München

Wehe, Ancelotti wird nicht Weihnachtsmeister

Zwischenbilanz des neuen Bayern-Trainers wird vom Duell gegen Leipzig maßgeblich beeinflusst

München. Damit hatte Carlo Ancelotti (57) nicht rechnen können. Dass er nach einem halben Jahr Arbeit beim FC Bayern in eine ähnliche Situation gerät wie Jürgen Klinsmann im Dezember 2008. Damals kamen die jungen Wilden von der TSG Hoffenheim, im Sommer zuvor aufgestiegen, mit Trainer Ralf Rangnick. Sie hatten aufregenden Fußball geboten, forderten die Bayern heraus – und unterlagen in einem mitreißenden Spektakel 1:2. „Gegenwart schlägt Zukunft“ hieß es damals. Nun ja, die Bayern wurden 2010 und von 2013 bis 2016 Meister. Aber eben nicht 2009. Was am VfL Wolfsburg lag und an Klinsmann, der im April entlassen wurde.

Klingt, als wäre es Jahrzehnte her. Ancelotti dürfte auch im April 2017 noch im Amt sein. Doch der Ausgang des Duells gegen RB Leipzig (20 Uhr, Sky) gilt als Maßstab für die Bewertung seiner Arbeit im ersten halben der drei Vertragsjahre. Es geht gegen die jungen Wilden aus Sachsen, im Sommer zuvor aufgestiegen, mit Sportdirektor Ralf Rangnick. Sie haben aufregenden Fußball geboten, fordern nun die Bayern heraus – man erwartet ein Spektakel. „Ein interessantes Spiel für alle, die Fußball lieben“, erwartet Ancelotti. Er spricht mit der Aufgeregtheit eines Fahrlehrers, der seinen 857. Schüler prüfen soll.

Wenn ein Trainer in sich ruht, dann dieser. Das Schwierigste an der Sensation der Liga? Für den Italiener die Aussprache des Städtenamens. „Leipzig spielt mit sehr hoher Intensität, mannschaftlich geschlossen, schnell.“ Wieso sollte das Weltmann Ancelotti überraschen? Gelernt hat er Mia-san-Mia-Sätze, antwortet also: „Wir wollen das Spiel kontrollieren und nach unserer Art und Weise gewinnen.“ Mit Philipp Lahm (33) und Arjen Robben (32), die nach ihrer Pause gegen Darmstadt wieder in der Startelf stehen. Bayern also mit den Oldies in der ältesten Mannschaft der Liga (27,9 Jahre im Schnitt) gegen das jüngste Team (24,1). In Sachen Taktik, so Ancelotti, gäbe es „keine Revolution“. Der Coach setzt auf „eine gute Balance. Es gehe nicht darum, ob „wir vier oder drei Stürmer aufbieten. Ein Risiko wäre es, ohne Balance zu agieren, dann verlierst du die Kontrolle, bekommst Probleme wegen ihrer Schnelligkeit bei Kontern.“ Aus Sicht der Bosse und der eigenen Fans darf jedoch der Weihnachtsmeister nicht RB Leipzig heißen. Dann wäre die Tabelle ein Ärgernis bis zum nächsten Spieltag (20.-22. Januar). Kein guter Rutsch. Zweiter in der Liga, Zweiter in der Champions-League-Gruppe, das wäre ein dickes Minus in der Ancelotti-Bilanz nach 25 Pflichtspielen. Dem Nachfolger Pep Guardiolas, der mit mehr Gelassenheit und Lockerheit den Kader führt, die Spieler im Training auch einfach mal machen lässt, wurde Sturheit vorgeworfen. Als es nicht lief, man im September/Oktober (0:1 bei Atletico, 1:1 gegen Köln, 2:2 in Frankfurt) ebenso wie im November (1:1 gegen Hoffenheim, 0:1 in Dortmund, 2:3 in Rostow) je dreimal hintereinander nicht gewinnen konnte, änderte er seine Ausrichtung, ließ wieder offensiver spielen – ein zentraler defensiver Mittelfeldspieler weniger, ein Offensiver mehr. Ergebnis: Fünf Siege hintereinander, eine glückliche Mannschaft. „Ich bin zufrieden“, sagte Ancelotti über die Hinrunde, „wir sind im Soll. Bisher haben wir es okay gemacht, können es aber besser. Ich bin mir sicher, dass die Rückrunde besser wird.“ Was bei Guardiola ja nie der Fall war. Und wohl auch erst endgültig über Ancelottis Bewertung entscheidet.