei AS Monaco um den Verbleib in der Champions League

Monaco.  Wenn Ralph Hasenhüttl in den vergangenen Monaten vom Leben als Trainer eines gelernt hat, dann dass nicht alles im modernen Fußball von Blutwerten und Videostudien entschieden wird. Der Aberglaube entscheidet mit, weshalb der Trainer von RB Leipzig in Zeiten, in denen es nicht so lief wie geplant, zuletzt immer ein Detail veränderte, von dem er annahm, es habe etwas mit dem weniger erfreulichen Lauf der Dinge zu tun. Oft waren es seine Pullover.

Ein marineblauer erwies sich zuletzt als äußerst wirksam. Für Einsätze in der Liga freilich ist es mittlerweile zu kalt. Und in Kombination mit Steppjacken vom Arbeitgeber hat das Textil am vergangenen Sonnabend etwa seine Wirkung verfehlt. Der 50-Jährige fuhr mit seiner Mannschaft nach Leverkusen, die führte dort zweimal, spielte 38 Minuten lang in Überzahl – und musste am Ende froh sein, dass den Leverkusenern die Luft ausging. Sie hätte nach Stand der Chancen sonst wohl verloren.

Montag aber: Reise an die Cote d’Azur nach Monaco. Pullover-Wetter. Mittag waren es 15 Grad in der Sonne. Blauer Himmel. Am Abend wurden es zwölf. Ein Vorgefühl auf Dienstagabend – und wie geschaffen für Hasenhüttl und seinen Pulli, denn RB trifft sich in der Champions League mit dem französischen Meister zu einer Partie, die für beide Pokalcharakter hat (20.45 Uhr, Sky). Wer verliert, ist raus aus der Königsklasse. Sechs Punkte sind noch zu vergeben, die AS hat zwei Zähler, RB vier. Porto auf Rang zwei ist mit sechs Punkten noch in Reichweite, Besiktas an der Spitze (zehn Punkte) eigentlich enteilt. Also: Alles oder nichts!

Aber Ach! RB traf sich Montagmorgen zum geheimen Abschlusstraining, um den Drei-Punkte-Plan einzustudieren. Und das am heimischen Cottaweg wie schon vor zwei Wochen vor dem Spiel gegen den FC Porto, das bekanntlich mit 1:3 verloren ging. Vordergründig dreier Tore wegen, aber wer weiß denn schon, welche Rolle die späte Anreise, halb drei Uhr mit dem Flieger ab Leipzig, dabei spielte. Ein Omen?

Man muss es mit der Deckungsgleichheit von Vorzeichen ja nicht übertreiben, aber auch so sind die Voraussetzungen für den dringend benötigten Sieg nicht die Besten. RB bringt gerade keine Konstanz in seine Auftritte – und vor allem keine Souveränität in Spiele, die die Sachsen eigentlich in der Hand zu haben scheinen. Immer ist irgendwas. Zuletzt waren es vor allem Standards, die den Sachsen zu schaffen machten. Gegen Porto führten zwei in die Niederlage. Gegen Bayer ins eigentlich unnötige Remis. Keeper Peter Gulacsi forderte einen Tag später: „Wir müssen es endlich mal schaffen, zu Null zu spielen.“ So wie gegen den Hamburger SV. Das war am dritten Spieltag. Und so wie gegen den VfB Stuttgart am neunten. Beide Partien waren die einzigen ohne Gegentreffer.

Ansonsten hat es hinten immer eingeschlagen. Der Stil der Leipziger ist ein Grund dafür, doch hoch pressen und schnell umschalten, das haben die Liganeulinge auch vergangene Spielzeit schon gemacht, damals aber waren es zum selben Zeitpunkt fünf Gegentore weniger. Ein anderer ist die ungewohnte Mehrfachbelastung und die häufig veränderten Stammformationen, die keine Konstanz in das Defensivspiel bringen. Vor allem anderen jedoch ist es wahrscheinlich das, was Gulacsi meinte mit: „Vielleicht sind wir noch zu jung.“ Und Hasenhüttl seiner Gewohnheit nach mit Humor versah, als er nach dem Bayer-Spiel auf die vielen Unterzahlspiele seines Kaders zuletzt verwies und meinte, für Überzahlpartien sei man vielleicht „noch zu grün“.