eSports

Berliner will Weltmeister im Computerspiel Fifa 17 werden

Cihan Yasarlar daddelte einst daheim wie Millionen andere. Inzwischen ist er Profi und kann nun im Wedding 160.000 Euro gewinnen.

Der Berliner Cihan Yasarlar spielt für Schalke das Computerspiel Fifa 17 und wurde in diesem Jahr bereits Europameister

Der Berliner Cihan Yasarlar spielt für Schalke das Computerspiel Fifa 17 und wurde in diesem Jahr bereits Europameister

Foto: FC Schalke 04 Arena Management GmbH

Berlin.  Als die Schalker "Eurofighter" 1997 den Uefa-Cup gewannen, war Cihan Yasarlar gerade vier Jahre alt. Heute holt er selbst die Kohlen für die Königsblauen aus dem Feuer. Europameister darf er sich schon nennen, Deutscher Meister auch: Der 24-Jährige ist die dominierende Größe im Fußballsimulations-Computerspiel Fifa 17. Als Star der eSports-Abteilung der Knappen greift der Berliner am Sonnabend in der Hauptstadt nach der WM-Krone und 160.000 Dollar Preisgeld.

Die Finalrunde der Team-WM im "The Base" in Wedding (Uferstraße 8) wird in über 70 Länder live übertragen (in Deutschland bei Sport1 im Livestream), die Zahl der Fans für eSport-Wettkämpfe soll weltweit bei etwa 385 Millionen liegen.

"Wenn der Erfolg kommt, kommt der Rest von alleine"

"Das wird ein Riesenturnier. Meine Freunde haben jeden Tag nach Tickets gefragt, die Familie auch. Da werde ich schon groß supportet", sagte Yasarlar. Nach dem EM-Titel im Februar und der Deutschen Meisterschaft im März und wenig später dem Titel der ESL prägte der türkischstämmige Weltklasse-Zocker die Szene in diesem Jahr wie kein anderer. Dass er in die Weltmeisterschaft nun als Favorit geht, bereitet ihm keine Sorgen. "Man hat mehr Verantwortung, die Leute erwarten etwas von dir. Daher trainiere ich natürlich auch mehr. Wenn der Erfolg kommt, kommt der Rest von alleine", sagte Yasarlar.

Angefangen hat er im stillen Kämmerlein zuhause in Berlin. Schnell feierte er erste Erfolge, zahlte aber auch Lehrgeld: "Vor meiner Zeit als Profi habe ich mal hier in Berlin bei einem 2-gegen-2-Turnier mitgespielt und gewonnen, aber am Ende wurden uns weder unser Startgeld noch unsere Prämie von 600 Euro überwiesen. Seitdem spiele ich nur noch sichere Turniere", sagte er dem Magazin "Vice".

Der große Wurf gelang 2015. Nachdem er am Fifa-17-Stand auf der Internationalen Funkausstellung überzeugte, wurde der deutsche Traditionsclan SK Gaming auf Yasarlar aufmerksam. Im Juni 2016 verpflichtete ihn Schalke 04 für sein Team. "Das mit Schalke war für mich ein Traum. Als ich das gehört hatte, habe ich nur noch gezockt", sagte Yasarlar. Und der Aufwand lohnte sich.

Einmal in der Veltins Arena zu spielen, wäre ein Traum

Während junge Männer seines Alters BaföG-Anträge ausfüllen und sich in Hörsäle quetschen, klingelt bei Yasarlar die Kasse. Insgesamt 35.000 Euro verdiente er allein durch den Gewinn des EM-Titels und der deutschen Meisterschaft. In Berlin winkt dem Sieger nun das ganz große Geld. Übermütig wird Yasarlar jedoch nicht. "Den Großteil gebe ich meinen Eltern. Den Rest verwende ich, um mit Freunden und meiner Familie, die mich auf dem Weg immer unterstützt haben, essen und feiern zu gehen", sagte Yasarlar kürzlich dem "Kicker".

Von den Gehältern der Schalker Fußballer kann Yasarlar dennoch nur träumen. Aber er kennt sie mittlerweile gut. An der Konsole erteilte er bereits Eric-Maxim Choupo-Moting und Donis Avdijaj Lehrstunden und unterstützte sie beim Europa-League-Viertelfinale gegen Ajax Amsterdam auch mal als Fan auf der Tribüne. Selbst einmal vor 62.271 Zuschauern in der Veltins Arena zu spielen, ist Yasarlars großer Traum: "Es wäre der Hammer, vor den Zuschauern ein Spiel zu machen."

Utopisch scheint das nicht, in Asien sind die besten Computer-Spieler echte Superstars, verdienen mit den Fantasy-Strategiespielen League of Legends und Dota 2 mehrere Millionen Euro im Jahr. Beim höchstdotierten Turnier der Szene, dem "The International" von Dota, kassierte das Siegerteam rund 8,3 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Sieger des Finals der Fußball-Europa-League kassiert 6,5 Millionen Euro.

Bei den Asienspielen 2022 wird eSport erstmals als Sportart dabei sein. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sperrt sich noch gegen eine Aufnahme. Aber in 20 Jahren sieht die Sportwelt sicher ganz anders aus.

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