Dortmund

Heavy Metal auf dem Rasen

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Daniel Berg

RB Leipzig setzt mit einem fulminanten Sieg in Dortmund ein Ausrufezeichen und verschafft der Bundesliga neue Spannung

Dortmund. Irgendetwas Großes war geschehen. Darauf deuteten die Reaktionen in Block 48, Reihe 33 des Dortmunder Stadions hin, wo bis eben noch Ralf Rangnick als Teil einer Delegation von RB Leipzig gesessen hatte. Der Sportdirektor sprang im Moment des Abpfiffs auf, herzte, wen er um sich herum zu packen bekam, Jubelschreie drangen aus dem armumschlungenen Knäuel, während auf dem Rasen Trainer Ralph Hasenhüttl umhersprang. 3:2-Sieg bei Borussia Dortmund, nicht glücklich herbeigemurmelt, sondern mit einem Wagnis verdient. „Was wir hier geleistet haben, wo zweieinhalb Jahre lang niemand gewonnen hat, war sensationell, unfassbar“, sagte Trainer Hasenhüttl und hauchte: „Ich bin sehr, sehr stolz.“

Es war durchaus nicht zu verachten, was die Leipziger da an diesem Abend auf die Beine gestellt hatten. Der Vizemeister beendete die 41 Partien währende Heimserie ungeschlagener Ligaspiele des BVB, er fügte der Borussia noch dazu die erste Saison-Niederlage zu und nützte sich selbst dergestalt, dass der Vorsprung des Tabellenführers auf einen Schlag zusammenschmolz. Drei Punkte liegt Dortmund nur noch vor den Sachsen. „Wir haben die Bundesliga spannend gemacht, wir haben dafür gesorgt, dass vorne alles zusammenrückt“, freute sich Hasenhüttl: „Schön, dass wir bei der Musik dabei sind.“

Die Musik, die Leipzig am Sonnabend auflegte, hatte einen höchst aufregenden Sound. Eigentlich war es Heavy Metal. Schnell, hart – und Spaß machte es auch noch. Hasenhüttl verzichtete auf den zuletzt angeschlagenen Nationalstürmer Timo Werner und setzte auch den eigentlich unersetzlichen Emil Forsberg, der unter der Woche noch mit der schwedischen Nationalmannschaft unterwegs war und kaum trainieren konnte, auf die Bank. Dahinter steckte ein Plan. „Wir wollten den BVB in bestimmte Räume locken, um dann zuzugreifen. Wir hatten die ganze Woche Zeit und haben uns im Training etwas zurechtgelegt. Und deshalb brauchte ich Spieler, die die Abläufe unter der Woche verinnerlichen konnten“, sagte Hasenhüttl. Sein defensives Mittelfeld besetzte er mit Naby Keita und Kevin Kampl – so offensiv wie selten. „Wir haben alles auf eine Karte gesetzt. So offensiv in Dortmund aufzutreten, kann auch schiefgehen. Aber wir wollten ein Spektakel bieten. So ist es gekommen“, sagte Hasenhüttl.

Fünf Tore, zwei Elfmeter, zwei Platzverweise waren die entscheidenden Parameter einer hochintensiven Partie, die Leipzig aber doch für sich entschied. Nach Bundesliga-Niederlagen gegen Augsburg und Schalke waren auch Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Sachsen aufgekommen. In der Champions League soll am Dienstag im Heimspiel gegen den FC Porto (20.45 Uhr, Sky) der erste Sieg in der Königsklasse her. Da hatte es zuletzt nicht so gut geklungen, was RB bot.

Ein bisschen wirkte es so, als hätten die Leipziger auch in der eigenen Wahrnehmung schon in Dortmund den nächsten Schritt zu königlicher Klasse vollzogen. Einen Sieg auf dem Territorium derer, die in der Gegenwart und der Zukunft wohl die größten nationalen Konkurrenten sind, hatte es bislang noch nicht zu verzeichnen gegeben. Beim FC Bayern war RB letztes Jahr mit 0:3 unter die Räder gekommen, in Dortmund kassierte der Klub in der Vorsaison ein 0:1. Nun also nahmen sie die Punkte mit. Verdient sogar, das war Hasenhüttl wichtig. „Dass wir auch ohne Werner und Forsberg hier spielen und trotzdem eine schlagkräftige Truppe haben“, sagt der Trainer, „das ist ein Ausrufezeichen.“ Ein großes.