Ruhpolding

„Am wichtigsten ist mir, dass ich bleibe, wie ich bin“

Biathletin Franziska Preuß über Rummel und Rivalin Dahlmeier

Ruhpolding. Unangefochten gewann die Finnin Kaisa Mäkäräinen den Sprint beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding vor der Tschechin Gabriela Koukalova und der Ruhpoldingerin Laura Dahlmeier. Abgeschlagen als 31. kam Franziska Preuß ins Ziel. Doch für die 22-jährige geht es momentan noch nicht wieder um Podestplätze. Preuß, die seit gut einem Jahr mit Deutschlands Vorzeigeskijäger Simon Schempp liiert ist, hat in ihrer Karriere vier WM-Medaillen geholt, jetzt aber gerade eine längere Pause hinter sich.

Frau Preuß, Sie mussten in dieser Saison schon auf die Weltcups in Pokljuka und Oberhof verzichten, ebenso auf die Show-Veranstaltung auf Schalke. Schuld waren ein Magen-Darm-Virus und eine hartnäckige Grippe. Immerhin wussten Sie diesmal, woran Sie waren – anders als bei der ominösen Steißbeinverletzung vor einem Jahr. Was lief da falsch?

Franziska Preuß: Leider war der Haarriss im Steißbein damals zunächst nicht entdeckt worden – und man ging davon aus, dass es von selbst besser wird. Aber wir Sportler haben ein gutes Körpergefühl – ich hab‘ schon gemerkt, dass da was nicht stimmt. Jeder Schritt tat weh. Im letzten Jahr um diese Zeit saß ich bei den beiden Heimweltcups in Ruhpolding im Kraftraum auf dem Radl und sah die anderen vor mir am Fenster vorbeilaufen – in dem Stadion, in dem ich das ganze Jahr über trainiere. Das war hart. Aber irgendwie lernt man aus allen Situationen etwas, auch aus den blöden.

Sie schätzen die Ruhe, die Sie als Biathletin von April bis November haben. Ab und zu ein bisschen Stress wie jetzt in Ruhpolding darf es aber schon sein, oder?

Den genieß‘ ich schon. Das ist ja das Ziel – und wenn ich mal ein gutes Rennen hab‘, gehört es einfach dazu. Das ist dann ja auch schöner Stress. Man muss halt immer wieder Momente finden, wo man zu sich kommt, irgendwie Energie tankt, sich ablenkt. Wenn man da so ein Mittelmaß findet, kommt man relativ entspannt durch die Saison.

Und brauchen Sie zwischen den Wintern einen Kick wie Laura Dahlmeier…

… Nein, nein…

… die auf Berggipfel kraxelt, in schwindelerregender Höhe auf Felssimsen übernachtet und durch den Himalaya tourt?

Nein, das brauch‘ ich nicht.

Im vorigen und in diesem Winter bekam Laura Dahlmeier wegen ihrer Erfolge viel mediale Aufmerksamkeit. Vor drei Jahren starteten Sie beide auf Augenhöhe in den Weltcup, nun ist Dahlmeier – auch wegen Ihrer wiederholten Ausfälle – erst mal davongezogen. Wie würden Sie die Konkurrenzsituation zwischen Ihnen beschreiben?

Wir verstehen uns weiterhin gut. Aber es hat sich schon etwas verändert. Man merkt, dass jede von uns ihren Weg geht – der anders ist als noch vor einigen Jahren. Das ist aber normal. Wir waren damals bei unserem Aufstieg ins Weltcup-Team echt jung. Jeder entwickelt sich eben weiter, setzt andere Prioritäten.

Hat das auch mit Laura Dahlmeiers Erfolgen zu tun?

Nein. Ich glaube, das sind einfach die Persönlichkeiten, die sich verändern.

Was zeichnet Sie als Biathletin aus? Bundestrainer Gerald Hönig schätzt besonders ihr Draufgängertum – etwa am Schießstand, wo Sie meistens sehr zügig abdrücken.

Mir ist in dem ganzen Biathlongeschäft am wichtigsten, dass ich einfach meinen Weg gehe, mich auf das Wesentliche konzentriere und nicht ablenken lasse. Dass ich so bleib‘, wie ich bin.