Trainingslager

Fußballklubs machen Bogen um die Türkei

Im Winter zog es zuletzt viele Klubs an südöstliche Mittelmeer. Doch wegen Terror und Erdogan ist Spanien jetzt erste Wahl der Bundesliga.

Hertha zieht es nach Mallorca

Hertha zieht es nach Mallorca

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  Die Besucherzahlen in den Badehochburgen brechen dramatisch ein, und auch die deutschen Fußballklubs machen jetzt einen großen Bogen um die Türkei. Vor einem Jahr holten sich noch 16 der 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga dort den Feinschliff für die Rückrunde, in diesem Winter schlägt dort kein einziges deutsches Profiteam mehr sein Lager auf. Die politischen Unruhen haben Spuren hinterlassen.

„Mit Erdogan will ich nichts zu tun haben“, sagte zum Beispiel Gertjan Verbeek, Trainer des Zweitligisten VfL Bochum. Durch die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan driftet das Land in eine Autokratie ab. Seit dem Militärputsch im Juli kam es zu Tausenden Entlassungen und Verhaftungen – und vielen mörderischen Anschlägen. Das wirkt sich extrem negativ auf die Attraktivität des Landes aus. Im Juni meldete das Tourismusministerium ein Minus von 40 Prozent bei den Besucherzahlen aus dem Ausland.

Vorteile sind überholt

Dabei war besonders Belek jahrelang der Traum fast eines jeden Bundesligaklubs. Auf einer Vielzahl von Rasenplätzen konnte dort bei solidem Wetter trainiert werden, der nächste Testspielgegner war nie weit – und das alles zu einem erschwinglichen Preis. Doch die Zweifel an der Sicherheit haben die Vorteile längst überholt. 2016 kam es in der Türkei zu Dutzenden Anschlägen, erst an Silvester wieder kamen bei einem Attentat mehr als 40 Menschen ums Leben. „Wir haben uns dieses Jahr auch aufgrund der unsicheren politischen Lage in der Türkei gegen ein Trainingslager in Belek entschieden“, teilte die Presseabteilung des Hamburger SV mit. Stattdessen fliegen die Hanseaten nach Dubai, ins Land ihres Hauptsponsors Emirates.

So wie der HSV denken viele Klubs. „In diesem Jahr bestand bei der Türkei das Risiko, dass es schwierig werden könnte, Gegner für Testspiele zu finden, weil nur sehr wenige Klubs dort Trainingslager beziehen“, teilte Borussia Mönchengladbach mit. Von den Absagen profitiert vor allem die iberische Halbinsel. Zehn Erstligisten wählen als neue Destination Spanien, Rekord-Aufsteiger RB Leipzig und Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart schlagen ihre Zelte in Lagos in Portugal auf.

Der zweite Saisonteil beginnt mit dem 17. Spieltag, am 20. Januar empfängt SC Freiburg den FC Bayern München. Frühstarter in der Vorbereitung sind der 1. FC Köln, der FC Ingolstadt und Werder Bremen, die schon an diesem Montag ihre Profis wieder zum Training rufen.