Fußball

Es ist Zeit für eine neue Fankultur im deutschen Fußball!

Pyros, Beleidigungen, Spuck-Attacken: Auf Tribünen geht es derzeit hoch her. Dabei sind Stadionbesucher Kunden, meint Raik Hannemann.

Hertha-Fans  im Olympiastadion

Hertha-Fans im Olympiastadion

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Die Illusion beginnt oft ja schon bei der Sprache. Im deutschen Profifußball ist leider noch zu oft von Vereinen die Rede (auch in dieser Zeitung). Das klingt so schön bedeutungsschwer nach dem Gemeinnutz eines e.V. samt Elf-Freunde-Romantik, obwohl da doch in Wirklichkeit hochbezahlte und in aller Welt akquirierte Angestellte von Aktiengeschellschaften, GmbHs oder Kommanditgesellschaften wettstreiten im Kampf um TV-Gelder, Fanartikelabsatz und Marktanteile insgesamt – bestenfalls durch sportlichen Erfolg.

Wenn der Fußball außer Kontrolle gerät

Den Kunden, dessen Pro-Kopf-Umsatz beim Catering an jedem Wochenende ja nicht umsonst zehntelcentgenau analysiert wird, nennt beim Stadionbesuch offiziell aber keiner so. Fan oder Anhänger klingt weniger profitorientiert – zumal die Besucher-Emotionen ja nicht nur relevant für die Werbewirtschaft sind, sondern auch unterstützend aufs Spielergebnis wirken können. Leider lässt dieser intransparente Umgang aber auch Raum für Fehlinterpretationen. Und führte zuletzt dazu, dass gesundheitsgefährdende Pyros trotz Verbots als unverzichtbare Fankultur eingeschleust und Mannschaftsbusse für Aussprachen gestoppt wurden. In Berlin soll der Gästetrainer am Samstag von der Vip-Tribüne aus bespuckt worden sein – und das an einem Tag, an dem nach Übergriffen und Beleidigungen durch Dortmunder Fans Europas größte Stehplatztribüne erstmals komplett gesperrt worden war.

Nach vorne, nicht zurück

Die Abschreckung dieser DFB-Strafe wirkt bislang also nur lokal. Daher sei hier mal ganz klar gesagt: Der Kauf eines Bundesligatickets berechtigt, selbst wenn es als Jahreskarte 9000 Euro kostet, immer nur zur Ansicht der angesetzten Fußballpartien – nicht mehr und nicht weniger. Die in der Deutschen Fußball Liga (DFL) organisierten Profiteams täten gut daran, das ihren Kunden auch sprachlich klarer zu übermitteln als bisher, um weitere Eskalationen zu vermeiden. Die Diskussionen über Fanwünsche sind wie in jeder anderen Branche wichtig, aber der Kundenstatus sollte dabei nicht mehr so nonchalant ausgeblendet werden. Auch im Fall Herthas wäre daher wünschenswert, wenn mithilfe technischer Möglichkeiten der fehlgeleitete Besucher ermittelt und mit einem Besuchsverbot belegt würde. So ein Kundenausschluss würde ein klares Zeichen setzen. In einer Sprache, die am Ende jeder versteht.