Mönchengladbach

Bayern marschiert, Robben sauer

Stürmer verärgert über Kollege Lewandowski. DFL-Chef Seifert fordert mehr Mut in der Liga

Mönchengladbach. Die Siegesserie, die Tabellenführung, die Titelperspektive – Arjen Robben war das alles egal. Er schüttelte den Kopf auf dem Weg zur Auswechslung. Als Bayern-Trainer Carlo Ancelotti ihn abklatschen wollte, schlug Robben dessen Hand beiseite und stapfte missmutig Richtung Bank. "Dass Arjen nicht glücklich ist, wenn er ausgewechselt wird, macht nichts. Ich war auch mal Spieler", ­beschwichtigte Ancelotti.

Dabei ging es Robben nicht um den Wechsel. Sondern um eine Szene wenige Minuten zuvor im Borussia-Park. Die Bayern führten 1:0, und Robben legte einen perfekten Laufweg hin, ein Pass vom ballführenden Robert Lewandowski und Robben hätte die Partie endgültig entschieden. Doch der Pole wollte unbedingt sein Tor und schoss selbst – der Ball wurde zur Ecke abgewehrt.

Lewandowski verstehtden Frust des Niederländers

"Ich hatte zwei Optionen und habe mich für den Abschluss entschieden. Ich hätte auch zu ihm spielen können", sagte Lewandowski. "Arjen war einen Moment ein bisschen enttäuscht, aber wir haben kein Problem miteinander."

Thomas Müller, der nach 63 Minuten das einzige Tor des Abends erzielt hatte, das den Bayern bei Borussia Mönchengladbach ein 1:0 (0:0) bescherte, sagte: "Da sieht man halt, dass in ihm das Feuer noch brennt. Fußballer sind auch nur Menschen. Es ist schön, dass es bei uns trotz 13 Punkten Vorsprung noch so kribbelt." Das war die eigentliche Nachricht des 25. Spieltages: Da Verfolger Leipzig patzte (0:3 in Bremen), steuern die Bayern unaufhaltsam auf den fünften Meistertitel in Folge zu. Nach dem 19. Saisonsieg liegen die Münchener mit 62 Punkten bereits 13 Zähler vor dem Zweiten Leipzig (49). Ziehen die Bayern weiter einsam ihre Kreise, geht es nur noch um die Frage, ob der Branchenprimus den Titel vor oder erst nach Ostern perfekt macht. Dass sich in der Liga mittlerweile Langeweile einstellt, ist Müller völlig egal: "Darum geht es nicht. Wir sind süchtig nach dem Gefühl zu siegen. Wir sind gierig und wollen unseren Weg weitergehen."

Während dies bei den Münchnern glänzende Laune hervorruft und Jerome Boateng, Rafinha und Xabi Alonso in der spannenden Schlussphase im Borussia-Park auf der Bank entspannt lachten und Witze machten, wächst die Sorge bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) um das Premiumprodukt Bundesliga. "Wenn der FC Bayern noch ein paar Mal hintereinander Meister werden sollte, wäre das nicht gerade förderlich für die Wahrnehmung des Wettbewerbs", sagte DFL-Boss Christian Seifert im ­"Kicker"-Interview. Seifert nahm die anderen Klubs, vor allem Borussia Dortmund dürfte gemeint sein, in die Pflicht: "In England geben vor einer ­Saison fünf Klubs den Titelgewinn als Ziel aus, in Italien sagen es drei und in Spanien zwei Vereine. In Deutschland erklären 17 Klubs: Von Verfolgern kann keine ­Rede sein. Das muss sich irgendwann ändern."

Aus Sicht der Bayern nicht. Aus der Münchner Kabine hallten nach dem Erfolg in Mönchengladbach spanische Klänge, Müller war nach seinem ersten Bundesligator seit 99 Tagen bestens aufgelegt. "Vielleicht ist die Pause jetzt ganz gut, da kann sich die Liga von dem Schock erholen, dass ich getroffen habe", scherzte der Weltmeister und ­verabschiedete sich in Richtung Nationalmannschaft.

Seine Mitspieler freuten sich für Müller. "Thomas ist sehr mannschaftsdienlich. Daher ist es doppelt und dreifach schön, wenn er ein spielentscheidendes Tor schießt", sagte Mats Hummels, der den großen Vorsprung an der Tabellenspitze ebenfalls genießt. "Das ist eine hervorragende Ausgangs­position. Besser hätten wir es uns vor ein paar Wochen nicht ausgemalt. Aber wir müssen weiter unsere Haus­aufgaben machen."

Für Trainer Ancelotti wird es in den kommenden Wochen darum gehen, die Spannung in seinem Starensemble hochzuhalten. Denn mit der Meisterschaft – es wäre die 27. – gibt sich der FC Bayern im Jahr eins nach Pep Guardiola nicht zufrieden. In Borussia Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals und Titelverteidiger Real Madrid im Viertelfinale der Champions League warten schwere Prüfungen.

"Wenn wir in der Liga bei hundert Prozent sind, sind wir auch in Champions League und Pokal in Topform", sagte Lewandowski. Das klingt danach, dass der Titelkampf schon vor Ostern entschieden ist.

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