Volleyball

Köpenicker SC zieht sich aus der Bundesliga zurück

Weil es an Geld fehlt, melden sich die Volleyballerinnen des Köpenicker SC aus der Bundesliga ab - und üben Kritik an der Politik.

Pia Riedel, seit 1999 beim Köpenicker SC, muss sich einen neuen Klub suchen

Pia Riedel, seit 1999 beim Köpenicker SC, muss sich einen neuen Klub suchen

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Pia Riedel ist entsetzt. „Ich kann es gerade noch nicht realisieren“, sagt die Volleyballspielern vom Köpenicker SC. Die 26-Jährige hat soeben erfahren, dass es in der kommenden Saison keinen Spielbetrieb des KSC in der ersten Volleyball-Bundesliga geben wird. Seit 1999 spielt Riedel beim KSC, als Kapitän führte sie das Team in der Saison 2015/16 erstmals ins Play-off um die Meisterschaft. Jetzt ist alles vorbei.

„Wir haben uns entschieden, die Meldung für die erste Liga zurückzuziehen“, sagt Catrin Peters, Geschäftsführerin der Spielbetriebs GmbH. 270.000 Euro hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Jochen Peters gesammelt, 500 E-Mails geschrieben, diverse handschriftliche Briefe und so einige Termine mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft wahrgenommen, doch am Ende fehlten 80.000 Euro, um den Erstligabetrieb zumindest am Minimum aufrechtzuerhalten. „So können wir das Abenteuer nicht eingehen, das finanzielle Risiko ist einfach zu hoch“, erklärt Peters.

KSC-Schmiede brachte Olympiasiegerin Ludwig hervor

Sie ist wehmütig, auch ihre Tochter hat beim KSC gespielt. „Irgendwie hat man das Gefühl, Frauenvolleyball ist hier in Berlin nicht gewünscht“, sagt sie. Dabei war das mal anders: Mitte der 2000er Jahre war der KSC der erfolgreichste deutsche Verein ohne Olympiastützpunkt im Mädchenvolleyball. Talente wie Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig oder die Hallen-Nationalspielerin Saskia Hippe sind aus dieser Schmiede des damaligen Trainers Michael Lehmann hervorgegangen.

Auch Pia Riedel gehörte dazu. „Es ist super schade, dass es den Standort nicht mehr geben wird“, sagt sie. Die Zweitligamannschaft hat ihr Spielrecht an den Berlin Brandenburger SC übertragen, damit gibt es nun keine professionelle Mannschaft beim KSC mehr. Nach den Fußballerinnen des 1. FC Lübars und den Handballerinnen der Spreefüxxe sind die Köpenickerinnen der dritte Frauenklub, der trotz sportlicher Leistungsfähigkeit aus der höchsten Spielklasse ausscheiden muss.

Die wenigen Zuschauer locken kaum Sponsoren an

„Ich hätte mir mehr Unterstützung von der Politik gewünscht“, kritisiert Catrin Peters. 61.000 Euro Förderung erhielt der KSC in der vergangenen Saison von LSB und Senat. „Meinerseits sehe ich da kein Versäumnis“, entgegnet Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes Berlin. „Das Hauptproblem ist, dass diese Stadt ganz viele leistungsstarke Vereine hat, die in dem großen Angebot von 120 Bundesligisten untergehen.“

Gerade einmal 200 bis 300 Zuschauer kamen zuletzt zu den Spielen der Köpenickerinnen. Damit fehlt potenziellen Geldgebern die nötige Plattform für ein lukratives Engagement. Bernd Holm von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport glaubt allerdings nicht an ein geschlechterspezifisches Problem: „Die Männer haben in Sportarten wie Ringen oder Boxen ähnliche Probleme.“

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