Sinsheim

Nagelsmann ist die größte Entdeckung des Fußball-Jahres

Hoffenheim ist noch unbesiegt, das gab es bisher erst fünf Mal

Sinsheim. Vieles deutete darauf hin, dass die Abfahrten um Saalbach-Hinterglemm an Weihnachten von einem schlecht gelaunten Pistenrowdy unsicher gemacht würden. Julian Nagelsmann schimpfte und zeterte nach dem 1:1 (1:0) zum Jahresabschluss gegen Bremen, doch bevor Hoffenheims Trainer wütend in den Ski-Urlaub aufbrach, besann er sich eines Besseren. „Wenn ich an Silvester eine Träne aus Frust vergießen würde“, sagte der 29-Jährige, „dann hätte ich doch einen Pfeil im Kopf.“

Tatsächlich wirkte der Ärger über die beiden verschenkten Punkte gegen Werder stark überzogen – zumindest beim Blick auf das Gesamtjahr. Seit Nagelsmanns Amtsantritt im Februar haben sich die Kraichgauer vom Abstiegskandidaten zum Team der „Unbesiegbaren“ gemausert. Sie sind die einzige noch ungeschlagene Mannschaft der Saison im deutschen Profifußball. Die TSG ist erst die sechste Mannschaft in der Bundesliga-Historie, die nach 16 Spieltagen noch keine Niederlage kassiert hat. Die bisherigen fünf Klubs, die diese Zwischenbilanz vorweisen konnten, landeten am Saisonende alle unter den besten Vier – vier der fünf wurden sogar Meister (nur Bayer Leverkusen nicht).

Hoffenheim hält Kurs auf die erste Europacup-Teilnahme seiner Klubgeschichte. Dem ehrgeizigen Nagelsmann reicht die starke Zwischenbilanz des Tabellenfünften (28 Punkte) aber nicht. „Beim Blick auf die Tabelle würde ich eine 2 geben“, antwortete der Coach auf die Frage nach seiner Note für das Halbjahreszeugnis: „Von meinem Gefühl der Zufriedenheit ist es aber nur eine 3 bis 4. In Schulzeiten wäre ich damit zufrieden gewesen – als Trainer bin ich es nicht so ganz.“ Doch obwohl Nagelsmann weder mit dem Auftritt gegen Bremen noch mit den vielen Unentschieden (10) einverstanden war, konnte er seinem Frust etwas Positives abgewinnen. „Im Grunde ist es gut, mit einem Gefühl der Unzufriedenheit in den Urlaub zu gehen. Das ist besser, als in den Süden zu fliegen und zu denken, dass wir alle Halbgötter sind.“ Nagelsmann ist es gelungen, Spieler wie Sebastian Rudy und Niklas Süle zu begehrten Objekten reifen zu lassen. Beide zieht es im Sommer zum FC Bayern, auch wenn Uli Hoeneß nun dem „Kicker“ zum Fall Süle sagte: „Die Ablöse könnte die Sache stark gefährden.“ Er soll 25 Millionen Euro kosten.