Füchse Berlin

Velimir Petkovic: "Ich will Champions League spielen"

Velimir Petkovic hat die Füchse zum Mitfavoriten auf den EHF-Cup geformt. Seine nächsten Ziele hat der Handball-Trainer schon im Blick

Velimir Petkovic hat zwar eine Wohnung in Schöneberg, lebt aber derzeit in Prenzlauer Berg

Velimir Petkovic hat zwar eine Wohnung in Schöneberg, lebt aber derzeit in Prenzlauer Berg

Foto: David Heerde

Berlin.  Seit Dezember trainiert Velimir Petkovic die Füchse Berlin. Bei seiner Ankunft traf der 60-Jährige auf eine Ansammlung verunsicherter Einzelspieler, aus der er eine selbstbewusste Mannschaft geformt hat, mit der er an diesem Wochenende in Göppingen den EHF-Cup gewinnen möchte. Im Interview spricht der gebürtige Bosnier über die Bedeutung von Titeln, sein Gespür für die Spieler und über Kritiker, die ihn bereits in der Rente sahen.

Herr Petkovic, wie oft ändern Sie Ihr Hintergrundbild bei Facebook?

Velimir Petkov: Eigentlich beschäftige ich mich damit selten, irgendjemand hat mich da mal angemeldet. Oh, doch, einmal hab ich das Bild geändert, jetzt verstehe ich, warum Sie fragen, haha, gut. Nach dem Sieg des zweiten EHF-Pokals mit Göppingen hat mir ein Bekannter aus Belgrad eine tolle Collage gemacht, die habe ich dann drauf gestellt.

Das war 2012, man sieht Sie mit dem Pokal, die Fahnen von Frisch Auf Göppingen schwingend….

Es wird wirklich Zeit, das mal zu ändern. Wenn wir an diesem Wochenende den Titel im EHF-Cup mit den Füchsen gewinnen, stelle ich gleich ein neues Foto mit dem Pokal drauf, diesmal aber mit anderem Trikot.

Sie sagen, Sie wollen am Ende der Saison etwas in den Händen halten, warum ist das wichtig für Sie?

Wir investieren so viel Energie, Zeit und Nerven. Zuletzt haben uns viele für die Entwicklung gelobt, aber wir haben noch nichts erreicht. Ich will etwas haben am Ende der Saison. Dann können wir sagen, wir haben gemeinsam etwas geschafft. Das ist eine Anerkennung für gute Arbeit.

Und auch ein Argument gegen Kritiker, die vor einem halben Jahr nicht geglaubt hätten, Sie noch einmal als Trainer auf der internationalen Bühne zu sehen?

Natürlich. Damals haben viele gesagt: Petko ist alt, er kommt nicht mehr in einen guten Verein. Es ist eine Herausforderung für mich, den Leuten zu zeigen, dass die Zeit für meine Rente noch nicht gekommen ist. Das wäre auch ein Zeichen für meine anderen Kollegen, die in die Jahre gekommen sind: Nicht aufgeben, kämpft, so lange ihr noch etwas zu geben habt.

Im Dezember 2016 übernahmen Sie das Amt mitten in der Saison von Erlingur Richardsson. Seitdem haben die Spieler sich enorm entwickelt, sagt Füchse-Kapitän Petr Stochl. An welchen Stellschrauben haben Sie gedreht?

Ich freue mich, wenn die Spieler das so sehen. Ich habe mich gut vorbereitet auf diese Arbeit hier, habe über jeden Spieler Informationen gesammelt, Spiele analysiert und überlegt, warum bringt einer keine Leistung. Irgendetwas stimmt nicht, Bob (Geschäftsführer Bob Hanning/d.Red.) würde ihn doch nicht holen, wenn er keine Qualität hätte.

Sprechen Sie von Steffen Fäth?

Zum Beispiel. Ich habe viele Gespräche mit ihm geführt. Ich will Spieler öffnen und ihnen zeigen, dass ich ihr Freund bin, damit sie sich entwickeln können. Ich stelle viele Fragen, dann bekomme ich Antworten, mit denen ich arbeiten kann. Steffen Fäth hat gezeigt, dass er kommt. Bis auf das Spiel beim THW Kiel lief es bislang immer besser. Vielleicht explodiert er jetzt am Wochenende.

Bob Hanning hat Sie auch geholt, um Ihren Landsmann Petar Nenadic einzufangen. Der Topscorer der Füchse spielt seit einiger Zeit wesentlich mannschaftsdienlicher als zuvor, was haben Sie gemacht?

