Eisbären

Petri Vehanen: Erfolg hält jung

Petri Vehanen wird 40 Jahre alt. Dass die Eisbären wieder oben mitspielen, sieht der fleißige Finne als Geschenk.

Foto: imago sport / imago/Nordphoto

Berlin.  Für ausschweifende Erzählungen war Petri Vehanen noch nie bekannt. Das könnte daran liegen, dass er aus Finnland kommt, schließlich gelten die Menschen dort traditionell als eher schweigsam. Vielleicht lässt der Torwart der Eisbären Berlin aber auch einfach lieber Leistung sprechen – da würden zu viele Worte neben dem Eis bloß ablenken. Seine Antwort auf die Frage eines Journalisten in dieser Woche, ob er seinem Geburtstag schon entgegenfiebern würde, war jedenfalls typisch für Vehanen. "Passt schon", sagte er. "Freuen tue ich mich nicht wirklich. Aber jeder von uns wird älter."

Allerdings schnüren nur wenige in seinem Alter noch die Schlittschuhe. 40 Jahre wird Vehanen am Montag, in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist nur ein Spieler noch älter: Nürnbergs Steven Reinprecht mit 41 Jahren. "Das ist schon außergewöhnlich", meint Eisbären-Trainer Uwe Krupp. Petri Vehanen kriegt einfach nicht genug vom Eishockey. Krupp erzählt, dass sein Torhüter selbst an den Tagen, an denen die Mannschaft frei hat, freiwillig aufs Eis oder in den Kraftraum geht. "Ihn muss man auch in dem Alter eher bremsen, als dass man das Training dosiert", so der Coach. "Das ist einfach meine Lebensart", sagt Vehanen. Er habe immer schon Freude daran gehabt, hart an sich zu arbeiten, freie Tage würden ihn eher frustrieren. "Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich immer noch spiele."

Die vergangene Woche dürfte deshalb so ganz nach seinem Geschmack gewesen sein. Im 48-Stunden-Rhythmus mussten die Berliner aufs Eis, die Partie gegen die Augsburger Panther am Sonntag (14 Uhr, Mercedes-Benz-Arena) ist die vierte innerhalb von acht Tagen. Am Freitagabend siegten die Eisbären auswärts mit 6:3 gegen die Iserlohn Roosters, dort allerdings mit Vehanens Stellvertreter Marvin Cüpper im Tor.

Bestes EHC-Team seit seiner Ankunft mit Titelchance

Und weil der bisherige Spitzenreiter Nürnberg das entscheidende Tor im Topspiel gegen München erst in der Verlängerung erzielte, übernahm der EHC durch den Erfolg im Sauerland sogar wieder die Tabellenführung. "Wir machen momentan vieles richtig", sagt Petri Vehanen. Er hält die aktuelle Mannschaft für die beste, seit er vor drei Jahren zu den Eisbären gewechselt ist. Für eine Meisterprognose sei es derzeit zwar noch zu früh. "Aber eins ist klar: Wir haben alle Mittel dafür, ganz vorn zu landen", meint Vehanen.

2014 war der Finne nach Berlin gekommen, schon damals mit besten Referenzen. In Finnland, Schweden und Norwegen, Italien und Russland hatte er jeweils in der obersten Liga gespielt und 2010 mit dem russischen Klub Bars Kazan den Titel in der KHL geholt, die nach der nordamerikanischen NHL als die zweitbeste Liga der Welt gilt. In jener Saison war Vehanen der Torhüter mit den wenigsten Gegentoren und der höchsten Fangquote. Gleiches gelang ihm 2011 bei der WM in der Slowakei, wo er mit Finnland die Goldmedaille gewann – bereits seine zweite internationale Medaille nach WM-Bronze 2008. Wenige Monate vor seinem Wechsel nach Deutschland erreichte er 2014 mit Lev Prag erneut das Endspiel der KHL, doch dieses Mal unterlag sein Team gegen Metallurg Magnitogorsk.

Noch keine Gedanken an ein Karriereende

Mittlerweile trägt er seit bald vier Jahren das Trikot der Eisbären. Nur in seiner Geburtsstadt Rauma spielte er noch länger für einen Verein. Dabei wollte Petri Vehanen ursprünglich nur eine Spielzeit in Berlin bleiben, anschließend sollte es wieder zurück in die Heimat gehen. "Aber dann habe ich mich in diese Stadt und in den Klub verliebt", sagt der 39-Jährige. "Es hat sich gleich richtig angefühlt. Meine Familie fühlt sich wohl hier, sonst wären wir nicht so lange geblieben. Ich habe es bis heute nicht bereut, nach Berlin gegangen zu sein." Auch beim EHC dürfte man froh sein, dass eine langjährige Beziehung daraus geworden ist. Der Eisbären-Torhüter zählt zu den Besten seiner Zunft in der DEL. In der vergangenen Saison war er mit seinen starken Auftritten im Play-off einer der Garanten dafür, dass es die Eisbären nach einer verkorksten Hauptrunde doch noch bis ins Halbfinale schafften.

Ob er sich vorstellen könnte, seine Karriere in Berlin zu beenden? "Daran verschwende ich momentan noch keinen Gedanken", sagt Vehanen. Erst einmal wird gefeiert. Zum Geburtstag haben sich seine Eltern und Freunde aus Finnland angekündigt, beim Spiel gegen Augsburg sitzen sie auf der Tribüne. Am Montag will die Gruppe etwas zusammen unternehmen. Dafür hat sich Petri Vehanen ausnahmsweise einen Tag freigenommen.

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