Fechten

Deutschlands junge Wilde wollen beim Weißen Bär überraschen

Um den Sieg wird der deutsche Nachwuchs beim 57. Weißen Bären eher nicht mitfechten. Trotzdem wollen die Talente auf sich aufmerksam machen.

Der historische Kuppelsaal im Olympiapark ist Schauplatz der Finalkämpfe beim Weißen Bären

Der historische Kuppelsaal im Olympiapark ist Schauplatz der Finalkämpfe beim Weißen Bären

Foto: Frank Lehmann

Berlin.  Das wichtigste Gefecht beim „Weißen Bären“ findet abseits der Planche statt. Bundestrainer Mario Böttcher wird am Wochenende am Rande des Traditionsturniers der Fechter im Olympiapark (Samstag 9 Uhr/Sonntag 10 Uhr) versuchen, Constantin Böhm davon zu überzeugen, seinen Rücktritt zu überdenken. Böhm stand im Vorjahr bereits an der Schwelle zur Weltspitze, hatte nach verpasster Olympiaqualifikation aber den Rücktritt vom Leistungssport erklärt, um sich dem Studium zu widmen. „Ich hoffe, dass ich ihn in Berlin überreden kann, doch weiterzumachen“, sagt Mario Böttcher.

Die deutschen Degenfechter könnten einen wie Böhm gut gebrauchen. Da Altmeister Jörg Fiedler, zweifacher Europameister und 2004 Olympia-Dritter, ins Trainerfach wechselte, mangelt es der Equipe an Führung. Talente gibt es einige, Böttcher nennt sie „die jungen Wilden“. Samuel Unterhauser, Lukas Bellmann, Rico Braun und Peter Bitsch wurden vor zwei Jahren Jugendweltmeister im Team; auch der Deutsche Meister Richard Schmidt ist erst 24 Jahre alt. Doch es fehlt jemand, der der jungen Truppe vorangeht, sie notfalls auch mal bremst. „Fechten ist ein Geduldsspiel“, sagt Böttcher. Besonder mit dem Degen: In dieser Disziplin zählen Treffer am ganzen Körper, was unerfahrene Fechter gern zu allzu offensiver Herangehensweise verleitet. „Aber wenn man es mit der Brechstange versucht, wird das meist sofort bestraft“, so Böttcher.

Starterfeld auf Rekordniveau, das Preisgeld wird verdoppelt

Die besten Degenfechter sind deshalb oft schon weit über 30. Dass ein Juniorenfechter den Sprung ins Nationalteam schafft, kommt selten vor. Genauer gesagt war das 20 Jahre lang nicht mehr passiert, ehe Rico Braun im Herbst diese Ehre zuteilwurde. Die Heim-WM im Juli in Leipzig kommt für den jungen Mann aus Tauberbischofsheim wohl noch zu früh, doch bis 2020 will sich der 19-Jährige in der Weltspitze etabliert haben. „Mein Ziel sind die nächsten Olympischen Spiele“, sagt er. Beim Weltcup in Buenos Aires schaffte es Braun in dieser Saison bereits in Hauptfeld. Sein Ziel für den „Weißen Bären“ lautet unter die besten Acht zu kommen.

Ein deutscher Sieger wäre bei der 57. Auflage eine Überraschung. „Wenn es zwei Deutsche bis ins Viertelfinale schaffen, wäre das schon sehr gut“, sagt Mario Freund, Präsident des Berliner Fechterbunds, der das Turnier gemeinsam mit dem Fecht-Club Grunewald organisiert. Favorisiert sind diesmal andere: Der Tscheche Jiri Beran als einziger Olympiateilnehmer im Feld, sein Landsmann Richard Pokorny, der Vorjahreszweite, dazu die Franzosen und Italiener. Titelverteidiger Niklas Multerer (Heidenheim) fehlt aus gesundheitlichen Gründen. Insgesamt haben 330 Athleten gemeldet, so viele wie noch nie, auch die 34 Nationen sind Rekord – damit ist der „Weiße Bär“ erneut eines der größten Herrendegenturniere weltweit. Viele Topleute fehlen allerdings, sie starten lieber drei Tage später beim Weltcup in Heidenheim. Dennoch rechnen die Veranstalter bei den Finalkämpfen im historischen Kuppelsaal des Olympiaparks – 1936 für die Fechtkämpfe errichtet – mit vollem Haus. Eine schicke Finalbahn wurde neu angeschafft, das Preisgeld verdoppelt, und eine eigens engagierte Agentur sorgt nun für die richtige Präsentation. „Die Veranstaltung ist insgesamt noch einmal aufgewertet worden“, sagt Dieter Bergmann, Präsident des Fecht-Clubs Grunewald.