Viele Trainer haben Probleme mit solchen Typen wie Petar. Er ist ein Ausnahmespieler, der seine Meinung sagt. Man braucht Erfahrung und Know-how, um ihm etwas entgegenzusetzen. Ich habe ihm gesagt: Ich werde dir nicht deine Genialität wegnehmen und ich gebe dir alles, was du brauchst, aber vergiss nicht, dass links und rechts neben dir auch gute Spieler stehen, die dir helfen können, deine Genialität auszuleben.

Nach dem doppelten Bänderriss in Kiel wird Nenadic nicht bei vollen Kräften sein an diesem Wochenende. Was bedeutet das für die Füchse?

Mein erstes Spiel mit den Füchsen war in Flensburg. Ohne Fabian Wiede, ohne Kent Tönnesen und ohne Nenadic. Wir haben dort eines der besten Spiele der gesamten Saison gespielt und nur knapp verloren (26:27). Egal, wer am Wochenende spielt, er bekommt eine Aufgabe von mir, die er erfüllen muss. Das wissen die Spieler und genau mit dieser Konzentration gehen sie ins Spiel.

Das Halbfinale bestreiten Sie gegen St. Raphael (Sonnabend, 17.45 Uhr, RBB Live-
stream). Sie kennen den französischen Klub bereits aus der Gruppenphase. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Momentan lese ich alle französischen Gazetten. Ich bin gern gut informiert. Es ist wichtig zu wissen, wie der Gegner sich vorbereitet, wer verletzt ist und so weiter. So spare ich mir wieder Zeit bei der Videoanalyse. Ich denke, die vergangenen Spiele haben jetzt keine Bedeutung mehr. St. Raphael ist aktuell in Topform, meine Jungs aber auch.

In einem möglichen Finale würden Sie auf ihren alten Klub Göppingen oder den SC Magdeburg treffen. Hoffen Sie im Halbfinale auf die Unterstützung der Göppingen-Fans?

Bei meinem letzten Besuch in Göppingen wurde ich sehr freundlich empfangen, ich denke, das wird wieder so sein. Ich erwarte aber keine Unterstützung vom heimischen Publikum. Die haben mehr Respekt vor uns als vor St. Raphael und werden froh sein, wenn wir ausscheiden. Das geht nicht gegen mich, aber ich bin jetzt ein Berliner, ich komme im Berliner Trikot und werde alles dafür tun, dass wir ins Finale kommen.

Sie haben eine Eigentumswohnung in Berlin, Ihre Söhne leben hier, ist die Stadt schon eine Heimat geworden?

Ehrlich gesagt, nein. Ich bin noch nicht richtig angekommen. Unsere Wohnung in Schöneberg hatten wir vermietet, als das Angebot der Füchse kam. Ich wohne jetzt in Prenzlauer Berg, das ist eine schöne Umgebung, aber nicht meine. Und ich habe hier keine Freunde, ich hatte einfach noch keine Zeit, welche zu finden. In Göppingen war ich fast zehn Jahre, da habe ich 20, 30 richtig gute Freunde und 200 gute Bekannte.

Haben Sie schon viele Anfragen für Verabredungen am Wochenende?

Oh ja, jeder will mit mir Kaffee trinken gehen. Aber wenn ich mit jedem nur zehn Minuten Kaffee trinken gehe, sind 24 Stunden weg.

Der EHF-Pokal geht seit Jahren fast ausschließlich in die Hände deutscher Klubs, jetzt sind wieder drei deutsche Teams im Final Four, welche Wertigkeit hat dieser Wettbewerb auch im Vergleich zur Champions League?

Champions League ist für mich etwas, dass der Deutsche Meister spielt. Eigentlich ist es nicht ok, dass zwei oder drei Teams eines Landes da mitspielen. Nach dem alten Modus würden der zweite und dritte der Liga bereits im EHF-Cup spielen. Allerdings sieht man ja auch, dass der vierte, fünfte und sechste der Bundesliga besser sind als jeder Meister aus einer anderen Liga Europas – Frankreich mal ausgenommen. Das zeigt schon eine gewisse Zweitklassigkeit.

Wie wichtig wäre es für die Füchse, mal wieder in der Königsklasse zu spielen, auch um Spieler wie Hans Lindberg oder Nenadic zu halten?

Das wäre sehr wichtig. Ich will auch Champions League spielen, deshalb war ich sehr enttäuscht, dass wir gegen Kiel verloren haben. Ich habe das aber noch nicht abgeschrieben, gerade wo Kiel jetzt in Leipzig verloren hat. Ab Montag werde ich mich wieder damit beschäftigen. Jetzt wollen wir erst einmal einen Titel gewinnen.

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