Darmstadt

Mit Mut und Leidenschaft

Torsten Frings freut sich auf seinen ersten Job als Cheftrainer und verspricht Darmstadts Klassenerhalt

Darmstadt. Mit Willenskraft und Kampfgeist wie einst auf dem Platz geht Torsten Frings seine Herkulesaufgabe beim SV Darmstadt 98 an. Trotz der schwierigen Situation beim Bundesliga-Schlusslicht sieht der 40-Jährige gute Chancen auf den Klassenverbleib. „Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir das mit der Mannschaft schaffen“, sagte der 79-malige Fußball-Nationalspieler bei seiner Vorstellung.

Bei seiner ersten Station als Chefcoach trifft der frühere Assistent von Werder Bremen auf eine Mannschaft, die zuletzt acht Mal in Serie verloren, in 16 Spielen nur elf Tore erzielt und oft nicht ihre Erstliga-Tauglichkeit nachgewiesen hat. „Wir haben den Glauben und den Mut, das anzupacken“, versicherte Frings. Bevor über Verstärkungen gesprochen werde, wolle er sich erst einmal den jetzigen Kader anschauen und jedem Profi eine Chance geben.

An die Verhältnisse am Böllenfalltor konnte sich Frings schon mal gewöhnen: Der neue Hoffnungsträger nahm bei seiner ersten Pressekonferenz an einem abgenutzten Holztisch Platz – nicht wie sonst im Oberhaus üblich auf einem ausladenden Podium – bevor er durch den engen Kabinengang verschwand. „Ich finde es total geil. Hier kommt man nicht her, weil das Trainingszentrum so schön ist. Man kommt hierher, um zu arbeiten“, sagte er.

Die „Lilien“ waren zuletzt auch unter Interimscoach Ramon Berndroth dreimal punkt- und torlos geblieben. Frings erhielt als Nachfolger des beurlaubten Norbert Meier einen ligaunabhängigen Vertrag bis 2018. Präsident Rüdiger Fritsch und die Klubführung setzen darauf, dass der zweimalige WM-Teilnehmer die Tugenden der Darmstädter wiederbelebt und so vielleicht ein zweites Wunder wie im vergangenen Jahr unter Ex-Trainer Dirk Schuster möglich ist. „Das ist für uns wichtig: Der Wille, die Leidenschaft und die Motivation“, erklärte Fritsch. Frings soll auch für eine Weiterentwicklung sorgen: „Jeder hier ist überzeugt, dass ich nicht nur als Feuerwehrmann herkomme, sondern was aufbauen soll.“ Er ist der erste der deutschen „Sommermärchen“-Helden von 2006, der als Cheftrainer bei einem Bundesliga-Klub arbeitet. „Das ist für mich auch was ganz Besonderes, eine Riesenchance“, sagte er.

Frings hatte 2013 seine Profikarriere beendet, 2015 die Fußballlehrer-Lizenz erworben und in Bremen als Co-Trainer von Viktor Skripnik zunächst bei der zweiten Mannschaft und dann beim Bundesliga-Team gearbeitet. Jetzt in Darmstadt hält er das Lenkrad allein in der Hand, es gibt nicht mal einen Sportchef. Aber es kann manchmal auch von Vorteil sein, wenn die Erwartungen nicht so groß sind. Seine Forderung an die Mannschaft ist klar und zeigt, dass Frings die Schwere der Aufgabe erkannt hat: „Wenn jeder sein Herz auf den Platz schmeißt, dann können wir das schaffen, woran in Deutschland nur noch unsere Fans glauben.“ Und noch etwas lag dem 40-Jährigen am Herzen, sein ungeliebter Spitzname „Lutscher“: „Es wäre mir lieb, wenn wir ihn nicht weiter benutzen würden“, bat er.