Berlin

Eisbären am Scheideweg

Berliner Eishockeyteam enttäuscht und verärgert die Fans. Die nächsten Spiele sind wegweisend

Berlin. „Hockey Halleluja“ nennen sie es, und es ist das Spektakel des Jahres in München. Der Meister, also Red Bull München, empfängt am Freitag den Rekordmeister der Deutschen Eishockey Liga (DEL), den EHC Eisbären (19.30 Uhr). Ausnahmsweise in der großen Olympiahalle, vor 10.000 Zuschauern. Das Eishockey-Fest nach dem Fest.

Ob das Spiel die Erwartungen erfüllen kann, steht von Seiten der Eisbären allerdings akut in Frage. Eher ein bedrücktes „Na, halleluja“ lag vielen Fans nach dem 2:3 nach Verlängerung gegen den Tabellenletzten Krefeld auf den Lippen. Der Anhang äußerte anfangs noch Wut über die Leistungen der Mannschaft, schwenkte später über zu Sarkasmus. Kaffee und Kuchen wurde ebenso verlangt wie Freibier. Die Fans feierten sich selbst. Autsch!

Das Team gibt ja auch keinen Anlass. Fünf der vergangenen sechs Spiele wurden verloren. Die Defizite scheint Trainer Uwe Krupp kaum mehr in den Griff zu bekommen. „Das war ein charakteristisches Spiel für den Lauf, den wir haben“, sagt er. Es geht wenig zusammen bei der Mannschaft, sie ist nicht torgefährlich, hat kein Selbstvertrauen, kaum Ideen und bringt zu wenig Entschlossenheit auf das Eis.

In der Tabelle liest sich Rang acht mit vier Punkten Rückstand auf Platz sechs und damit die direkte Viertelfinal-Teilnahme noch nicht dramatisch. Doch schon in den nächsten drei Partien dürften die Weichen gestellt werden. Unter anderem mit den Spielen gegen den Sechsten Augsburg und den Fünften Köln, der schon sieben Punkte entfernt ist. Derzeit steuert der Eisbären-Zug klar in Richtung Pre-Play-off.

Die Ursachen dafür lassen sich vom Trainer schwerlich bekämpfen. Mit der Verletzungsproblematik, vier der besten Spieler fallen lange aus, kommt die Mannschaft nicht klar. Sie kann Ausfälle auf Dauer nicht kompensieren. Dazu fehlt es den vermeintlichen Leistungsträgern an Form. Stürmer wie Julian Talbot, Barry Tallackson, Florian Busch oder Spencer Machacek hängen den Erwartungen weit hinterher. Aus der Abwehr entsteht so gut wie keine Offensivkraft, gestandene Verteidiger wie Constantin Braun oder Bruno Gervais fallen zudem mehr durch Fehler auf als durch solide Abräumarbeit. In Unterzahl und Überzahl gehören die Berliner zu den schlechtesten Teams in der DEL.

Die ständige Arbeit an den Problemherden brachte bislang keine Besserung. „Das ist eine schwierige Phase, wo dir die Lockerheit abgeht. Du willst unbedingt alles richtig machen“, sagt Krupp, der die Lage als die schwierigste in seinen zwei Jahren im Klub betrachtet. „Wenn der Erfolg nicht da ist, wird sofort viel überlegt. Das hilft uns im Moment nicht. Du brauchst Spieler, die Gas geben. Die Lösung kommt von innen, wir müssen die Ärmel hochkrempeln“, so Krupp.

Viel mehr als die Hoffnung auf ein Wunder nach dem Beispiel von Ingolstadt 2014, das als Neunter zum Titel durchstartete, scheint für diese Saison kaum noch zu bleiben. Ein ernüchterndes Zwischenfazit, das die Frage nach der Entwicklungsfähigkeit der Mannschaft aufwirft und damit die nach der Tauglichkeit der Profis. Geschäftsführer Peter John Lee und Sportdirektor Stefan Ustorf sind gezwungen, dringend ihre Personalpolitik zu überdenken.

Für die Mannschaft gilt derweil, was Verteidiger Braun sagt:. „Wir müssen schauen, dass wir den Kopf nicht hängen lassen.“ Halleluja.