Vorbereitung

Bühne frei zum Aufstiegscasting bei Union Berlin

Die Union-Profis müssen sich in Spanien für die Rückrunde empfehlen. Für 14 Spieler geht es um neue Verträge.

Kurz nach der Ankunft in Oliva Nova stand für die Spieler des 1. FC Union zunächst eine lockere Laufeinheit auf dem Programm

Kurz nach der Ankunft in Oliva Nova stand für die Spieler des 1. FC Union zunächst eine lockere Laufeinheit auf dem Programm

Foto: Matthias Koch

Oliva Nova.  Stammelf? Davon will Jens Keller eine Woche nach dem Trainingsstart noch nichts wissen. Der Coach des 1. FC Union wird im Trainingslager in Oliva Nova an der spanischen Mittelmeerküste die Türen für seine Spieler in beide Richtungen offen halten, zur Startformation ebenso wie zur Ersatzbank. Oder auch auf die Tribüne. Auch wenn jene Profis, die in der besten Zweitliga-Hinrunde der Klub­geschichte das Gerüst jener Mannschaft bildeten, die es mit 28 Punkten bis auf Platz fünf geschafft hat, sicher Vorteile haben werden – Keller ließ keinen ­Zweifel daran, dass es kein Ausruhen auf dem bisher Erreichten geben wird. „Es ist jetzt wieder Vorbereitung, die Spieler müssen sich beweisen. Jeder hat jetzt wieder die Möglichkeit, sich zu präsentieren“, machte der 46-Jährige deutlich. Bühne frei zum Aufstiegs­casting.

Angesichts des bis 31. Januar offenen Transferfensters bekommt jenes Präsentieren für den Großteil des Kaders gleich noch eine übergeordnete Bedeutung. Denn die Verträge von gleich 14 Spielern enden im Sommer. Da heißt es, jetzt in Spanien Pluspunkte für ein weiteres Engagement an der Alten Försterei zu sammeln – oder sich für einen neuen Arbeitgeber zu empfehlen. Und Kellers Maxime, den Kader eher verkleinern zu wollen, gilt weiterhin.

Vor allem auf der linken Offensivseite herrscht ein Überangebot. Gerade als sich Adrian Nikci anschickte, sich den Platz auf der Außenbahn zu sichern, wurde er von Kenny Prince Redondo überholt. Der wiederum musste Platz machen, als der Schwede Simon Hedlund, mit rund 850.000 Euro Unions teuerster Einkauf, zu seiner Form gefunden hatte. Während Redondos Vertrag noch bis 2019 läuft, stehen Nikcis Aktien auf ein Bleiben bei Union über den Sommer hinaus eher schlecht. Schließlich ist da noch Maximilian Thiel, einst als Dampfmacher auf der linken Seite geholt, wegen seiner langwierigen Schulterverletzung jedoch noch ohne Einsatz unter Trainer Keller. Auch für ihn dürfte es eng werden, zumal er wegen muskulärer Probleme gar nicht erst mit nach Spanien gereist ist.

Gleiches gilt auf der anderen Seite für Christopher Quiring und Raffael Korte. Für Publikumsliebling Quiring gibt es seit Monaten kein Vorbeikommen an Steven Skrzybski, und Kurzeinsätze können der Anspruch des Flügelflitzers nicht sein. Korte spielte in dieser Saison noch keine einzige Minute, nachdem er sich zunächst von seinem Kreuzbandriss im vergangenen Februar zwar erholt hatte, ihn kleinere Verletzungen aber immer wieder zurückwarfen.

Dahinter, auf der rechten Abwehrseite, wird ein Duell zwischen Christopher Trimmel und Benjamin Kessel erwartet. Kessel, damals auch Union-Kapitän, war in der vergangenen Saison auf der Außenverteidigerposition gesetzt – bis ihn eine Kreuzbandzerrung zunächst eine hundertprozentige Vorbereitung im Sommer kostete und ihn dann auch noch ein Fußbruch Ende Juli für ein Vierteljahr außer Gefecht setzte. Trimmel wusste seine Chance zu nutzen und spielte sich in die Viererkette. Selbst als Kessel wieder voll einsatzbereit war, hielt Trainer Keller am Österreicher fest. Eine Vertragsverlängerung von beiden Spielern scheint eher unwahrscheinlich.

Abwehrchef Leistner ist bei den Köpenickern gesetzt

Neben Abwehrchef Toni Leistner (Vertrag bis 2018) ist in der Innenverteidigung anscheinend Roberto Puncec nicht mehr wegzudenken. Inwiefern sich der Kroate behaupten kann, wenn Fabian Schönheim (2019) nach langwierigen Adduktorenproblemen wieder einsatzbereit ist, bleibt abzuwarten. In jedem Fall hat Puncec in den vergangenen Wochen und Monaten punkten können.

Im defensiven Mittelfeld könnte Dennis Daube seine Schulterverletzung, erlitten im vorletzten Hinrundenspiel in Heidenheim (0:3), zum Verhängnis werden. Dabei hatte der Hamburger seinen Platz erst Mitte der Hinrunde von Stephan Fürstner zurückerobert. So unterschiedlich die Spielweisen der beiden Sechser sind (Fürstner gibt eher den klassischen Abräumer, Daube hat Qualitäten in der Spieleröffnung), so gleich ist ihre Situation: Vertragsende im Sommer.

Wann Daube, der zur weiteren Behandlung in Berlin geblieben ist, wieder auf den Platz zurückkehrt? „Ich mache mir jetzt erst mal gar keinen Kopf darüber, wann er wieder zurückkommt“, sagte Keller: „Das kann sich auch zwischen drei und fünf Monaten hinziehen. Ich hoffe, dass er in dieser Saison überhaupt noch mal zur Verfügung steht.“ Keine guten Voraussetzungen angesichts der Vertragssituation. „Aber das ist Profigeschäft. Da kann er nichts dafür und wir auch nicht. Wir müssen jetzt zunächst sehen, wie die Heilung verläuft. Klar ist das bitter, aber das ist im Profidasein so“, erklärte Keller.

Nach einer Saison, in der er kaum stattgefunden hatte, erlebt dagegen Collin Quaner derzeit bei Union sein bestes Jahr. Mit sieben Toren ist er Unions bester Torschütze, und sein Ziel ist die Bundesliga. „Am liebsten mit Union“, ließ Quaner wissen, und am besten natürlich schon in diesem Jahr. Wohin die Reise geht, ist offen. Quaners Berater und Union sind jedenfalls in Gesprächen. Für Sören Brandy wird es hingegen schwer werden, den vier Jahren bei Union weitere folgen zu lassen. Spätestens, wenn Philipp Hosiner nach seinem Lungenkollaps wieder vollständig einsatzbereit ist, rückt Brandy auf Position drei im Stürmerranking zurück. Für Verteidiger Emanuel Pogatetz ist die Zeit bei Union wohl ebenso abgelaufen wie für Benjamin Köhler, der in Berlin geblieben ist, und Michael Gspurning, Unions dritten Torwart.