Ski alpin

Todesfahrer David Poisson prallte bei Tempo 100 gegen Baum

Gefährlicher als die Formel 1: Nach dem Tod des Franzosen diskutiert der Skizirkus wieder über Sicherheit. Problem ist das Training.

David Poisson bei einer Weltcup-Abfahrt in Kitzbühel 2016. Der 35-Jährige fuhr im Weltcup nur einmal auf das Podest

David Poisson bei einer Weltcup-Abfahrt in Kitzbühel 2016. Der 35-Jährige fuhr im Weltcup nur einmal auf das Podest

Foto: ATP / picture alliance / ATP

Nakiska.  Auch Felix Neureuther (33) machte sein Bestürzung öffentlich. "Solche tragischen Nachrichten machen mich unendlich traurig. Ich wünsche der Familie ganz viel Kraft! Wir werden Dich immer in unserem Herzen behalten mein Freund", schrieb der junge Vater bei Facebook.

Der Tod des französischen Skirennläufers David Poisson (35) in Kanada, der am Montag bei einem Trainingssturz auf der Abfahrtsstrecke in Nakiska ums Leben kam, traf auch andere im Skizirkus bis ins Mark. Poisson hinterlässt Frau und einen eineinhalb Jahre alten Sohn. 15 Tage zuvor war Poissons Vater an Krebs gestorben.

Poisson war überall beliebt, sie nannten das Kraftpaket den "Stein". Nun erinnert er die Kollegen daran, wie gefährlich ihr Sport auch für die härtesten Kerle ist. Als "niederschmetternd" empfand US-Superstar Lindsey Vonn, selbst schon häufig genug gestürzt, die Nachricht. Die Schweizerin Lara Gut schrieb: "Dein Lächeln wird uns fehlen."

90 Minuten lang versucht, den Franzosen wiederzubeleben

Michel Vion, früher selbst Skirennläufer und heute Präsident des französischen Verbandes, bezeichnete den Tod Poissons als ein "Desaster". Zugleich sagte er: "Die Abfahrt ist gefährlich und riskant, aber in den letzten Jahren haben wir realisiert, dass sie gefährlicher ist als die Formel 1. Wir zahlen einen hohen Preis." Poisson schoss nach seinem Sturz mit über 100 km/h durch Fangnetze hindurch in den Wald und prallte gegen einen Baum.

Poisson war kein großer Star. Er bestritt 146 Rennen im Weltcup und landete dabei nur einmal auf dem Podium. Aber: Bei der WM 2013 in Schladming/Österreich nutzte er in der Abfahrt die Gunst der Stunde und fuhr überraschend zu Bronze. In Nakiska bereitete sich Poisson gerade auf die ersten Speed-Rennen der neuen Saison vor, sie sollen am 25. und 26. November in Lake Louise stattfinden.

Die Franzosen trainierten am Schauplatz der Winterspiele 1988 unter anderem mit den Schweizern. Wie der Schweizer Verband mitteilte, hätten die eidgenössischen Fahrer um Weltmeister Beat Feuz und Patrick Küng Unfall und Bergung "aus nächster Nähe verfolgen" müssen. "Die Konzentration der Athleten", hieß es weiter, "gilt vorerst der gemeinsamen Verarbeitung der Geschehnisse." Rund eineinhalb Stunden lang, so der Augenzeuge, sei erfolglos versucht worden, Poisson wiederzubeleben.

Letzter Todesfall im Weltcup 1994

Todesfälle im Weltcup sind selten geworden. Doch im Gegensatz zu den Strecken bei Weltcup-Rennen sind die zu Trainingszwecken genutzten Pisten unzureichend gesichert. Der US-Verband unterhält eine Strecke in Copper Mountain in Colorado, wo derzeit auch die deutschen Abfahrer trainieren. Die Vorkehrungen dort entsprechen fast dem hohen Standard im Weltcup, dort säumen unter anderem sogenannte A-Netze den Kurs.

In Nakiska stehen vor den Bäumen am Pistenrand nur die weniger widerstandsfähigen B-Netze. Allerdings mahnt der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier vor falschen Einschätzungen: "Im Weltcup sind Hunderte Arbeiter über Wochen damit beschäftigt, eine Strecke abzusichern. Es ist völlig unrealistisch zu glauben, dass das für eine Trainingsstrecke wie in Nakiska möglich ist. Diese Perfektion können wir nicht leisten."

Den letzten Todesfall hat der Weltcup 1994 erlebt, als die Österreicherin Ulrike Maier bei der Abfahrt auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen verunglückte. 2001 war die Französin Regina Cavagnoud beim Training im Pitztal mit dem deutschen Trainer Markus Anwander kollidiert und kurz darauf den Verletzungsfolgen erlegen.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.