Basketball

Wie ein syrischer Flüchtling bei Alba zurück ins Leben fand

Mohammed Shkir war Basketball-Profi in Syrien, musste seine Heimat aber verlassen. Bei Alba Berlin hat er ein neues Zuhause gefunden

Mohammed Shkir spielte in Syrien, Dubai und Ägypten in der ersten Liga. Nach seiner Flucht bekam er in Albas dritter Mannschaft einen Platz und ist zudem Schiedsrichter

Mohammed Shkir spielte in Syrien, Dubai und Ägypten in der ersten Liga. Nach seiner Flucht bekam er in Albas dritter Mannschaft einen Platz und ist zudem Schiedsrichter

Foto: Yamen al Fahed / BM

Berlin.  Es ist Zeitverschwendung, meinten einige seiner Mitbewohner im Asylbewerberheim. Andere rieten: Mach lieber etwas, mit dem du Geld verdienen kannst! Doch Mohammed Shkir wollte Basketball spielen. "Der Sport ist nun einmal ein Teil von mir", sagt er. "Er erinnert mich an meine Heimat Syrien."

Mohammed Shkir ist 27 Jahre alt. Und wenn alles normal gelaufen wäre, würde er heute noch Profi sein. Aber was ist schon normal in Zeiten des Krieges in seiner Heimat? Normalität fand Shkir erst 3600 Kilometer entfernt von Syrien – in Berlin.

Bei Alba spielt er in der dritten Mannschaft. Außerdem tourt er mit einer syrischen Auswahl aus Spielern, die allesamt geflohen sind, durch Deutschland. Daneben ist er auch als Schiedsrichter tätig, pfeift bei Ligaspielen, Schulturnieren und an der Universität, zudem betreut er ein Schulprojekt von Alba an der Reinhardswald-Grundschule in Kreuzberg und die Oberliga-Frauenmannschaft von Einheit Pankow. "Insgesamt macht Basketball wieder einen großen Teil meines Lebens aus. Es ist fast wie früher in Syrien", sagt Shkir. "Mit dem entscheidenden Unterschied, dass ich in Deutschland eben bislang außer einer Aufwandsentschädigung fast nichts dafür bekomme."

Erst mit 17 begann er mit dem Basketball

In Syrien war er Profi. Shkir spielte in der ersten Liga des Landes, später in Dubai. Nebenbei hatte er Sport studiert und seine eigene private Basketballschule. "Mein ganzes Leben drehte sich nur um Basketball", erzählt er. Dabei war er bis vor zehn Jahren noch Schwimmer und sogar Mitglied der syrischen Nationalmannschaft. "Ich habe sehr spät mit Basketball angefangen, erst mit 17 Jahren, aber ich habe recht schnell das gleiche Niveau erreicht wie diejenigen, die es schon seit ihrer Kindheit gespielt haben", sagt er.

Als der Bürgerkrieg begann, sah Shkir in Syrien keine Zukunft. Die Familie ging nach Ägypten. Zwei Jahre lebte er dort, spielte für Al-Zamalek ebenfalls in der ersten Liga. Doch heimisch wurde er nie. Seine Schwester und er beschlossen, nach Europa zu gehen. Der Weg führte über das Mittelmeer. "Sieben Tage waren wir unterwegs: 75 Menschen in einem kleinen Boot, darunter viele Kinder. Wir haben unterwegs vier Mal das Boot wechseln müssen, ehe uns die italienische Küstenwache aufgelesen hat", sagt Shkir.

Der 27-Jährige traut sich das Profiteam zu

Fünf Monate verbrachte er in einem Berliner Asylbewerberheim, dann erst stand fest, dass er bleiben darf. "Ich habe zwar noch Kontakte nach Syrien, und sie haben mich sogar schon gefragt, wann ich wieder zurückkomme. Aber ich gehe nicht mehr zurück. Ich fühle mich in Deutschland besser aufgehoben", sagt Shkir.

An Basketball war lange nicht zu denken. "Erst ging es ums Überleben, danach darum, mein Leben in einem fremden Land neu zu ordnen", sagt Shkir. Im Asylbewerberheim lernte er einen anderen Syrer kennen, dessen Bekannter einst Trainer beim DBV Charlottenburg war: Haissam Cheroni. Er hat heute noch gute Verbindungen zu Alba.

Der Klub bemüht sich sehr, Geflüchtete in sein Programm zu integrieren. So kam es, dass Shkir einen Platz erhielt. Bislang spielt er nur in der Landesliga, doch er träumt von mehr. "Ich traue mir das zu", sagt er. "Wenn wir im Alba-Trainingszentrum mit den Stars zusammen spielen, dann bin ich vom Niveau gar nicht so weit weg."

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