Berlin

Bereit für das Feuerwerk

Das „Team Berlin Leichtathletik“ soll bei der EM 2018 in der Hauptstadt Furore machen. Julia Harting will auf jeden Fall eine Medaille gewinnen

Berlin. Sie strahlten nicht gerade überschäumende Zuversicht aus, wie sie da auf einem Podium im Fernsehturm-Restaurant am Alexanderplatz präsentiert wurden. Die Weitspringerin Melanie Bauschke etwa berichtete von ihrem Malheur im vergangenen Jahr, als eine schwere Bänderverletzung ihr die Chance auf einen Olympiastart in Rio de Janeiro verbaut hatte. 800-Meter-Läufer Dennis Krüger muss sich womöglich an seiner schlimmen Hüfte operieren lassen und kann die Saison dann schon abhaken. Irgendwie scheinen alle sich mit Wehwehchen herumzuschlagen. Dabei sollte das "Team Berlin Leichtathletik" doch Mut machen für die Weltmeisterschaften in diesem Jahr in London und vor allem für die Europameisterschaften 2018, denn die finden im Berliner Olympiastadion statt.

Wenigstens Julia Harting geht es richtig gut. Obwohl ihr Mann Robert (wegen eines wichtigen Geschäftstermins unabkömmlich) und ihr Schwager Christoph (hat sich aus dem Team Berlin zurückgezogen, um Platz für andere zu machen), die Olympiasieger von 2012 und 2016 im Diskuswerfen, nicht bei der Präsentation dabei waren. "Man gibt ja sowieso in jedem Wettkampf sein Bestes", sagt die 26-jährige, ebenfalls Diskuswerferin, "aber auf die EM in Berlin freue ich mich ganz besonders." Gründe dafür nennt sie gleich eine Handvoll: "Ich bin hier geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, fühle mich mit der Stadt verbunden", zählt sie auf, "und alle meine Freunde werden da sein."

Ihr sei es sehr wichtig, zum Team Berlin zu gehören. Es gebe einen großen Zusammenhalt untereinander. Die Silbermedaillengewinnerin der Europameisterschaften von 2016 in Amsterdam findet auch, dass viel für Spitzenathleten wie sie getan wird, "alles, was möglich ist". Sponsoren stellen insgesamt 200.000 Euro zur Verfügung für das Team Berlin, zu dem außerdem Stephan Hartmann (Weitsprung), Jossie Graumann (Hochsprung), Lucas Jakubczyk, Marc Koch (beide Sprint) und Charlene Woitha (Hammer) gehören, allesamt Athleten, die national zur Spitze zählen. Außerdem wird aus diesem Topf ein zehnköpfiges Juniorteam gefördert. "Wir wollen Local heroes aufbauen", sagt Gerhard Janetzky, Präsident des Berliner Leichtathletik-Verbandes (BLV), "85 Prozent der Sportler hier wollen sich für die EM in ihrer Heimatstadt qualifizieren. Als Verband werden wir unser Möglichstes tun, um sie dabei zu unterstützen."

Schöne Erinnerungen an den besten Diskus-Wettkampf

Längst laufen die Vorbereitungen, dass die Wettkämpfe auch vor großer Kulisse stattfinden können. Rund 26.500 Tickets sind bereits verkauft, obwohl die EM erst nächstes Jahr vom 7. bis 12. August stattfindet. "Wir sind optimistisch, das Olympiastadion zu einem Tollhaus machen zu können", sagt Markus Schröder vom Organisations-Team, "wir können ein Feuerwerk der guten Laune versprechen und hoffen natürlich auch auf ein Feuerwerk der guten Leistungen."

Das kann Julia Harting nicht versprechen. Aber da sie schon einmal mit Silber dekoriert wurde, sind ihre Ansprüche an sich selbst hoch. "Auf jeden Fall will ich eine Medaille gewinnen, allerdings schon bei der WM in diesem Jahr." Platz neun bei den Olympischen Spielen in Rio ist abgehakt. Mit dem neuen Trainer Marko Badura, der auch Robert Harting seit vergangenem Herbst coacht, "macht es sehr viel Spaß. Er hat ein supergutes Konzept. Und menschlich passt es auch gut".

Und dann vergrößert da noch eine Erinnerung an das Berliner Olympiastadion zusätzlich die Vorfreude auf die EM. Bei ihrem Mann sowieso, der wurde 2009 bei der WM dort erstmals Weltmeister. Seine heutige Frau schaute zu. "Das war der größte Diskus-Wettkampf, den ich je erlebt habe", sagt sie. Wie so oft siegte Robert Harting mit dem letzten Versuch. "Das war alles so spannend", erzählt sie, "noch heute gucke ich mir hin und wieder das Video an und bekomme dabei immer noch eine Gänsehaut". Auch ein Weg, alle Wehwehchen beiseite zu drücken.

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