Bundesliga-Serie

RB Leipzig – Beflügelt durch die Champions League

Die Morgenpost analysiert bis zum Start alle 18 Bundesliga-Klubs: diesmal RB Leipzig, wo man den Coup des Vorjahres wiederholen will.

Das pochende Herz des Teams: Naby Keita (r.) ist Leipzigs Spielgestalter. RB lehnte im Sommer ein 80-Millionen-Euro-Angebot aus Liverpool für ihn ab

Das pochende Herz des Teams: Naby Keita (r.) ist Leipzigs Spielgestalter. RB lehnte im Sommer ein 80-Millionen-Euro-Angebot aus Liverpool für ihn ab

Foto: Alex Grimm / Bongarts/Getty Images

Leipzig.  Das Silicon Valley des deutschen Fußballs liegt noch im frühen Nebel. Auf einem blauen Banner, das neben dem Platz hängt, steht in weißen Buchstaben ein Satz der Boxlegende Muhammad Ali: „Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.“ Willkommen bei RB Leipzig!

Als Aufsteiger ist der Klub gleich in der ersten Spielzeit durch die Liga geflogen. Platz zwei, Champions-League. Kritiker sagen: Kein Wunder, wenn ein österreichische Getränkemogul dreistellige Millionensummen in den Klub pumpt. Kölns Manager Jörg Schmadtke dagegen zollt dem „Dosenklub“ Respekt. Man könne natürlich streiten darüber, woher das Geld komme. Aber: „Da steckt ein Plan dahinter. Sie wissen, was sie mit dem Geld anfangen.“

36 Millionen Euro wurden für neue Spieler ausgegeben

Nun also das Jahr nach dem „Fußballwahnsinn“ (Trainer Ralph Hasenhüttl). Kann der Klub noch einmal so groß auftrumpfen? 36 Millionen Euro investierte RB in neun Zugänge. Die prominentesten heißen Augustin von Paris St. Germain (13 Millionen Euro) und Bruma von Galatasaray Istanbul (12,5 Millionen). Bescheiden im Vergleich zu den Bayern, die 100 Millionen Euro ausgaben. Die Leipziger Kunst bestand darin, Leistungsträger zum Bleiben zu bewegen.

So konnte RB-Baumeister Ralf Rangnick eine 80-Millionen-Euro-Offerte des FC Liverpool für Naby Keita (22) ablehnen. Auch der AC Mailand holte sich im Werben um Emil Forsberg (25) eine Absage ab. Timo Werner (21), mit 21 Treffern in der vergangenen Spielzeit der beste deutsche Torschütze, hat von sich aus Verhandlungen mit anderen Klubs einen Riegel vorgeschoben. „Ich fühle mich bei RB zurzeit pudelwohl“, sagte er dieser Zeitung.

Hitzfeld findet den Kader zu dünn besetzt

Aber reicht das, um noch einmal für Furore zu sorgen? Trotz Dreifachbelastung? „Warum nicht?“, sagt Hasenhüttl, „die Champions-League kann uns beflügeln. Wir werden mit großer Freude an diese Aufgabe herangehen. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke.“ Der Österreicher ist das Gegenstück zum durchgestylten und durchgeplanten Klub. Sein Motto: „Von nix kommt nix. Aber bei allem Ehrgeiz ist immer eine Spur Lockerheit dabei.“ Hasenhüttl ist beliebt, erfolgreich und gibt sich volksnah. Ein Jürgen Klopp ohne Bart. Kein Trainer, der sich abends mit der Taktiktafel ins Bett setzt. Das besorgen schon seine acht Assistenten.

Wenn Hasenhüttl nach einer neuen Idee sucht, setzt er sich auf sein Mountainbike. Oder er spielt Klavier. Der Hausmusiker liebt Klassik. Die Mischung stimmt bei Red Bull: top aufgestellt in allen Abteilungen, ein Trainer mit Intuition. Dahinter eine Stadt, die RB angenommen hat.

Aber ob es noch einmal für Platz zwei reicht, ist fraglich. Trainerlegende Ottmar Hitzfeld glaubt, dass RB durch die Champions-League-Teilnahme einer starken Belastung ausgesetzt sein wird: „Ich befürchte, dass der Kader dafür zu dünn aufgestellt sein könnte. Trotzdem werden sie auch in der kommenden Saison eine gute Rolle spielen, weil sie erstklassige Qualität besitzen.“ Dafür, dass Leipzig nicht die Kräfte ausgehen, spricht auch, dass der Kader mit einem Durchschnittsalter von 23,44 Jahren der jüngste aller Vereine ist.


Prognose:
Weil die Qualität des Kaders so groß ist, kämpft RB Leipzig auch in der kommenden Saison um einen Platz in der Champions-League.

Bis zum Bundesliga-Start analysiert die Morgenpost alle 18 Teams. Lesen Sie morgen: Bayern München und Leverkusen.

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