Berlin

Union ist Spitze

Joker Philipp Hosiner trifft beim 1:0 gegen Nürnberg. Der Berliner Zweitligist ist neuer Tabellenführer

Berlin.  Mehr geht nicht für den 1. FC Union. Nicht zu diesem Zeitpunkt. Durch ein 1:0 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg am Montag haben die Berliner den VfB Stuttgart vom Thron gestoßen. Torschütze des Tages war Joker Philipp Hosiner (83. Minute). Union ist nun mit 50 Punkten Spitze der Zweiten Liga – der nächste Schritt in Richtung Bundesliga ist damit geschafft.

Zuletzt hatten die Köpenicker die Tabellenführung am 15. September 2013 erobert, durch ein 1:0 in Ingolstadt. Torschütze seinerzeit: Sören Brandy. Eben jener Brandy (in der Winterpause zu Arminia Bielefeld gewechselt) wurde zusammen mit Collin Quaner (Huddersfield Town) vor dem Anpfiff verabschiedet. Es gab Blumen und die obligatorischen gerahmten Bilder von Klubchef Dirk Zingler sowie tosenden Applaus von den Rängen. Auch für Elvira Henschke, seit 1988 als Team-Betreuerin die gute Seele der Mannschaft und ab sofort im Zeughaus, dem Union-Fanshop, tätig.

Dort dürfte jede Hand gebraucht werden, wenn die Köpenicker tatsächlich den Sprung in die Erstklassigkeit schaffen. Die Chancen haben sich durch den Sieg gegen Nürnberg jedenfalls enorm verbessert.

"Man hat gesehen, was für einen tollen Charakter diese Mannschaft hat. Sie glaubt bis zum Ende an sich und will unbedingt das Tor", lobte Union-Trainer Jens Keller. Dass es Ersatzmann Hosiner war, der das entscheidende Tor machte, freute Keller besonders: "Er hat wochenlang warten müssen, weil Sebastian Polter es gut macht. Schön, dass er das Ding entscheidet", so der 46-Jährige. "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl", erzählte Hosiner. "Als Tabellenführer in die Länderspielpause zu gehen, schöner geht es nicht", fand der österreichische Angreifer. Es war eine hart umkämpfte Partie vor 21.210 Zuschauern in der Alten Försterei. Union versuchte, wie gewohnt vor heimischem Publikum, mit viel Elan zu starten, verfing sich aber immer wieder in den defensiv sehr aggressiven Nürnberger Reihen. Die Lockerheit, mit der die Köpenicker den Großteil der Rückrundenspiele absolvierte, fehlte. "Die Mannschaft hatte zum Anfang ein bisschen Respekt vor der Situation. Sie war etwas verkrampft", gab Keller später zu. Die erste Chance des Spiels hatten denn auch die Franken. Tobias Kempe spielte sich vor das Union-Tor, seinem Schuss fehlte es jedoch an Präzision. Nach knapp einer halben Stunde prüfte Edgar Salli Daniel Mesenhöler mit einem feinen Schlenzer – der Union-Schlussmann ließ sich aber nicht überrumpeln. Chancen für die Hausherren bis dahin? Keine. Das sollte sich in der letzten Viertelstunde ändern. Polter versuchte es zweimal aus der Distanz, zweimal flog der Ball rechts vorbei (30., 33.). Und nachdem Steven Skrzybski an FCN-Torwart Raphael Schäfer gescheitert war, setzte Polter den Nachschuss über den Kasten (39.). Torlos ging es in die Kabinen, das hatte man sich bei Union scher anders vorgestellt.

Nach der Pause musste Trainer Keller früh wechseln. Für den angeschlagenen Michael Parensen übernahm Fabian Schönheim den Part links in der Vierer-Abwehrkette (51.). Der etatmäßige Linksverteidiger Kristian Pedersen ist nach seiner Muskelverletzung im rechten Oberschenkel noch nicht wieder fit. Es blieb beim Kampfspiel. Und dabei, dass die Hausherren ihre spielerischen Qualitäten nicht auf den Platz bringen konnten. Synonym für die vielen Pässe, die nicht ihr Ziel fanden, war Felix Kroos. Dem Kapitän fehlte die Präzision bei seinen Zuspielen. Auch Freistöße segelten meist gefahrlos ins Toraus oder wurden geklärt. Die Folge: Kroos wurde in der 74. Minute für Philipp Hosiner ausgewechselt.

Sechster Zweitliga-Sieg in Folge ist neuer Vereinsrekord

Kurz darauf durften beide Teams noch einmal verschnaufen, weil Schiedsrichter Dr. Jochen Drees die Partie unterbrochen hatte. Der Unparteiische musste sich wegen einer Blessur behandeln lassen. Knapp fünf Minuten später wurde die Begegnung mit Drees fortgesetzt. Danach wurde es turbulent: Erst setzte Polter den Ball völlig frei vor Schäfer nur an den Pfosten (81.). Dann kam Hosiners Befreiungsschlag nach Vorlage von Skrzybski (83.).

Somit nutzte Union die Chance, mit dem sechsten Zweitliga-Sieg in Folge einen Vereinsrekord aufzustellen und im achten Zweitliga-Duell mit Nürnberg endlich den ersten Sieg gegen die Franken einzufahren. Vom Sprung an die Tabellenspitze ganz zu schweigen.

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