Pferderennen

Andreas Suborics, Titan der Rennbahn

Andreas Suborics arbeitet nach 1659 Siegen als Jockey nun als Galopp-Trainer – und hat dabei auf Anhieb Erfolg.

Andreas Suborics (M.) war bis zur vorigen Saison als Joackey erfolgreich....

Andreas Suborics (M.) war bis zur vorigen Saison als Joackey erfolgreich....

Foto: Lajos-Eric Balogh / picture alliance / Lajos-Eric Ba

Berlin/Köln.  Ein bisschen liegt es ja auch an ihm. Es gebe nicht mehr viele Spitzenjockeys in Deutschland, sagt Andreas Suborics, vielleicht zehn oder 15. Es könnte allerdings noch einer mehr sein, wenn der 45-Jährige nicht Ende des vergangenen Jahres seine Karriere im Sattel beendet hätte und ins Lager der Galoppertrainer gewechselt wäre. Seitdem reitet er nicht mehr selbst, sondern lässt reiten. Die Jockeys wählt er in Absprache mit den Besitzern der Pferde aus. "Ich nehme mir aber durchaus heraus, dass ich das besser einschätzen kann als ein Außenstehender", sagt er.

Gegen einige Jockeys ist er zu seiner aktiven Zeit noch selbst angetreten, er kennt die Stärken und Schwächen der Reiter sehr genau. Bis jetzt haben ihn seine Nachfolger nicht enttäuscht: "Bislang bin ich mit allen Ritten sehr zufrieden gewesen. Wir haben kein Jockey-Problem", sagt Suborics. Die nationale Spitze mag kleiner geworden sein, aber die Qualität stimmt nach wie vor.

Am Sonntag (14 Uhr) ist Suborics beim Oleander-Rennen in Hoppegarten gleich mit zwei Pferden vertreten: San Salvador und Son Macia. Das Rennen ist mit einer Distanz von 3200 Metern das längste Grupperennen Deutschlands und in diesem Jahr besonders attraktiv: Durch die Kopperation von Hoppegarten mit der New York Racing Association erhält der Sieger eine Einladung zum mit 400.000 US-Dollar dotierten Belmont Gold Cup. "Eine tolle Sache", findet Andreas Suborics. Ein von ihm trainiertes Pferd hat in dieser Saison schon einmal in Hoppegarten gewonnen: Flemish Duchesse gewann Anfang April den Preis des Gestüts Röttgen.

Plötzlich bekamen Jüngere die besten Pferde zugeteilt

1659 Siege stehen für den gebürtigen Österreicher zu Buche, davon 86 in Grupperennen. Dreimal – 2002, 2004 und 2006 – war er Champion-Jockey, weil er in einem Jahr in Deutschland die meisten Rennen gewonnen hatte; 2014 gewann er auf Shirocco das Deutsche Derby – das wichtigste Rennen des Jahres hierzulande. Er startete auch im Ausland, selbst in Asien waren seine Reitkünste gefragt.

Doch seine Karriere hatte auch ihre Schattenseiten: Suborics hatte mehrere schwere Reitunfälle; nach dem ersten wurde ihm eine Titanplatte zwischen den Brustwirbeln eingesetzt; beim zweiten bildete sich ein Hämatom am Kopf, er musste zweimal operiert werden. Doch jedes Mal kam er zurück und war anschließend genauso erfolgreich wie vor dem Unfall.

Sein Rücktritt vom aktiven Reitsport hatte auch nichts mit den Verletzungen zu tun. Es war vielmehr so, dass Andreas Suborics, nachdem er nach vier Jahren in Asien nach Deutschland zurückgekehrt war, nicht mehr die besten Pferde abbekam. Weil er zu alt geworden war. Und weil ihm in dieser Zeit auch einige Kunden abgesprungen waren. Ein Problem für den Jockey, denn mit den Rennpferden ist es wie mit einem Rennwagen: Wenn das Material nicht stimmt, dann kann der Pilot noch so gut sein – er wird es dann schwer haben, ganz vorn zu landen. "Die Situation war für mich unbefriedigend", sagt Suborics.

Zum Glück suchte Andreas Löwe in Köln gerade einen Nachfolger für das Amt des Trainers. Suborics übernahm den Posten. Für ihn war es der nächste logische Schritt. "So kann ich mich noch intensiver mit den Pferden befassen", sagt er. "Nicht jeder guter Jockey ist ein guter Trainer, aber es ist definitiv ein Vorteil, wenn man den Sport vorher selbst gemacht hat", sagt Andreas Suborics.

Dabei waren die Fußstapfen von Andreas Löwe groß: Dieser kam auf 1181 Siege als Trainer. "Natürlich ist der Druck größer, wenn man einen so erfolgreichen Rennstall übernimmt", sagt Suborics. "Aber es erleichtert auch den Einstieg enorm. Sich alles ganz allein aufzubauen, ist schwierig, das hätte ich nicht gemacht", so der Österreicher. Bis 2018 wird ihm Löwe auch noch als Berater zur Seite stehen.

Mit dem Start in das neue Leben als Trainer ist Andreas Suborics bislang sehr zufrieden. Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend, doch das allein ist nicht der Grund, weshalb der 45-Jährige sagt, er sei "zu 100 Prozent glücklich mit der Situation". Zwar seien die Arbeitstage länger und die Verantwortung größer geworden, bei elf Angestellten und 48 Pferden, die er betreut. "Aber physisch ist es weitaus weniger anstrengend als früher", so Suborics. Vor allem muss er nicht mehr so penibel auf sein Gewicht achten, er kann sich jetzt auch mal etwas gönnen. "So etwas nenne ich Lebensqualität", sagt er.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.