Mütter in Wimbledon

Tennisprofi zwischen Kita und Matchball

Wie Tennisspielerin Tatjana Maria mit Tochter Charlotte das Leben auf der Profitour als Mutter meistert.

Glückliche Familie Tatjana Maria mit Ehemann Charles Edouard Maria und Tochter Charlotte

Glückliche Familie Tatjana Maria mit Ehemann Charles Edouard Maria und Tochter Charlotte

Foto: imago sport / imago/Zink

London.  Das Foto auf dem Cover der „Vanity Fair“, das Serena Williams kürzlich mit entblößtem Babybauch zeigte, ging um die Welt. Die mit 23 Grand-Slam-Titeln erfolgreichste Tennisspielerin der Open Era unterbricht im Alter von 35 Jahren ihre Karriere wegen einer Schwangerschaft – keine Überraschung also, dass das Thema „Mütter im Leistungssport“ auch in Wimbledon auf der Agenda vieler Journalisten steht. Und dass Tatjana Maria deshalb in diesen Tagen deutlich mehr Fragen beantworten muss als normal, ist ebenso wenig verwunderlich. Immerhin erfährt sie seit dreieinhalb Jahren das, was Serena Williams bald erleben wird.

Als die 29-Jährige aus Bad Saulgau, die am Donnerstag in Runde zwei gegen die US-Amerikanerin Coco Vandeweghe antritt, 2013 bei den All England Championships in Runde eins ausschied, war sie im vierten Monat schwanger. Nach der Geburt ihrer Tochter Charlotte nahm sie einige Monate Auszeit von der Tour. „Es war aber immer klar, dass ich zurückkehren wollte. Deshalb war meine größte Sorge nicht, wie Charlotte damit umgehen würde, sondern wie ich meine Wettkampfform zurückerlangen würde“, sagt sie.

Diese Lockerheit, die die Weltranglisten-74. und ihr früherer Manager und heutiger Ehemann Charles Edouard Maria im Umgang mit dem gemeinsamen Reisen als Familie entwickelt haben, ist ein wichtiger Faktor dafür, dass sich Beruf und Privates gut vereinbaren lassen. „Wir sind nicht gestresst, sondern genießen es, gemeinsam unterwegs sein zu können“, sagt Maria, die vor ihrer Eheschließung unter ihrem Geburtsnamen Malek antrat. Ihr Blick auf das Leben an sich ist seit 2008, als sie beim Turnier in Indian Wells eine lebensgefährliche Lungenembolie infolge einer Thrombose erlitt, sowieso ein anderer.

Natürlich sei die Terminplanung nicht immer ganz einfach. Vor allem auf kleineren Turnieren muss, wenn die Mama zum Trainieren oder zu Matches auf den Court geht, stets für Betreuung gesorgt sein. Mal half Marias Mutter aus, mal der Kindsvater. Auf sich gestellt zu sein, sei auch der größte Unterschied zu dem, was Weltstars wie Serena Williams oder die Weißrussin Viktoria Asarenka, die vor gut sechs Monaten ihren Sohn Leo zur Welt brachte und in London ihr erstes Majorturnier als Mutter spielt, erleben. „Ich musste bei Null anfangen“, sagt sie. Umso mehr genießt sie nun die Annehmlichkeiten in Wimbledon, wo es eine Krippe gibt, in der der Nachwuchs der Stars so lange wie nötig betreut wird. „Da essen die Kinder zusammen, machen gemeinsame Aktivitäten. Wenn wir Charlotte abholen, bekommen wir sogar die Bilder mit, die sie in der Zeit gemalt hat“, sagt Maria. Neben ihrer Tochter werden dort aktuell noch die etwas älteren Kinder der Russin Jewgenia Rodina und der Ukrainerin Kateryna Bondarenko betreut. Und weiterer Zuwachs ist in Sicht: Die Luxemburgerin Mandy Minella (31) ist im vierten Monat schwanger, trat an der Church Road aber noch im Einzel und im Doppel an.

Wimbledon sei in der Kinderbetreuung vorbildlich, „definitiv das beste Grand-Slam-Turnier. In Australien gibt es für Kinder nur einen kleinen, fensterlosen Raum, und bei den US Open ist überhaupt nicht vorgesorgt“, sagt Maria. Kurioserweise gebe es bei Männerturnieren häufiger Kinderbetreuung als bei Frauenevents. Mit der Mutterschaft von Serena Williams, hofft sie, wird sich das jedoch ändern: „Es ist gut, dass es jetzt ein größeres Thema wird.“

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