Halbfinale

Alba Berlin: Ein verschenktes Jahr

Alba scheitert erneut im Viertelfinale gegen die potenteren Bayern. Auch sonst lassen sie zu viele Chancen ungenutzt.

Ungleiches Duell: Gerald Robinson hat es sichtbar schwer gegen Bayern-Star Nihad Djedovic(r.)

Ungleiches Duell: Gerald Robinson hat es sichtbar schwer gegen Bayern-Star Nihad Djedovic(r.)

Foto: Bernd König / imago/Bernd König

Berlin.  "Raus mit Applaus" ist sicherlich ein wenig abgegriffen, aber was tun, wenn die drei Worte den Nagel auf den Kopf treffen, um gleich die nächste Plattitüde zu bemühen. Ehrenrunden nach Spielende gehören beim Basketballteam von Alba Berlin seit Jahren zum Standardprogramm.

Aber nach der 82:87-Niederlage gegen den FC Bayern, die das Saisonende der Berliner besiegelte und die Münchner ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen Titelverteidiger Bamberg hievte, endete die Runde des Abklatschens in einem Moment großer Emotionen.

Albas Team stieg geschlossen über die Bande – fast alle Profis mit Tränen in den Augen – umarmte die Fans, die sie im großen Kampf ums Überleben wie eine gelbe Wand unterstützt hatten. Die Geste kam ganz offensichtlich von Herzen, fernab jeglicher Pflichterfüllung.

Nach einer mäßigen Saison hatten sich die Spieler in der Serie gegen Bayern auf dem Höhepunkt ihrer Möglichkeiten verabschiedet. Die Anerkennung und die Erleichterung zum einen, aber auch die Enttäuschung, dass es nicht gereicht hatte, wollten alle miteinander teilen.

Noch ist nicht entschieden, ob Päch Cheftrainer bleibt

"Ich bin wirklich froh, dass wir unsere Fans zurückgewonnen haben", sagte Marco Baldi, "weil diese gesehen haben, dass dieses Team wirklich mit Leib und Seele spielen kann und sich komplett verausgabt hat." Was offensichtlich der Arbeit von Thomas Päch zu verdanken war, der nach der Demission von Ahmet Caki in nur drei Wochen den Trend komplett drehte. Eine Wende, die die Enttäuschung nach dem Aus paradoxerweise noch größer werden ließ. Es gab Spieler, die sich mit feuchten Augen fragten: "Was wären wir für ein gefährliches Team gewesen, wenn Thomas die Mannschaft früher übernommen hätte?"

"Es wäre jetzt auch zu einfach und sicherlich bequem, dass alles in Richtung Trainer zu schieben, auf einen, der nicht mehr da ist" sagt Baldi, der zusammen mit Sportdirektor Himar Ojeda erst zwei Spieltage vor der Serie gegen die Bayern Caki freistellte. Baldi gab aber auch zu: "Wir haben über die Saison nicht das etabliert, was nötig gewesen wäre, ein Stückchen weiter vorn zu sein."

Was dazu führte, dass man als Tabellensechster im Viertelfinale auf die Bayern traf, "eine Mannschaft mit zwölf gleichwertigen Spielern, bei der es nie einen Qualitätsverlust gibt. Wir hatten zig Chancen, uns den fünften Platz zu sichern und haben sie nicht genutzt", sagt Albas Geschäftsführer weiter und blickt mit etwas Wehmut auf die Oldenburger Baskets, die als Fünfter den Vierten Bayreuth im Viertelfinale mit einer 3:1-Serie ausschalteten "und jetzt meines Erachtens eine Riesenchance aufs Finale haben".

"Mehr war nicht drin"

Hätte, wäre, wenn – egal, die Saison ist vorbei "und mehr war nicht drin", wie Baldi sagt. Man habe "auch aufgrund von Verletzungen die ganze Saison improvisiert".

Beim Blick in die Zukunft stellt sich natürlich zu allererst die Frage, wie es mit Thomas Päch weitergeht, der "drei unglaubliche Wochen erlebte", wie er bewegt zugab. "Mit ihrem Einsatz, Willen und Zusammenhalt haben die Jungs mir meinen Job unheimlich einfach gemacht. Ich bin stolz auf diese Truppe." Der offizielle Terminus ist, das Päch für die kommende Saison bei Alba als Trainer unter Vertrag ist, in welcher Funktion genau, werde man sehen. Es ist aber herauszuhören, dass der 34-Jährige wieder ins zweite Glied rücken wird. Sollte es so kommen, wird es spannend, denn Päch hat sich als Headcoach bewiesen. Da müsste schon ein Neuer kommen, der auf die Frage, wer Chef ist und wer Assistent, eine überzeugende Antwort hat.

Natürlich sei der Trainer eine sehr wichtige Personalie, sagt Baldi, "und angesichts dessen, was wir vorhaben, wird das Feld der Kandidaten, die das mittragen können, schon kleiner". Albas Positionierung sei klar.

"Wir wollen einen Kern von sehr talentierten Spielern haben, die gewillt sind, mit uns den großen Schritt zu machen und zwar mittelfristig. Wir müssen uns unsere Spieler bauen. Das ist für uns die einzige Möglichkeit, an Teams wie Bamberg oder die Bayern, die aktuell weit über dem Markt agieren, näher heranzukommen". Und auf diesem Weg habe der Klub das vergangene Jahr nicht nutzen können.

Nur Center Bogdan Radosavljevic hat für die kommende Saison einen Vertrag

Soll der nächste große Schritt in der kommenden Saison endlich gelingen, müssen neben der Rolle Pächs noch unzählige andere Personalien geklärt werden. Nur der 23-jährige Center Bogdan Radosavljevic hat für die kommende Saison einen Vertrag. Für die Rückkehr von Peyton Siva, Malcolm Miller und Tony Gaffney gibt es eine Option. Alle drei würden gern zurückkommen.

Sie erweckten am späten Dienstagabend den Eindruck, als hätten sie hier noch offene Rechnungen, rein sportlich, versteht sich, als wollten sie zeigen, dass sie eine ganze Saison spielen können wie zuletzt in der Serie gegen die Bayern. Gaffney, in den letzten drei Spielen überragend, würde sogar gern der "Leader", der Anführer dieser Mannschaft sein.

Besonders bei den deutschen Spielern bleiben Fragezeichen

Bezüglich der deutschen Leistungsträger hingegen gibt es schon seit einiger Zeit Gerüchte, in denen Ulm als möglicher neuer Wohnort auftaucht. Mal war es Ismet Akpinar (21), der noch am Dienstag als bester deutscher Nachwuchsspieler der Bundesliga geehrt wurde, der bereits im Schwäbischen unterschrieben haben soll, mal Niels Giffey (25), mal Akeem Vargas (27). Drei Spieler, die sicherlich in Baldis Anforderungsprofil passen. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass sich die Gerüchte in allen drei Fällen bewahrheiten, vor Baldi und Ojeda liegt ein arbeitsreicher Sommer, wenn nicht noch ein Jahr verloren werden soll.

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