Alarm bei Dortmund

1000 Polizisten schützen diesmal die Leipziger Fans

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Sebastian Weßling
Im Februar zeigten die BVB-Fans auch mit Spruchbändern, dass sie von RB Leipzig nicht viel halten

Im Februar zeigten die BVB-Fans auch mit Spruchbändern, dass sie von RB Leipzig nicht viel halten

Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing / picture alliance / augenklick/fi

Die schlimmen Vorfälle vom Februar sollen sich beim Spitzenspiel am Sonnabend nicht wiederholen. Trotzden trauen sich viel weniger hin.

Nein, ein Spiel wie jedes andere ist das nicht, sagt Torsten Schild. „Es ist schon ein gewaltiger Druck da“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Fanabteilung von Borussia Dortmund. Am Sonnabend (18.30 Uhr/Sky) steht für den BVB das Heimspiel gegen RB Leipzig an – und das versetzt die Klubs, ihre Fans und die Polizei in erhöhte Alarmbereitschaft. Denn im letzten Heimspiel des BVB gegen Leipzig am 4. Februar griff ein Mob aus BVB-Anhängern vor dem Stadion einige Leipziger an. Sechs Gästefans und vier Polizisten trugen Verletzungen davon. Im Stadion wurden zudem gewaltverherrlichende und beleidigende Plakate präsentiert.

Vor dem Wiedersehen ist die Anspannung nun groß. Der harte Kern des Dortmunder Anhangs plant erneut einen Protest: Das Bündnis „Südtribüne Dortmund“, in dem Ultragruppen, Fanklubs und Einzelpersonen aus der aktiven Fanszene versammelt sind, hat zu einem Protestmarsch zum Stadion aufgerufen, um „ein starkes Zeichen gegen den RB-Konzern und sein Verständnis von Fußball“ zu setzen. Von der Polizei wird dies interessiert beobachtet. Für allzu große Aufregung sorgt der geplante Marsch allerdings nicht, auch ohne Anmeldung dürfte die Polizei die Fans gewähren lassen – solange alles einigermaßen gesittet über die Bühne geht. Denn so hat man den harten Kern der Fanszene gut im Blick und unter Kontrolle.

BVB-Boss Watzke geht von einer friedlichen Partie aus

Den RB-Fans wird dennoch empfohlen, mit dem Auto anzureisen. Vorsichtshalber, denn alle Seiten geben sich zuversichtlich, dass sich Szenen wie im Februar nicht wiederholen. „Grundsätzlich glaube ich, dass alle gelernt haben aus der Situation“, sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dieser Zeitung. „Insofern bin ich verhalten optimistisch, dass wir das ordentlich über die Bühne kriegen.“ Besonders wichtig dabei sei die Rolle der Sicherheitskräfte: „Die entscheidende Lehre ist schon mal insofern gezogen, als dass die Polizei das Spiel mit deutlich größerer Präsenz überwacht als beim letzten Mal“, so Watzke. „Damals waren einfach deutlich zu wenig Polizisten im Einsatz.“

Mehr als doppelt so viele Einsatzkräfte wie beim letzten Mal seien nun im Einsatz, sagt Einsatzleiter Ed Freyhoff, ohne allerdings eine konkrete Zahl zu nennen. Von etwa 1000 Polizisten ist zu hören. Statt 8000 Gästefans wie im Februar werden diesmal nur 4000 erwarten. Und die sollen vor Provokationen geschützt werden: „Wer Gäste anpöbeln oder angreifen will, wird eine sehr aktive Polizei erleben“, sagt Einsatzleiter Freyhoff. „Wir haben auch schon über Dinge hinweg sehen können, aber diesmal ist die Schwelle, ab der wir einschreiten, extrem niedrig.“ Auch der Klub setzt deutlich mehr Ordner ein, will aber genaue Maßnahmen nicht an die Öffentlichkeit geben.

Die Aufarbeitung der Ereignisse im Februar ist derweil „im Wesentlichen abgeschlossen“, so Watzke. 31 Stadionverbote von bis zu drei Jahren hat der BVB verhängt, für Plakate im und Ausschreitungen vor dem Stadion. Polizei und Staatsanwaltschaft leiteten 168 Strafverfahren ein, von denen bislang elf in Strafbefehlen mündeten. In fünf Fällen wurde Anklage erhoben, eine Verurteilung gab es bislang. Von den Plakaten im Stadion stufte die Polizei vier als strafrechtlich relevant ein. All das soll sich nun nicht wiederholen.