Eiskunstlaufen

Dank weiblicher Intuition ist Paul Fentz erfolgreich

Der 24 Jahre alte Berliner fährt als einziger, männlicher deutscher Starter zu den am Mittwoch startenden Weltmeisterschaften in Helsinki

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Berlin.  Vor allem drei Frauen hat es Paul Fentz zu verdanken, dass er sich aktuell als den besten deutschen Eiskunstläufer bezeichnen darf. Eine gute Portion weibliche Intuition ist nämlich dafür verantwortlich, dass der Berliner momentan so erfolgreich ist. Da wäre zum einen Melanie, seine Kita-Freundin, wegen der er als Dreijähriger überhaupt erst zum Eiskunstlauf gegangen war, obwohl ihn sein Vater lieber beim Boxen oder beim Eishockey gesehen hätte.

Dann seine Trainerin Romy Österreich, 1976 Olympia-Zweite im Paarlauf, die ihn zu einem Spitzenläufer formte. Und schließlich Caroline, seine Verlobte: Sie half ihm, seine Nervosität in den Griff zu bekommen, die ihm früher bei großen Wettkämpfen häufig einen Streich gespielt hatte – große Wettkämpfe wie die am Mittwoch in Helsinki startenden Weltmeisterschaften.

"Dann wollte ich mich nur noch verstecken, dabei geht es bei unserer Sportart doch genau darum, sich zu zeigen. Alle Augen schauen auf dich. Angst ist da ein schlechter Begleiter. Da brauchst du einfach ein starkes Selbstbewusstsein", sagt Paul Fentz. Das hat er mittlerweile, zudem ist er dank mehr Sport in der Freizeit auch körperlich in der Form seines Lebens. Bis zu dieser Saison hatte er nur zweimal mehr als 190 Punkte erzielt – in den vergangenen Monaten landete er nun nie unter 195.

Neue persönliche Bestleistung ist angepeilt

Bei den Europameisterschaften im Januar in Ostrava erreichte Fentz mit Rang zehn seine beste internationale Platzierung. Damit sicherte er der Deutschen Eislauf-Union zwei Startplätze für die nächste EM 2018 in Moskau und sich selbst das WM-Ticket. Andernfalls hätte sich Fentz einem Ausscheidungslaufen mit Peter Liebers und Franz Streubel stellen müssen.

Bei der EM in Tschechien erzielte der 24-Jährige vom SC Berlin mit 225,85 Punkten auch eine neue persönliche Bestleistung. Für die WM in Helsinki hat er sich sogar 230 Punkte vorgenommen. "Der Lauf bei der EM war noch nicht perfekt", meint Fentz. "Ich habe einige sehr schwierige Elemente im Programm – wenn ich die stehe, ist eine gute Platzierung möglich", sagt er. Den zweiten Vierfachsprung, den er seit Kurzem im Training probiert, wird er in der finnischen Hauptstadt noch nicht zeigen, das käme zu kurzfristig. "Den hebe ich mir für Olympia auf."

In Helsinki geht es auch um einen Olympia-Startplatz

Nur ein deutscher Eiskunstläufer wird im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang starten können. Neben Paul Fentz dürfen sich auch Vereinskollege Peter Liebers und der gebürtige Berliner Franz Streubel berechtigte Hoffnungen auf das Ticket für Südkorea machen. Bei der WM drücken beide Konkurrenten Fentz die Daumen: Nur wenn er sich unter den ersten 19 bis 21 Läufern platziert, ist der Startplatz bei Olympia bereits sicher – ansonsten müssten die Deutschen im September noch einmal bei der Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf antreten, um den Quotenplatz zu sichern, was eine gezielte Olympiavorbereitung stören würde. "Das will keiner von uns", so Fentz.

Wenn er gerade nicht trainiert, dann spielt der Berliner übrigens gern Videospiele. Ein gutes Eiskunstlauf-Spiel fällt ihm allerdings beim besten Willen nicht ein. "Vielleicht sollte ich so etwas mal entwickeln, wenn meine aktive Karriere vorbei ist. Ich habe ja viele Freunde, die im IT-Bereich arbeiten." Aber zunächst will Fentz dank weiblicher Hilfe weiter auf dem Eis glänzen.

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