München

Bayerns Machtdemonstration

Mit einem bissigen Auftritt zeigen die Münchner den Leipzigern beim 3:0 schonungslos die Grenzen auf

München. Was für eine klare Ansage! Das Imperium schlägt zurück – mit 3:0 (3:0) gewannen die Bayern das Gipfeltreffen gegen RB Leipzig. Thiago, Xabi Alonso und Robert Lewandowski trafen bei der Machtdemonstration. Die Münchner sind Weihnachtsmeister, mit drei Punkten vor dem neuen Herausforderer. Die Moral von der Geschicht’: Reize diese Bayern nicht!

Es ging um nicht weniger als um die Vorherrschaft im deutschen Fußball, um Platz eins der Bundesliga und um das gute Gefühl unter dem Weihnachtsbaum. „Die Anspannung ist da, so ein Spiel hatten wir schon lange nicht mehr, vier Jahre nicht“, sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vor dem Anpfiff. Und die Gäste-Mannschaft wollte laut ihrem Trainer Ralph Hasenhüttl „zeigen, wie weit sie in der Entwicklung ist. Daher brauchen wir auch solche Spiel, um zu wissen, was uns noch fehlt.“

Ancelotti lässt Müller diesmal nur auf der Bank schmoren

So kam es auch. „Wir waren sehr aggressiv, hatten sofort die Spielkontrolle“, lobte Trainer Carlo Ancelotti sein Team nach dem 3:0, „wir mussten uns verbessern und haben uns verbessert. Dieses Spiel gibt uns Selbstvertrauen für die Zukunft.“ Für die fünfte Meisterschaft hintereinander?

Nach einer Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags von Berlin begann das Duell Best-of-Sachsenpower gegen den Titelverteidiger, bei dem Ancelotti bewies, dass er – wenn es hart auf hart kommt – konservativ aufstellt. Ohne Franck Ribéry, ohne Thomas Müller. Mit dem zentralen Fixpunkt Alonso, der sich zur Not in die Viererkette zurückfallen ließ. Arturo Vidal sollte den Mittelfeld-Rammbock geben, vor ihm interpretierte Thiago die Position von Müller.

Als Torjäger: Nach 17 Minuten mit goldrichtigem Laufweg, der Spanier sprintete in den Pfosten-Abpraller nach dem Schuss von Lewandowski, eingefädelt über rechts von Philipp Lahm – das 1:0. Die Bayern setzten nach, erhöhten nochmals Druck und Tempo, man konnte spüren, wie sehr ihnen diese Leipziger, deren Drei-Spieltage-Tabellenführung und das landesweite Geraune über deren Spielweise zugesetzt hatte. Diese Bullen verliehen den Bayern Flügel. Es ging darum, ein deutliches Statement zu setzen. Nicht mit uns!

Es ging so einfach: Ballgewinn Vidal, Lewandowski auf Thiago, der rüber zu Alonso und locker hinein ins lange Eck – das 2:0 nach 25 Minuten. Ancelotti, der alte Fuchs, hatte alles richtig gemacht mit seiner Aufstellung. Konservativ? Ja, und? Effektiv! Thiago agierte viel ballsicherer und zielstrebiger als Müller, der in der Vorrunde auch nur einen Liga-Treffer gelandet hatte. Die Bayern ließen sich nicht mal durch die neue Frisur von Mats Hummels irritieren, der über Nacht erblondet war – er musste seinen Wetteinsatz beim Dosenwerfen einlösen. Ein letztes Aufbäumen der Leipziger: Den Kopfball von Willi Orban parierte Torhüter Manuel Neuer (29.), den Konter über Lahm stoppte Emil Forsberg noch in der Bayern-Hälfte mit einer rüden Sense von hinten. Sofortige Rudelbildung, Adrenalin allüberall. O du hitzige! Ganz Bayern forderte Rot für den Schweden. Schiedsrichter Felix Zwayer hielt kurz Rücksprache mit seinen Assistenten, es konnte nur Strafe geben: Platzverweis, der erste der Bundesliga-Historie von RB – die Bullen fortan zu zehnt. Und gezähmt. Lewandowski erhöhte per Elfer nach plumpem Foul von Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi an Douglas Costa auf 3:0 (45.). Bayern packte den Stier bei den Hörnern. Letztes Spiel gleich bestes Saisonspiel. „Wir wollten vor der Winterpause noch mal ein Ausrufezeichen setzen, das ist uns vor allem in der ersten Halbzeit gelungen“, sagte Kapitän Philipp Lahm.

Schaulaufen der Gastgeber in der zweiten Halbzeit

Leipzig erlebte eine gute Einordnung. „Das war eine Lehrstunde, eine Topvorstellung der Bayern. Unser System funktioniert nur dann, wenn alle synchron agieren. Das war heute nicht der Fall“, sagte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl, der eine zweite Hälfte als Mischung aus Schaulaufen und lockerem Auslaufen der Bayern sah.