Beachvolleyball

Golden Girls auf neuer Titel-Mission

Die Olympiasiegerinnen Ludwig/Walkenhorst starten beim Turnier in Münster erstmals gemeinsam in dieser Saison. Sie haben hohe Ziele.

Laura Ludwig (l.) und Kira Walkenhorst am schönsten Tag ihrer Karriere: beim Olympiasieg in Rio de Janeiro

Laura Ludwig (l.) und Kira Walkenhorst am schönsten Tag ihrer Karriere: beim Olympiasieg in Rio de Janeiro

Foto: imago sport / imago/UPI Photo

Berlin.  Vor einem Jahr lief ein Interview mit Laura Ludwig und Kira Walkenhorst noch so ab: Terminvereinbarung via WhatsApp, Treffen in Hamburg, eine Stunde Gespräch, danach noch eine halbe Stunde beim Kaffee sitzen und über das Leben philosophieren. Inzwischen sind die gebürtige Berlinerin Ludwig (31) und die aus Essen stammende Walkenhorst (26) Olympiasiegerinnen im Beachvolleyball. Interviewanfragen sammelt Manager Andreas Scheuerpflug, und der erteilt auch mal eine Absage.

Im deutschen Fernsehen sahen 8,55 Millionen zu

Die veränderte Kommunikation hat nichts mit der Mentalität des Teams zu tun. Ludwig/Walkenhorst sind weder abgehoben noch unwillig, Termine wahrzunehmen. Sie sind einfach so gefragt wie nur wenige Sportler außerhalb des Fußballs. Fototermine, Galas, Talkshows oder auch private Glückwunschbotschaften werden bei den Olympiasiegerinnen angefragt. "Wir können leider nicht alle Anfragen bedienen, deshalb muss man im Sinne der Athleten auch mal etwas absagen", erklärt Manager Scheuerpflug.

8,55 Millionen Zuschauer sahen im August das olympische Halbfinale mit Ludwig/Walkenhorst im deutschen Fernsehen – der Topwert der Spiele. Seitdem haben sich die beiden Athletinnen zu Werbefiguren entwickelt, sind Teil der neuen Kampagne des IOC-Partners Bridgestone und haben außerdem mit Ladival einen neuen Partner gewonnen. "Die beiden haben einen Bekanntheitsgrad erreicht, der sie auch außerhalb des Sports für Werbepartner interessant macht", erklärt Scheuerpflug.

Veranstalter in Münster sehen ihr Turnier enorm aufgewertet

Welche Auswirkungen die Präsenz der Olympiasiegerinnen haben kann, merkt auch Frank Mackerodt, Veranstalter der deutschen Turnierserie. Zum Auftakt der deutschen Tour starten Ludwig/Walkenhorst beim Smart Supercup in Münster (5.-7. Mai). "Es bedeutet eine unheimliche Aufwertung für das Turnier, dass die beiden da sind", sagt er. "Wir haben viel mehr Medienanfragen, und auch an den Zuschauerzahlen wird man das sehen." Das mit 40.000 Euro Preisgeld dotierte Turnier ist der erste gemeinsame Auftritt in dieser Saison. Nach der Schulteroperation Ludwigs startete Walkenhorst im Februar noch mit der Berlinerin Julia Großner beim Major Turnier in Fort Lauderdale, nun sind die Weltranglistenersten wieder vereint.

Zuletzt verbrachten sie 16 Tage in Los Angeles, wo sie mit der dreifachen Olympiasiegerin Kerri Walsh Jennings trainierten. "Wir sind voll im Plan. Jede Trainingseinheit bringt uns ein Stück voran", sagt Ludwig. Am Freitag startet das Turnier mit der Qualifikation, am Sonnabend beginnt das Hauptfeld, wo je 16 Frauen- und Männerteams um den Turniersieg spielen. Die Finals sind für Sonntag 14 Uhr (Frauen) und 15.15 Uhr (Männer) angesetzt, der Bezahlsender Sky überträgt live. Das Frauenfinale läuft außerdem frei empfangbar auf Sky Sport News HD. Auf dem Münsteraner Schlossplatz wollen Ludwig/Walkenhorst dann ihre erste Goldmedaille der Saison in die Kameras halten.

Ebbt der sportliche Erfolg ab, lässt auch das Interesse nach

Der sportliche Erfolg bildet die Grundlage für die Bekanntheit der beiden Sportlerinnen. Anders als Jonas Reckermann und Julius Brink, die ihre gemeinsame Karriere nach dem Olympiagold 2012 beendeten, können Ludwig/Walkenhorst weiter als Team auf sich aufmerksam machen. "Für Laura und Kira ist es sicherlich von Vorteil, dass sie weiterspielen", sagt Scheuerpflug. Er weiß aber auch: "Ebbt der sportliche Erfolg ab, geht auch das allgemeine Interesse schnell zurück." Aus diesem Grund ist seine Hauptaufgabe, die Athletinnen zu schützen, so dass sie sich auf das konzentrieren können, was sie am besten können, nämlich Beachvolleyball spielen.

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